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Quelle: Shutterstock / hxdyl
KERNKRAFT:
Ökonomen: Strompreise würden bei Laufzeitverlängerung sinken
Preisdämpfung um 4 % –  so schlüge eine Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke im nächsten Jahr auf den Strommarkt durch. Das und mehr ergeben Berechnungen des Ifo-Instituts.
 
Politiker von Union und FDP fordern seit Monaten, die Laufzeiten der drei noch laufenden Atomkraftwerke in Deutschland zu verlängern. Das Ifo-Institut hat jetzt nachgerechnet, wie sich die Atomenergie in kommenden Jahren 2023 auf die Strompreise auswirken würde. Und was die politische Kehrtwende für den Ausbau der erneuerbaren Energien bedeuten würde. Schlussfolgerung der Münchner Wirtschaftsforscher: Nicht alle Determinanten des künftigen Stromverbrauchs und insbesondere der Erdgasverfügbarkeit im Winter seien heute bereits bekannt. Aus diesem Grund "kann es sinnvoll sein, sich die Option Atomstrom auch über eine krisenbedingte, kurzfristige Laufzeitverlängerung im kommenden Jahr hinaus offen zu halten“.

In ihren Modellrechnungen kommen sie zu dem Ergebnis, dass der Strompreis für den Fall einer Laufzeitverlängerung 2023 um 4 % geringer wäre. Im Jahr darauf wäre der Effekt allerdings schon deutlich geringer: Auf -1,2 % würde der Atomeffekt auf den Strompreis 2024 zusammenschmelzen.

Auch für das Ausland spürbar

Zu spüren bekämen ihnen nicht nur Stromabnehmer in Deutschland. „Interessant ist, dass Laufzeitverlängerungen für deutsche Atomkraftwerke auch einen messbaren Effekt auf den europäischen Preis haben“, schreibt der Ifo-Ökonom Mathias Mier. Den europäischen Preiseffekt beziffert er für 2023 auf 1,6 %, für 2024 auf 0,5 %.

Darüber hinaus ergeben seine Modellrechnungen, dass durch die Laufzeitverlängerung „nur geringe Mengen an Erdgas“ eingespart würden. Der Anteil des Stroms aus Gas ginge laut Mier von 8,3 auf 7,6 % zurück. „Atomkraft ersetzt Erdgas nicht eins zu eins, sondern kurzfristig vor allem auch Kohle“, betont Mier.
  Milliardenplus für Atomkonzerne

Die Gewinne der Betreiber der Atommeiler, so schätzt der Experte, werden im laufenden Jahr wegen der hohen Erdgaspreise um 7,9 Mrd. Euro höher ausfallen. Auch andere Kraftwerksbetreiber erwirtschafteten „hohe unerwartete Gewinne“. Die Diskussion um eine Änderung des Strommarktdesigns hält er für „nicht zielführend, weil der Strommarkt ja funktioniert. Was nicht funktioniert, ist der Erdgasmarkt. Da wurde politisch schlecht diversifiziert.“

Bremse für den Ausbau der erneubaren Energien
Auch folgenden Punkt hebt der Wirtschaftsforscher in seiner Studie hervor: Länger laufende Atomkraftwerke „behindern im Gegenzug mittelfristig den Ausbau der erneuerbaren Energien“. Es würde weniger Geld in neue Photovoltaik- und Windkraftanlagen fließen, als das ohne Atomkraft der Fall wäre. Die Laufzeitverlängerungen führten somit nicht zu einem geringeren CO2 -Ausstoß.
 

Manfred Fischer
© 2023 Energie & Management GmbH
Mittwoch, 14.09.2022, 15:49 Uhr

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