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Enerige & Management > Erdgas - Neue LNG-Plattform will maritime Kräfte bündeln
Bild: Hapag Lloyd AG
ERDGAS:
Neue LNG-Plattform will maritime Kräfte bündeln
Der Schifffahrt drohen immer strengere Emissionsvorschriften. Eine nationale Initiative will nun verflüssigtes Erdgas (LNG) als umweltfreundliche und sichere Kraftstoffalternative in der maritimen Wirtschaft etablieren.
 
„Wir wollen dafür sorgen, dass Deutschland und insbesondere Norddeutschland einen entscheidenden Sprung bei der LNG-Technologie macht“, erklärte Ole von Beust anlässlich der Präsentation der Maritimen LNG-Plattform am 23. Juni in Hamburg. Der frühere Hamburger Bürgermeister unterstützt das Projekt mit seinem Beratungsunternehmen und hat die Geschäftsführung der Plattform übernommen. Die Plattform soll die Interessen von Herstellern, Lieferanten, Zertifizierungsgesellschaften, Reedern und anderen Playern der maritimen Wirtschaft zusammenführen und über Fragen zum LNG-Antrieb informieren. Es soll ein Rahmen geschaffen werden, um LNG ökologisch und ökonomisch als sinnvolle Kraftstoffalternative im Schiffsverkehr zu etablieren. Ziel der Initiatoren der neuen Plattform ist es, in den nächsten fünf Jahren mindestens fünf Häfen an der deutschen Nord- und Ostseeküste mit einer entsprechenden LNG-Infrastruktur auszustatten. Zudem sollen in diesem Zeitraum mindestens 50 Schiffe auf den LNG-Antrieb umgerüstet oder mit entsprechenden Motoren neu gebaut werden, kündigte von Beust an. Als erstes Etappenziel strebt die neue Plattform bis 2017 jährlich mindestens 250 Hafenaufenthalte von Schiffen an, die wasserseitig mit einer LNG-basierten Stromversorgung versorgt werden. Dies würde die Schadstoffemissionen der Hilfsmotoren während der Hafenaufenthalte reduzieren.

Ohnehin drohen der Schifffahrt deutlich strengere Umweltvorschriften. Die Internationale Maritime Organisation (IMO) hat für verschiedene See- und Küstengebiete sogenannte Emission Controlled Areas (ECA) festgelegt. Auch in der Nord- und Ostsee gibt es entsprechende ECA-Regionen, in denen der Schwefelgehalt der Schiffsemissionen zum 1. Januar 2015 deutlich reduziert werden muss. Zum 1. Januar 2016 folgen dann auch restriktivere Grenzwerte für Stickoxid-Emissionen. Um diese neuen Umweltauflagen einhalten zu können, sei LNG eine wichtige und kostengünstige Möglichkeit. „LNG hat das Potenzial, zu einer deutlichen Verbesserung der Luftqualität in den Häfen, auf See und in den Küstenregionen beizutragen“, bestätigt Freerk Meyer, Experte für Schiffsantriebe der Hochschule Emden/Leer. Seinen Angaben zufolge ließen sich mit LNG 25 % der CO2-Emissionen und 80 % der Stickoxide einsparen, Feinstaub, Ruß und Schwefeloxide fallen bei der Kraftstoffalternative ohnehin fast nicht mehr an.

„Das Ziel, eine innovative und umweltfreundliche Technologie zu etablieren, lässt sich nur gemeinsam erreichen“, unterstrich Mahinde Abeynaike, Geschäftsführer der Bomin Linde LNG GmbH & Co. KG. Das Unternehmen will im nächsten Jahr eine erste LNG-Versorgungsstation im Hamburger Hafen errichten, die in modularer Bauweise gebaut werden und so leicht auf einen Nachfrageanstieg reagieren können soll. Neben Bomin Linde LNG hat sich mit der Shell Oil Deutschland GmbH auch ein direkter Konkurrent an der Plattform beteiligt. Auch bei den Motorenherstellern wurde der Konkurrenzgedanke ausgeblendet und mit der MAN Diesel & Turbo SE und der Wärtsilä Corp. zwei direkte Wettbewerber in der Plattform aufgenommen. Beide bieten inzwischen auch sogenannte Dual-Fuel-Motoren an, die sowohl mit herkömmlichen Schiffsdiesel als auch mit LNG betrieben werden können. Insgesamt 21 Mitglieder kann die maritime LNG-Plattform zum Start auf sich vereinen, bis zum kommenden Jahr wollen die Initiatoren aber weitere Partner gewinnen und dann 40 Mitgliedsunternehmen zählen.

Bis zum Jahresende will die Reederei AG Ems zum Jahresende das erste deutsche Fährschiff mit LNG-Antrieb in Betrieb nehmen. Dazu wird die Borkum-Fähre MS Ostfriesland umgebaut. Auch die Ausschreibung für eine Fährverbindung nach Helgoland konnte die Reederei nur gewinnen, weil sie dafür ein Schiff mit LNG-Antrieb bereitstellen will.

Um- und Neubauten sind allerdings teuer, auch wenn die EU entsprechende Projekte fördert, betonte von Beust. Über die maritime LNG-Plattform will der ehemalige Politiker deshalb auch in Berlin Gespräche führen und ein nachhaltiges Energie- und Mobilitätskonzept für die LNG-Nutzung einfordern. „Die Festschreibung von LNG im Koalitionsvertrag und die Berücksichtigung in der Mobilitäts- und Kraftstoffstrategie sind ein klares Signal“, meinte von Beust. Der Bund müsse nun aber auch mit gutem Beispiel vorangehen und dort wo er selbst für die Schifffahrt verantwortlich ist, auch selbst aktiv werden. „Schiffe des Küstenschutzes, des Zolls, der Wasserschutzpolizei und für Forschung und Marine sollten mit dem LNG-Antrieb ausgestattet werden, Neubauten gar nicht mehr ohne entsprechende Antriebstechnik in Auftrag gegeben werden, sagte von Beust.
 

Kai Eckert
Redakteur
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Montag, 23.06.2014, 15:42 Uhr

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