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Enerige & Management > Stromspeicher - Offshore-Windstrom im Offshore-Speicher
Bild: Betonkugel für das Modellprojekt im Bodensee / Fraunhofer IWES/P.Ackermann
STROMSPEICHER:
Offshore-Windstrom im Offshore-Speicher
Das Fraunhofer-Institut für Windenergie und System (Iwes) testet im Bodensee einen Ansatz zur Zwischenspeicherung von Strom unter Wasser.
 
Mit einem kugelförmigen Modell mit einem Durchmesser von 3 Metern wird ab dem 9. November 2016 ein Speicherprojekt der besonderen Art einem Praxistest unterzogen. Es geht darum, den Druck in großer Wassertiefe zu nutzen, um Hohlkörper einerseits leer zu pumpen und andererseits wieder voll laufen zu lassen. Das Leerpumpen entspricht dem Vorgang der Einspeicherung von Energie, während beim Volllaufenlassen Wasser durch eine Turbine in den leeren Hohlkörper hineinströmt und über einen Generator Strom erzeugt, also Energie ausgespeichert wird.

Die Idee stammt von Prof. Horst Schmidt-Böcking von der Goethe-Universität in Frankfurt am Main und seinem Kollegen Gerhard Luther von der Universität Saarbrücken. Umgesetzt wird sie vom Fraunhofer Iwes in einem vierwöchigen Modellversuch im Bodensee zunächst im Maßstab 1:10 mit einer Betonkugel, die von Hochtief Engineering gefertigt wurde. Ein Demonstrationsprojekt soll sich anschließen, für das noch ein geeigneter Standort in Europa gesucht wird.
 
Unterwasserspeicher für Offshore-Windstrom
Grafik: Fraunhofer IWES

„Für den Demonstrationsmaßstab des Systems streben wir einen Kugeldurchmesser von 30 Metern an. Das ist unter ingenieurtechnischen Randbedingungen die derzeitige sinnvolle Zielgröße“, erklärt Jochen Bard, Bereichsleiter Energieverfahrenstechnik beim Fraunhofer Iwes. Der Wissenschaftler, der bereits seit vielen Jahren auf dem Gebiet der Meeresenergie forscht, räumt ein, dass das Konzept jedoch erst ab einer Wassertiefe von 600 bis 800 Metern wirtschaftlich nutzbar ist. „Die Speicherkapazität steigt bei gleichem Volumen linear mit der Wassertiefe und beträgt für eine 30-Meter-Kugel bei 700 Metern ungefähr 20 Megawattstunden“, so Bard. Um eine für den Energiemarkt relevante Gesamtleistung und Gesamtkapazität zu erzielen, sollen letztlich in Unterwasser-Pumpspeicherwerken mehr als 80 Kugeln zu einem Pumpspeicherwerk zusammengefasst werden.

Auf der Projektseite im Internetauftritt der „Forschungsinitiative Energiespeicher“ der Bundesregierung ist von Speicherkosten von „wenigen Eurocent“ pro Kilowattstunde und von „leistungsbezogenen Bau- und Gerätekosten im Bereich von State-of-the-Art-Pumpspeicherkraftwerken“ die Rede.

Für die Nutzung von Meerespumpspeichersystemen sieht Bard ein großes Potenzial an küstennahen Standorten, vor allem auch vor den Küsten bevölkerungsreicher Regionen. Als Beispiele nennt Bard die sogenannte Norwegische Rinne, aber auch Standorte vor der spanischen, der japanischen und US-amerikanischen Küste. „Mit heutiger standardisierter und verfügbarer Technik sehen wir bei der Speicherkapazität von 20 Megawattstunden pro Kugel eine weltweite elektrische Gesamtspeicherkapazität von 893 000 Megawattstunden“, rechnet Bard vor.

Die Umsetzung des Modellprojekts mit dem Namen Stensea (Stored Energy in the Sea) wird vom Bundeswirtschaftsministerium gefördert.
 

Fritz Wilhelm
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Mittwoch, 09.11.2016, 11:49 Uhr

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