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Enerige & Management > Österreich - Österreich auf kommenden Winter "gut vorbereitet"
Quelle: Pixabay / Jürgen Sieber
ÖSTERREICH:
Österreich auf kommenden Winter "gut vorbereitet"
Mit der Stromversorgung sollte es keine Probleme geben, zeigt der „Stresstest“ der Austrian Power Grid. Dennoch empfiehlt sich „sorgsamer“ Umgang mit elektrischer Energie.
 
 
Trotz mancher teils gesamteuropäisch bedingter Herausforderungen ist Österreich hinsichtlich seiner Stromversorgung für den kommenden Winter gut vorbereitet. Das zeigt der sogenannte „APG-Stresstest Strom“ des Übertragungsnetzbetreibers Austrian Power Grid (APG). Laut dem Technischen Vorstand der APG, Gerhard Christiner, stützt sich der am 7. November präsentierte „Stresstest“ auf die Berechnungen für die Winterprognose des Stromnetzbetreiberverbands Entso-E. Darauf basierend führte die APG detailliertere Untersuchungen mit einem weiteren Analysemodell durch. Sie modellierte 35 unterschiedliche Klimajahre und kombinierte jedes davon mit zehn Szenarien für Ausfälle wichtiger Erzeugungsanlagen und Kuppelleitungen. Aus den sich ergebenden 350 Simulationen leitete sie drei Szenarien ab, das „Referenzszenario“, das „Kombinationsszenario Kritisch“ und das „Kombinationsszenario Sehr kritisch“. Der APG zufolge werden im angelaufenen Winterhalbjahr rund 62 Prozent des Strombedarfs in Österreich durch erneuerbare Energien inklusive Großwasserkraft gedeckt, 22 Prozent durch Gaskraftwerke und 16 Prozent durch Importe.

Im Referenzszenario geht die APG davon aus, dass in Frankreich Kernkraftwerke mit 45.000 MW Leistung verfügbar sind, in Deutschland sämtliche Kohlekraftwerke Strom erzeugen, EU-weit keine nennenswerte Steigerung des Stromverbrauchs erfolgt und die Gasversorgung zumindest im derzeitigen Umfang gewährleistet ist. Im Szenario „Kritisch“ stehen ebenfalls französische AKW mit 45.000 MW zur Verfügung. Allerdings sind in Deutschland Kohlekraftwerke mit 2.000 MW nicht am Netz. Der Strombedarf in der EU würde sich um 5 Prozent erhöhen, die Gasversorgung wäre zu 80 Prozent des derzeitigen Umfangs gewährleistet. Im Szenario „Sehr kritisch“ schließlich erzeugen in Frankreich AKW mit 40.000 MW Leistung Strom. In Deutschland sind Kohlekraftwerke mit 3.000 MW nicht verfügbar. Der Strombedarf in der EU steigt um 5 Prozent, die Gasversorgung ist nur im Umfang von 60 Prozent des derzeitigen Werts gegeben. In allen drei Szenarien wird ferner unterstellt, dass der neue finnische Kernreaktor Olkiluoto 3 während des Winters nicht ans Netz geht und Polen wegen seiner Probleme mit der Kohleversorgung keinen Strom exportiert.

„Gezielt begegnen“

Unter diesen Annahmen ist im Referenzszenario die Stromnachfrage in Österreich zu keiner Zeit höher als das Angebot an elektrischer Energie, die Versorgung also jederzeit ohne Einschränkung gewährleistet. Die Wahrscheinlichkeit für den Eintritt dieses Szenarios wird als „sehr hoch“ betrachtet. Im Szenario „Kritisch“ treten Lastunterdeckungen in bis zu 479 Stunden auf. Bis zu 1,2 Milliarden kWh Strom können nicht bereitgestellt werden. Christiner zufolge entspricht dies indessen nur etwa zwei Prozent des jährlichen Strombedarfs. Die Wahrscheinlichkeit des Eintritts dieses Szenarios bezeichnet die APG als „gering“. Als „sehr gering“ schließlich schätzt sie die Entrittswahrscheinlichkeit des Szenarios „Sehr kritisch“ ein. In diesem Falle wären Lastunterdeckungen in bis zu 815 Stunden zu erwarten, die Fehlmenge an erzeugtem Strom beliefe sich auf bis zu 2,2 Milliarden kWh. Dies entspricht laut Christiner rund 5 Prozent des Jahresbedarfs. Derartige Mengen ließen sich durch Anpassungen des Verbrauchs jedoch gut kompensieren, betonte Christiner: „Einer Strommangellage können wir sehr gezielt begegnen.“ Für einen Blackout wiederum sehe die APG „aktuell und im Zusammenhang mit den Szenarien kein erhöhtes Risiko.“ Dennoch empfehle sich, „mit dem Produkt Strom sorgsam umzugehen“ und unnötigen Bedarf zu vermeiden.

Generalprävention sinnvoll

Überdies verlangte Christiner „generalpräventive Maßnahmen“, um Krisen hinsichtlich der Versorgungssicherheit zu vermeiden. Dazu gehöre neben der sparsamen Verwendung elektrischer Energie die – bereits gegebene – Etablierung einer Netzreserve an jederzeit verfügbaren Kraftwerken, die Beschaffung von Erdgas aus anderen Quellen als Russland sowie der Ausbau der erneuerbaren Energien, der Netze und der Speicher.

Energieministerin Leonore Gewessler (Grüne) ergänzte bei der Präsentation des „Stresstests“, Österreich sei in der Lage, den kommenden Winter „gut zu beherrschen“. Auch sie plädierte jedoch für einen sparsamen Umgang mit Strom und Erdgas: „Je weniger Gas wir im kommenden Winter verbrauchen, desto weniger kritisch wird der Winter 2023/24.“ Bekanntlich wird weithin erwartet, dass die Gaslieferungen aus Russland 2023 zurückgehen und möglicherweise vollständig zum Stillstand kommen. Von der Redaktion auf den aktuellen Stand beim seit Anfang 2021 ausständigen Energieeffizienzgesetzes gefragt, beschied die Ministerin, die Arbeiten gingen weiter, auch am ebenfalls überfälligen Klimaschutzgesetz: „Ich werde mit großer Freude hier stehen, wenn sie abgeschlossen sind.“
 

Klaus Fischer
© 2023 Energie & Management GmbH
Montag, 07.11.2022, 14:10 Uhr

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