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Enerige & Management > Klimaschutz - Neue Studie betrachtet bei Emissionen mehr als die Gegenwart
Quelle: Fotolia / bluedesign
KLIMASCHUTZ:
Neue Studie betrachtet bei Emissionen mehr als die Gegenwart
Die Schwellen- und Entwicklungsländer außer China sind kaum am bisherigen CO2-Ausstoß schuld. Das ergibt eine Studie des DIW. Sie verfolgt eine andere Methodik als Klima-Rankings.
 
Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat in einer Studie 182 Länder der Erde in neun klimapolitische Gruppen eingeteilt. Dabei hat es nicht nur absolute gegenwärtige Ausstöße von Treibhausgasen miteinander verglichen, sondern auch die jeweilige historische Erblast vom Beginn der Industrialisierung bis 2018 und die nationalen Klimaziele. Die Forschungseinrichtung nennt ihre Untersuchung "mehrdimensional" unter Berücksichtigung der "Klimagerechtigkeit" und grenzt sie ausdrücklich von rein gegenwartsbasierten Klimarankings etwa von Germanwatch  oder vom Climate Action Tracker  ab.

Eine der Erkenntnisse laut Zusammenfassung der Studie:  Entscheidend ist der klimapolitische Ehrgeiz eines Landes, und der ist selbst unter Nachbarstaaten höchst unterschiedlich, schreiben die Autoren Dawud Ansari und Wassim Brahim sowie die Autorinnen Franziska Holz und Claudia Kemfert. Die Unterschiede und damit auch die Hürden gegen eine Einigung in der nächsten UN-Klimaschutzkonferenz seien auch innerhalb der EU immens.

Die meisten Schwellen- und Entwicklungsländer − der Hauptemittent China ausdrücklich ausgenommen − verantworten demnach sowohl historisch als auch, "entgegen der öffentlichen Meinung", in der Gegenwart geringe CO2-Ausstöße, wenn man sie pro Kopf rechnet (154 Länder). Umgekehrt haben sie auch selten ambitionierte klimapolitische Ziele. Das Wirtschaftswachstum stehe bei ihnen im Vordergrund. Daher ordnet die Studie diese Ländergruppe zumeist den "Unbeteiligten", den "Pragmatikern" und den "Gleichgültigen" zu. 108 Länder oder 60 Prozent der Staaten haben keinerlei Klimaziele. Dann gibt es noch die "Newcomer" − Länder, die erst seit Kurzem einen erheblichen CO2-Ausstoß aufweisen.

Politische Schlussfolgerungen

Die DIW-Autoren empfehlen der Klimaaußenpolitik der wohlhabenden Länder − in Deutschland also der grünen Außenministerin Annalena Baerbock − daher, klimafreundliches Wachstum in den Entwicklungsländern zu finanzieren und klimaschädliche Investitionen zu stoppen.

Das ist die politische Schlussfolgerung, die DIW-Energiedirektorin Kemfert und ihre Kollegen nahelegen. Die Gelder könnten zu einem erheblichen Teil über den "Loss and Damage Fund" der UN fließen, der vergangene Woche bei der Klimakonferenz im ägyptischen Scharm el Scheich beschlossen worden war.

Konkret solle der Westen beispielsweise nicht die Exploration von Öl und Gas vor der Küste des Senegal fördern. Anfang Mai hatte Kanzler Olaf Scholz (SPD) mit dem Senegal über Flüssigerdgas-Lieferungen aus einem noch zu entwickelnden Offshore-Gasfeld des westafrikanischen Staates verhandelt.

Deutschland gehört der Gruppe der "Gewandelten" an. Will sagen: Die Erblast der bisherigen Treibhausgas-Ausstöße ist hoch, aber Berlin hat sich ambitionierte Klimaziele gesetzt. Pluspunkte sammelt Deutschland auch wegen seines bereits relativ hohen Anteils an Erneuerbaren.

Fragwürdige Methodik

Methodisch ist daran mehrerlei fragwürdig: Warum soll es für eine hohe installierte Leistung von Erneuerbaren bessere Schulnoten geben, wenn der deutsche Strommix nach wie vor eher dem Polens ähnelt als dem Frankreichs? Warum wird Norwegen den "Gleichgültigen" zugeordnet, nur weil es viel Öl und Gas exportiert, aber so gut wie seinen ganzen Strom mit Wasserkraft CO2-neutral erzeugt? Warum soll ein Klimaneutralitätsziel 2045 besser sein, wenn 2050 − wie in Dänemark oder im EU-Durchschnitt − genauso reichen würde, um die Erwärmung der Atmosphäre bei 2 Grad zu stoppen? Das 1,5-Grad-Ziel schafft kein einziges Land mit den bekannten Instrumenten, meint das DIW.

​Die beiden Hauptklimasünder

Die Hauptemittenten von CO2 − die USA und China − bilden einen eigenen Cluster in der Studie, weil sie sich von allen anderen Ländern klimapolitisch unterscheiden. Auf die Amerikaner entfallen in der Vergangenheit 26 Prozent aller Treibhausgas-Emissionen, auf die Chinesen, die Gelder aus dem Loss and Damage Fund fordern, 14 Prozent.

Gegenwärtig stößt China 32 Prozent der Treibhausgase aus, ist aber eben auch - bemerkt die Studie - verlängerte industrielle Werkbank vieler westlicher Länder, die zur CO2-Intensität beiträgt. Pro Kopf ist der CO2-Ausstoß allerdings mit 7 Tonnen pro Jahr wieder "relativ moderat", schreibt das DIW. Die USA dagegen zählen mit 16 Tonnen zu den Top Ten in den Emissionen pro Einwohner.
 

Georg Eble
Redakteur
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