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Enerige & Management > Gas - Ohne grüne Gase keine Wärmewende
Bild: Fotolia, Dmitry Naumov
GAS:
Ohne grüne Gase keine Wärmewende
Auf dem Innovationsforum Wasserstoff & Brennstoffzelle diskutierten Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Forschung über die politischen Rahmenbedingungen und Technologieentwicklungen.
 
Die zunehmende Bedeutung der Brennstoffzelle in der Welt der CO2-neutralen Wärmeerzeugung stand im Mittelpunkt des 3. Innovationsforums Wasserstoff & Brennstoffzelle. Seit Beginn des KfW-Förderprogramms wurden bereits mehr als 13.000 Förderanträge auf Brennstoffzellenheizungen bewilligt, so die Bilanz der Branche. Timm Kehler, Vorstand von Zukunft Erdgas, sagte: „Mit dieser Technik steigen Bauherren und Modernisierer schon heute in die Wasserstoffzukunft und eine zunehmend CO2-neutrale Energieversorgung ein.“

Mit einem verstärkten Einsatz umweltschonender Gas-Technologien ließen sich CO2-Emissionen schnell und deutlich reduzieren, meint die Branche. Die Veranstaltung am 22. Oktober wurde von der Initiative Brennstoffzelle auch digital ausgerichtet. „Mit der Europäischen und Nationalen Wasserstoffstrategie erkennt die Politik die Rolle grüner Gase im Energiemix an“, erklärte Andreas Lücke, Sprecher der Initiative Brennstoffzelle (IBZ) und Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Heizungsindustrie (BDH).

Heizungsaustausch beschleunigen

„Mehr als jede zweite Heizung in Deutschland ist veraltet und arbeitet ineffizient. Diese Potenziale gilt es im Sinne des Klimaschutzes beschleunigt zu heben“, appellierte Lücke. Die Bundesregierung habe anspruchsvolle Ziele für den Gebäudesektor gesetzt: Bis 2030 soll der CO2-Ausstoß von 119 Mio. Tonnen pro Jahr auf 72 Mio. Tonnen jährlich reduziert werden. Durch den Green Deal der EU würden diese Ziele weiter verschärft.

„Wenn alle veralteten Heizgeräte modernisiert würden, könnten jährlich mindestens 32 Millionen Tonnen CO2 eingespart werden. Dafür bedarf es jedoch einer Verdopplung der derzeitigen Modernisierungsquote auf rund eine Million Anlagen pro Jahr“, erläutert Lücke. Trotz der Corona-Pandemie war die Nachfrage nach Brennstoffzellenheizungen im laufenden Jahr ungebrochen. Wie aus Zahlen der Förderbank KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) mit Stand Juni 2020 hervorgeht, wurden in diesem Jahr bislang 2.764 Geräte gefördert. Damit verzeichnet die Brennstoffzellenheizung seit 2016 jährliche Wachstumsraten von über 50 %.

Die Bundesregierung fördert die Brennstoffzellentechnologie wegen ihres Beitrags zum Klimaschutz sowie zur intelligenten Sektorkopplung seit dem Sommer 2016. Im Rahmen des KfW-Förderprogramms 433 „Zuschuss Brennstoffzelle“ wurden bis einschließlich Juni 2020 insgesamt über 13.000 Förderanträge positiv beschieden. Bis zum Jahr 2030 rechnet die Branche mit 500.000 installierten Brennstoffzellenheizungen. „Im Rahmen der Nationalen Wasserstoffstrategie hat die Bundesregierung eine weitere Förderung der Brennstoffzellentechnologie in Höhe von 700 Mio. Euro zugesagt“, erläuterte Kehler.

Heute Erdgas, morgen Wasserstoff?

Heute würden die Brennstoffzellen noch mit Erdgas betrieben, könnten aber bei steigendem Angebot künftig CO2-neutralen Wasserstoff aus dem Gasnetz beziehen und Gebäude zuverlässig mit Strom und Wärme versorgen. Dank des Prinzips der Kraft-Wärme-Kopplung und Gesamtwirkungsgraden von mehr als 90 % spare die Energieerzeugung mit der Brennstoffzelle gegenüber einer alten Gasheizung knapp 56 % CO2 ein. Zusätzlich sänken die Energiekosten um 58 %.

Kehler sagte, dass durch das Technologieeinführungsprogramm für die Brennstoffzelle (TEP) die höheren Investitionskosten abgefedert werden, sodass das nicht mehr „exotisch ist“. Da die Brennstoffzelle auch Strom erzeuge, lohne sich die Brennstoffzelle bereits im Ein- und Zweifamilienhaus. Durch den Wegfall von Umlagen, etwa der Netzentgelte sei der Strom aus der Brennstoffzelle nur ein Drittel so teuer wie aus der Steckdose. Diese dezentrale Eigenversorgung entlaste auch die Stromnetze, zumal wenn ein Elektroauto in der Garage geladen werde, argumentierte Kehler.

Gebäudebereich noch Sorgenkind im Klimaschutz

Andreas Lücke zeigte sich „gespannt, wie die Energiesparoffensive der EU für Gebäude in Deutschland umgesetzt werden soll“. Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) regle ja bislang nur den Neubau. Es müsse aber auch im Bestand viel geschehen. „Dämmen wird den Wärmebedarf senken, aber es reicht nicht. Man muss auch den Heizungsmix verändern hin zu erneuerbaren Energieträgern“, sagte Lücke. Laut Berechnungen der Deutschen Energieagentur (Dena) genügten die heute angeschobenen Maßnahmen nicht. Im Gebäudebereich klaffe eine Lücke von fast 30 Mio. Tonnen CO2, die bis 2030 zum Erreichen der Klimaschutzziele noch einzusparen sind.

Kehler erwartet, dass künftige Wasserstoffpreise eng an die Erdgaspreise gekoppelt sein werden. Er plädierte für Technologieoffenheit, die auch Pyrolyse berücksichtigt. Für den Übergang hält er auch blauen Wasserstoff aus Erdgas, dessen CO2 genutzt oder unterirdisch verpresst wird, für nötig, um den Bedarf zu stillen. „Heizungs- und Gasindustrie stehen bereit und bieten Lösungen zum Erreichen der Klimaziele im Gebäudebereich an“, sagte Lücke. Jetzt gelte es, die enormen CO2-Minderungspotenziale im Wärmemarkt zu heben, um auf Kurs in Richtung Klimaziel 2030 zu kommen.
 

Susanne Harmsen
Redakteurin
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Donnerstag, 22.10.2020, 14:53 Uhr

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