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Enerige & Management > Wasserstoff - Netze für grünes Gas knüpfen
Bild: Bild: EASAC
WASSERSTOFF:
Netze für grünes Gas knüpfen
Auf dem Handelsblatt-Wasserstoffgipfel diskutierten Experten den besten Weg, um das Gas zu transportieren. Dabei favorisierten sie kurze Wege zwischen Erzeuger und Verbraucher.
 
Hauptdiskussionspunkt auf dem Online-Gipfel war die Finanzierung der Netze für das künftige grüne Gas. Für den Hochlauf der Elektrolyseure sieht Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur, vorerst keinen Regulierungsbedarf. „Diese Anlagen entstehen dort, wo genug erneuerbarer Strom vorhanden ist und Abnehmer nahe sind“, sagte er. Daher würden nur zweckgebundene kurze Netze benötigt. Diesen Netzausbau würden die Beteiligten zahlen.

Allerdings stehe für die Zukunft die Frage, ob alle Gaskunden sich an den Kosten für Wasserstoffnetze beteiligen sollten, die hauptsächlich Unternehmen nutzen.
Sobald durch Trassenausbau genug Strom in den Süden Deutschlands transportiert werden könnte, würden auch dort Elektrolyseure möglich sein, doch das sei noch Zukunftsmusik, sagte Homann.

Alle Gasnetze verknüpft planen

Inga Posch, Geschäftsführerin des Verbands der Fernleitungsnetzbetreiber Gas, bedauerte, dass das H2-Startnetz nicht mehr im Netzentwicklungsplan (NEP) Gas 2020-2030 enthalten sei, weil die Bundesnetzagentur es ausgeschlossen hatte. „Ein Land ohne leistungsfähige und gut ausgebaute Wasserstoffinfrastruktur wird in Zukunft als Industriestandort nicht mehr attraktiv sein“, warnte Posch.

„Daher brauchen wir einen Rahmen für die integrierte Planung und Finanzierung von Gas- und Wasserstoffinfrastruktur“, forderte sie von der Bundesregierung. „Wir müssen Moleküle genauso einheitlich betrachten wie Elektronen“, mahnte Posch mit Blick auf die Stromtrassen, die ebenfalls von allen Endkunden bezahlt würden.

Keine Wasserstoffnetze von Erdgaskunden finanzieren lassen

Homann sagte, das Erdgasnetz könne schrittweise umgewidmet werden für Wasserstofftransporte. Doch solange dies kein flächendeckendes Phänomen sei, könne man nicht die heutigen Gaskunden mit Kosten belasten, von denen sie keinen Nutzen haben. „Die Stromkunden zahlen die Stromnetze, die Erdgaskunden die Gasnetze und die Wasserstoffkunden finanzieren ihre Netze“, erwiderte Homann auf die Kritik.

 
Die Diskutanten auf dem Wasserstoffgipfel (v.l.o.) Moderator Klaus Stratmann, Tim Meyerjürgens (COO Tennet), Jochen Homann (Präsident BNetzA) und Inga Posch (Geschäftsführerin FNB Gas)
Bild: Handelsblatt

Inga Posch appellierte, mehr im europäischen Verbund zu denken und ähnlich wie im Strom Partnerschaften für die Wasserstoffversorgung zu knüpfen. Homann sagte, dass genau deshalb Wasserstoff nicht den komplizierten Regulierungen der Erdgasleitungen und -märkte unterworfen werden sollte. Eine jahrelange Planung, wie bei den Netzentwicklungsplänen sei für den schnellen Hochlauf gerade schädlich, argumentierte er. Für die Gasnetzbetreiber lobte Posch den europäischen Ansatz, alle Netze zusammen zu denken und zu planen und hoffte, dass dies sich auch in Deutschland am Ende durchsetzen werde.

Mehr grünen Strom für Elektrolyse erzeugen

Tim Meyerjürgens, COO des Übertragungsnetzbetreibers Tennet, warnte dass es an erneuerbarem Strom für die Elektrolyse fehlen würde. „Die geplanten 5.000 Volllaststunden für Elektrolyseure sind schon mehr, als grüner überschüssiger Strom zur Verfügung steht“, sagte er. Es würden aktuell im Norden nur etwa 2 % des Stroms abgeregelt. Es müsse also dringend mehr erneuerbarer Strom erzeugt werden für die Elektrolyse. Sonst sei der Wasserstoff grau, weil er aus Kohlestrom erzeugt wird. Das aber diene nicht dem Klimaschutz.
 

Susanne Harmsen
Redakteurin
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Mittwoch, 26.05.2021, 16:37 Uhr

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