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Enerige & Management > Windkraft Offshore - Offshore-Windpark bleibt weltweit erstmals nachts dunkel
Quelle: Deutsche Windtechnik
WINDKRAFT OFFSHORE:
Offshore-Windpark bleibt weltweit erstmals nachts dunkel
Ein deutscher Windpark und ein deutscher Dienstleister sind Welttechnologieführer, wenn es um den Abbau von Lichtverschmutzung auf See geht. Die Sache hat einen rechtlichen Hintergrund.
 
Der Offshore-Windpark "Nordergründe" in der deutschen Nordsee ist weltweit der erste küstennahe Offshore-Windpark, der mit einem funktionsfähigen, behördlich genehmigten System für bedarfsgesteuerte Nachtkennzeichnung (BNK-System) ausgestattet ist. Das meldete der daran maßgeblich beteiligte Bremer Dienstleister Deutsche Windtechnik am 4. August. Der Auftrag war im Februar erteilt worden (wir berichteten).

Demnach schalten die 18 Windenergieanlagen des 111-MW-Windparks 15 km östlich von Wangerooge in der Dämmerung nicht mehr ihr rotes Gefahrfeuer an, um die ganze Nacht Flugzeuge und Hubschrauber als letzte Sicherheitseinrichtung zu warnen. Vielmehr wird nur noch rot geblinkt, wenn sich tatsächlich ein Luftfahrzeug nähert. Das ist fast nie der Fall. Damit die BNK dann aber zuverlässig funktioniert, benötigen die Windpark-Betreiber verschiedene immissions- und luftfahrtrechtliche Genehmigungen.

​Verlust der Marktprämie droht

Ziel ist sowohl auf See als auch an Land die Lichtverschmutzung auf ein Mindestmaß zu reduzieren. So soll die Akzeptanz der Windkraft in der Nachbarschaft und beim organisierten Naturschutz steigen. Bis Ende diesen Jahres müssen daher deutsche Onshore-Windparkbetreiber eine BNK nachweisen. Nur dann behalten sie die EEG-Förderung "Marktprämie". Bei den Offshore-Windparks ist dazu bis Ende 2023 Zeit. Die Regelung ist weltweit einmalig, aber andere Offshore-Nationen bewegen sich ebenfalls in die Richtung, wie das E&M-Jahresmagazin 2021 in einer BNK-Marktübersicht berichtet hatte.

Der drohende Wegfall der Marktprämie ist indes ein stumpfes Schwert geworden. Die Prämie soll die Mindererlöse der Parkbetreiber gegenüber ihrem garantierten Abnahmepreis, dem "Anzulegenden Wert" (AZ) ausgleichen. In diesem Jahr aber haben etwa die geförderten Offshore-Windparks in der Strompreisrallye mit ihrem erzeugten Ökostrom im Schnitt zwischen 11,8 Ct/kWh (Februar) und 19,9 Ct/kWh (Juni) verdient. Das ist mehr als so mancher parkspezifischer AZ, und dann gibt es auch nichts mehr auszugleichen.

Transponder versus Radar versus Passivradar

Nachdem die Deutsche Windtechnik im Mai 2022 alle Anlagen von "Nordergründe" mit dem BNK-System aufgerüstet hatte, wurde nun die Betriebsgenehmigung erteilt. Die zusammen mit Funke Avionics entwickelte BNK-Technologie basiert darauf, die Transpondersignale von Flugobjekten zu empfangen und bei Näherung die Gefahrfeuerung anzuschalten.

Die damit im Wettbewerb stehende ältere BNK-Radartechnologie sendet eigene Signale in den Luftraum aus, braucht aber dafür eigene, teure Impulsgeber - es sei denn, es handelt sich um ein Passivradar-System.

Zunächst zwei getestet, der Rest ging schnell

Laut Jens Landwehr, Geschäftsführer der Offshore-Einheit, haben Offshore-Serviceteams, Mitarbeitende des Technischen Controllings, des Technischen Supports sowie der Steuerung bei der Deutschen Windtechnik in "Nordergründe" zunächst zwei Windräder mit BNK ausgerüstet und monatelang getestet, dann in einem Takt von bis zu zwei Anlagen pro Einsatztag die restlichen 16.
 

Georg Eble
Redakteur
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Donnerstag, 04.08.2022, 14:30 Uhr

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