• Kreis der Quotenhändler für Elektrofahrzeuge wächst
  • Schwedische Regierung stimmt für Atommüll-Endlager
  • DIW präferiert Differenzverträge statt EEG-Vergütung
  • Preisverfall von Komponenten kehrt sich um - teilweise
  • Mit E-Autos die Stromnetze stabilisieren
  • BWE hofft auf Neustart des Ausbaus mit Oster- und Sommerpaket
  • Wilhelmshaven als Umschlagplatz für grünes Methan
  • Gateway-Administration in Ludwigshafen startklar
  • Größter Vattenfall-Windpark an Land ist fertig
  • Gesetzesdschungel behindert klimaneutrale Quartiere
Enerige & Management > Stromnetz - Ökoinstitut fordert intelligente Beschleunigung des Ausbaus
Quelle: E&M / Jonas Rosenberger
STROMNETZ:
Ökoinstitut fordert intelligente Beschleunigung des Ausbaus
Hindernisse für den schnelleren Netzausbau sieht das Ökoinstitut in der Praxis der Stromnetzbetreiber und den politischen Anreizen für mehr Intelligenz in den Netzen.
 
In einem Brief an die Politik schreibt das Ökoinstitut am 26. Oktober: „Um den Netzausbau für die Energiewende zu beschleunigen, muss sich nicht geltendes Recht, sondern die Praxis der Stromnetzbetreiber ändern.“ Damit diese technologieoffener als heute arbeiteten, müsse die Politik Anreize setzen, so dass die bestehenden und die neuen Stromnetze gezielt gesteuert und dadurch optimaler ausgelastet werden können.

Gegen die Klagen und Verzögerungen um den Netzausbau rät das Ökoinstitut zu „einer frühzeitigeren und strukturierten Berücksichtigung von Einwänden der Öffentlichkeit“. „Für den Netzausbau liegt ein verlässlicher Rechtsrahmen vor. Diesen zu ändern und dann zu prüfen, ob die Änderungen wirken, braucht Zeit – Zeit, die wir beim Ausbau und Integration der erneuerbaren Energien ins Stromnetz nicht haben“, erläuterte Silvia Schütte, Projektleiterin am Öko-Institut. Neubauprojekte als auch das bestehende Netz müssen höchsten technischen Anforderungen genügen, damit möglichst viel Strom in möglichst wenig Leitung passt, sagte sie.

Auslastung der Netze technologieoffen optimieren

Die Stromübertragungsnetze würden heute im Schnitt nur zu rund 35 % ausgelastet – so gelange zu wenig Strom aus erneuerbaren Quellen im Norden zu den verbrauchsstarken Gegenden im Süden Deutschlands. Dieses aktuelle Problem werde sich in Zukunft noch verschärfen, wenn Windparks vor der Küste deutlich mehr Strom produzieren sollen. Dies ließe sich jedoch durch technische Lösungen, wie sogenannte Phasenschiebertransformatoren ändern. Die Stromflüsse würden gelenkt, das Netz könnte höher ausgelastet werden.

Ähnlich arbeiten kleinere, moderne Technologien wie statisch-synchrone Serienkompensatoren. Ihr Vorteil besteht darin, dass sie auch zur temporären Überbrückung von Netzengpässen eingesetzt werden können, da sie per Lkw bewegt werden können. „Auch ein genaues Monitoring der Witterung kann dazu beitragen, das Stromnetz bei Wind oder in der kühleren Jahreszeit höher auszulasten“, ergänzt Franziska Flachsbarth, Co-Autorin der Studie und Energieexpertin am Öko-Institut. „Doch den deutschen Netzbetreibern fehlt der ökonomische Anreiz, Technologien zur Höherauslastung des Stromnetzes einzusetzen“, kritisierte sie an die Adresse der Regulierung.

Aktivere Bürgerbeteiligung beim Netzausbau

Bereits heute gebe es die Möglichkeit, dass Bürgerinnen und Bürger sich beim Netzausbau beteiligen. Hierfür finden jedoch häufig reine Informationsveranstaltungen statt, die wenig Raum für echte Beteiligung bieten. Zudem seien diese häufig zu spät im Prozess eingeplant, wenn Anregungen nicht mehr aufgegriffen werden können. Das Öko-Institut schlägt hier vor, aufwendige Netzberechnungen erst zu starten, nachdem die Eingangsdaten öffentlich diskutiert und eventuell überarbeitet wurden.

Die Ergebnisse der Netzberechnungen durch die Übertragungsnetzbetreiber sollten in einer gesonderten Beteiligungsveranstaltung diskutiert werden. Zudem sollten bei Veranstaltungen Entscheidungsträger aller beteiligten Akteure – insbesondere von Bundesnetzagentur und von den Übertragungsnetzbetreibern – anwesend sein. So könnten Sachverhalte direkt geklärt werden, ohne dass auf abwesende Parteien verwiesen wird, was heute häufig der Fall sei.

„Bürgerinnen und Bürger haben aktuell oft das Gefühl, dass ihre Anmerkungen nicht beachtet werden“, beschrieb Flachsbarth aus eigenen Beobachtungen von Beteiligungsformaten, „dabei kommen sie möglicherweise nur zur falschen Zeit.“ Doch die Verantwortung, den Ablauf eines Netzplanungsprozesses transparent darzustellen, liege klar beim Gesetzgeber. Dieser müsse den Prozess für die Übertragungsnetzbetreiber und die Bundesnetzagentur regeln, fordert der Brief des Ökoinstituts.

Der Brief „Stromnetze: Netzausbau zügig und nachhaltig realisieren“   steht als PDF zum Download bereit.
 

Susanne Harmsen
Redakteurin
+49 (0) 151 28207503
eMail
facebook
© 2022 Energie & Management GmbH
Dienstag, 26.10.2021, 12:48 Uhr

Mehr zum Thema