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Enerige & Management > Studie - Netzrückkauf verfehlt kommunale Ziele
Bild: Fotolia.com, alphaspirit
STUDIE:
Netzrückkauf verfehlt kommunale Ziele
Aus rechtlichen und regulatorischen Gründen werden beim vielfach diskutierten Rückkauf von Stromnetzen durch die öffentliche Hand oftmals die wichtigsten Ziele einer Rekommunalisierung verpasst.
 
Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Analyse der Hamburger Unternehmensberatung Putz & Partner, die gemeinsam mit der HSBA Hamburg School of Business Administration erstellt wurde. In einem Faktencheck wurden dabei zehn Ziele der Rekommunalisierung überprüft. Das Ergebnis fällt ernüchternd aus. „Eine Rückführung der Stromverteilnetze in die öffentliche Hand ist nach Faktenlage unserer Studie in den meisten Fällen nicht sinnvoll", meint Dr. Thomas Kuprat, Energieexperte und Mitglied der Geschäftsleitung des Beratungsunternehmens.

In der Analyse kommen die Autoren der Studie zu dem Ergebnis, dass durch die Rücknahme der Stromnetze in die öffentliche Zuständigkeit die Versorgung weder ökologischer noch sicherer oder effizienter als bisher wird. Auch das Ziel, über den Weg der kommunalen Versorgung künftig den Wettbewerb zu steigern, sei danach zum Scheitern verurteilt. „Eine Erreichbarkeit dieser vier Ziele ist durch die Übernahme der Stromnetze in kommunale Verantwortung vollständig ausgeschlossen", resümiert Studienautor Stephan Gamm. Wichtigster Hinderungsgrund seien rechtlich-regulatorische Hindernisse, die den Wünschen der Kommunen bei der erfolgreichen Umsetzung unverrückbar im Wege stehen würden.

Durch den Netzrückkauf seien die Kommunen auch nicht in der Lage, die Energiewende voranzubringen. Die rechtlichen Vorgaben seien so weitreichend, dass es den Netzbetreibern verboten ist, Einfluss auf den Aufbau von regenerativen Energieanlagen zu nehmen. Nur wenig besser sehe es mit den Erfolgsaussichten für günstigere Preise, gesteigerte kommunale Erträge oder eine Stärkung der lokalen Wirtschaft aus, meint Grimm. Seiner Untersuchung zufolge ist die Erreichung dieser Ziele nicht grundsätzlich ausgeschlossen, aber dennoch höchst unwahrscheinlich. Das gelte abschließend auch für bessere kommunale Einflussmöglichkeiten sowie Vorteile für das Gemeinwohl. Einzig das Infrastrukturmanagement lasse sich durch die Rückführung in kommunale Verantwortung Weise verbessern.

„Unser Ergebnis steht erkennbar im Widerspruch zur weit verbreiteten Stimmungslage in der Bevölkerung, die eine Rekommunalisierung tendenziell befürwortet", sagt Grimm. Er sieht vor allem die fehlende Transparenz und die hohe Komplexität des Verteilnetzbetriebs im Zusammenhang mit der Anreizregulierung, dem Unbundling und den Auswirkungen der Energiewende als wesentliche Gründe für diese Diskrepanz. Zudem sei die Diskussion um eine Rekommunalisierung des Netzbetriebs eher ideologisch als fachlich geprägt.

Die knapp 60-seitige Studie „Rekommunalisierung der Energienetze - Kurzstudie zur Bewertung der 10 wichtigsten Ziele und deren Erreichbarkeit" kann zum Preis von 59 Euro bei Putz & Partner   bezogen werden.
 

Kai Eckert
Redakteur
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Dienstag, 23.04.2013, 09:05 Uhr

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