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Enerige & Management > Windkraft Onshore - Noch viel Platz im Wald
Bild: psdesign1 / Fotolia
WINDKRAFT ONSHORE:
Noch viel Platz im Wald
In einigen Bundesländern tut sich die Politik, Wirtschaftswälder für die Windenergienutzung zu öffnen, schwer - dabei könnten Forstbetriebe diese Zusatzeinnahmen gut brauchen.
 
Im vergangenen Jahr sind bundesweit nur 50 neue Windturbinen auf den Flächen von Forstwäldern in Betrieb gegangen. „Das sind so wenig wie seit mindestens zehn Jahren nicht mehr“, heißt es in der jüngsten, mittlerweile zum fünften Mal abgeschlossenen Untersuchung der Fachagentur Windenergie an Land (FA Wind) zur Windenergienutzung im Wald. Danach standen Ende vergangenen Jahres 2.020 Windturbinen in deutschen Nutzwäldern, die meisten davon in Rheinland-Pfalz (452) gefolgt von Hessen (434) und Baden-Württemberg mit 330 Anlagen. Bislang haben nur acht Bundesländer ihre Wälder für die Nutzung der Windenergie geöffnet.

Am bundesweiten Gesamtzubau, der 2019 so niedrig wie seit 20 Jahren nicht mehr lag, betrug der Anteil der „Wald-Anlagen“ 18 %. Diese Quote, so die FA Wind, „zeigt sich mittlerweile seit fünf Jahren sehr stabil.“ Damit stehen nun 7 % aller bundesweit errichteten Windturbinen auf Waldflächen. Zusammen verfügen diese Anlagen über eine Leistung von 5.450 Megawatt, was 10 % der installierten Gesamtkapazität zwischen deutsch-dänischer Grenze und dem Alpenvorland entspricht. „Für den Ausbau der Windenergie hierzulande sind Waldstandorte eine bedeutende Flächenressource“, kommentiert FA-Wind-Experte Jürgen Quentin diese Zahlen. Was die Analyse zeigt, ist eindeutig: Für mehr Windturbinen in Wirtschaftswäldern gibt es noch genügend Platz.

Erstmals haben er und sein Team auch berechnet, wie groß die Flächen sind, die in Nutzwäldern errichtete Windturbinen beanspruchen. Grundlage dafür war eine Befragung von Betreibern sowie die Auswertung von Antragsunterlagen, über die Flächendaten für rund 900 Anlagen im Forst ermittelt wurden.

Das Ergebnis: Durchschnittlich 0,47 Hektar Waldfläche ist dauerhaft für den Betrieb einer Windenergielage notwendig. Das entspricht in etwa der Hälfte eines Fußballfeldes. Eine weitere Zahl ist noch wichtiger: Auf Basis dieses Durchschnittsbedarfs umfasst die Windenergienutzung im Wald bundesweit bislang lediglich 953 Hektar - eine Größenordnung, dies sich wie folgt vergleichen lässt: „Eine Fläche dieser Dimension wurde in der Vergangenheit etwa alle 15 Monate im Zuge der Braunkohleförderung in Deutschland abbaggert“, hat Quentin errechnet.

Für Reiner Priggen ein wichtiger Vergleich: „Vielleicht hilft diese Zahl im politischen Umfeld endlich das Märchen zu beenden, wonach die Windenergie den deutschen Wald zerstört“, sagt der Vorsitzende des Landesverbandes Erneuerbare Energien NRW (LEE NRW). Abgesehen von der Tatsache, dass die Waldfläche nach Zahlen des Umweltbundesamtes hierzulande in den Jahren 2000 bis 2018 durchschnittlich um knapp 7 000 Hektar pro Jahr gewachsen ist, stört ihn „die marktschreierische Verwendung“ des Wald-Begriffs: „Für uns sind Windenergieanlagen in naturnahen Wäldern, insbesondere in artenreichen Laub- und Laubmischwäldern sowie älteren Nadelwaldbeständen, generell tabu. Sinn macht nur die Errichtung in Nutzforsten wie beispielsweise Fichtenwäldern.“

 
2.020 Windturbinen in Nutzwäldern gibt es bundesweit, wie hier im Aachener Münsterwald.
Bild: Stawag

Was auch im Sinne der Forstbesitzer sei: „Sie erhalten durch die Verpachtung der benötigten Flächen kontinuierliche Einnahmen und nicht nur einmal alle 20 oder 30 Jahre, wenn die Bäume gefällt werden“, so Priggen. Auf diese Zusatzeinnahmen sind die Forstbetriebe zunehmend angewiesen. „Nach den wirtschaftlich dramatischen vergangenen Jahren mit allein mehr als sechs Milliarden Euro Verlusten an Nutzholz in den Wäldern im Jahr 2019 wird es mit großer Wahrscheinlichkeit auch dieses Jahr mit der beginnenden Trockenheit ein weiteres, sehr schwieriges Jahr für die Waldbauern werden“, sagt der LEE NRW-Vorsitzende.

Dass die schwarz-gelbe Landesregierung in Nordrhein-Westfalen im vergangenen Jahr den Bau neuer Windturbinen in Nutzwäldern planerisch – „und zwar sehr kategorisch“ – ausgeschlossen hat, ist für ihn unverständlich: „Dadurch wird ein Berufsstand um Einnahmen gebracht, die angesichts des durch den Klimawandel notwendigen Umbau des Waldbestandes unverzichtbar sind.“

Den (Ein-)Schnitt aus Düsseldorf nennt auch Alexander Koffka „kurzsichtig“. Er gehört zur Geschäftsleitung des Windkraftprojektierers Abo Wind AG aus Wiesbaden, der hierzulande mit die meisten „Wald-Windturbinen“ entwickelt hat. 180 Anlagen mit zusammen 490 MW Leistung weist die Referenzliste der Hessen aus, bei denen rund die Hälfte ihres hierzulande projektierten Windkraft-Portfolios auf Waldstandorte entfällt. Logistisch seien die Projekte, die meist in Mittelgebirgslagen entstehen, schon eine Herausforderung, sagt Koffka „Es gibt aber weniger Konflikte mit dem Artenschutz, insbesondere mit dem Rotmilan.“ Auf die meist von den Genehmigungsbehörden auferlegten, partiellen Abschaltungen zum Schutz von Fledermausbeständen habe sich Abo Wind technologisch längst eingestellt.

Nach Koffkas Beobachtung steigt das Interesse von Forstbesitzern, einen Teil ihrer Flächen für die Windkraftnutzung zu verpachten: „Für immer mehr sind diese Einnahmen essenziell, da die Borkenkäferplage in den Wäldern zunimmt.“ Wichtig sei deshalb, dass die Politik in den einzelnen Bundesländern mitspiele. Für Reiner Priggen vom LEE NRW gilt deshalb die Devise: „Gebt den Waldbauern eine Chance Geld zu verdienen und der Windkraft eine Chance CO2-freien Strom zu erzeugen!“
 

Ralf Köpke
© 2020 Energie & Management GmbH
Dienstag, 21.04.2020, 16:36 Uhr

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