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Enerige & Management > Stromnetz - Netzbetreiber darf 47 Jahre alte DDR-Leitungsplanung umsetzen
Quelle: Fotolia / Gina Sanders
STROMNETZ:
Netzbetreiber darf 47 Jahre alte DDR-Leitungsplanung umsetzen
In Südsachsen hat seit Kurzem eine 110-kV-Hochspannungsleitung Baurecht, die fast vor einem halben Jahrhundert über den Schreibtisch des DDR-Ministerrates gegangen war.
 
Die südsächsischen Landkreise Zwickau und Vogtland mit mehr als 100.000 Privatverbrauchenden kommen einer sichereren Stromversorgung näher: Die Landesdirektion Sachsen genehmigte bereits Anfang Juni den Plan des Eon-Verteilnetzbetreibers Mitnetz Strom für eine 110-kV-Freileitung, die in Nord-Süd-Richtung westlich an Zwickau vorbeiführt. Das teilte die Behörde am 16. Juni mit.

Der genehmigte Abschnitt verläuft von Werdau-Steinpleis bis Lichtentanne-Stenn weitgehend parallel zur Staatsstraße 293. Er ist einer von drei Abschnitten eines "neuen Leitungsrings" vom nördlichen Zwickauer Stadtteil Crossen am Westrand der Stadt vorbei in südwestlicher Richtung bis nach Pöhl-Herlasgrün nordöstlich von Plauen, der Kreisstadt des Vogtlandkreises. Laut dem Netzausbauplan der ostdeutschen Flächen-Verteilnetzbetreiber (VNB) von 2019, dessen Aktualität allerdings von der Landesdirektion in Teilen bestritten wird, handelt es sich um 22 km neue Doppelleitung und 3 km doppelte Verstärkung des 110-kV-Hochspannungsnetzes.

In einem eigenen Projekt führt dieser Leitungsring dem Plan zufolge östlich an Plauen und Oelsnitz vorbei Richtung Süden bis nach Markneukirchen im selben Vogtlandkreis. Der "Vogtlandring", wie ihn der Netzausbauplan nennt, erweitert die Stromtrassen nochmal um zwei Mal 13 km und verstärkt sie zusätzlich einfach um 12 km.

Ziel sei es, die Stromversorgung in den beiden Landkreisen von zwei Seiten statt nur von einer sicherzustellen (sogenannte n-1-Redundanz), sagte eine Sprecherin von Mitnetz Strom auf Anfrage.

Im Netzausbauplan ist auch davon die Rede, mit einer Vielzahl von Netzverstärkungs-Projekten die schneller voranschreitende regionale Energiewende zu flankieren, in der Wind- und Solaranlagen vor allem im Verteilnetz einspeisen und es teilweise an seine Belastungsgrenze bringen. Gegenüber dem nur zwei Jahre älteren Vorgängerpapier gingen die VNB darin für 2030 schon von 57.000 MW Erzeugungsleistung in Ostdeutschland (ohne Berlin) aus. Das sind 10.000 MW mehr, als 2017 prognostiziert.

Die alte Trasse jedenfalls, die verstärkt werden soll, ist überlastet, geht aus der aktuellen Netzkarte von Mitnetz Strom hervor. Die Infrastruktur ist überdies zumindest im Vogtland mehr als 90 Jahre alt und nähert sich dem Ende der technischen Lebensdauer, so die Landesdirektion auf Anfrage. Sie werde abgebaut, sobald der "neue Leitungsring", der durch Querverbindungen die Redundanz herstelle, in Betrieb ist.

​Zu Willi Stophs Zeiten

Die Entscheidung für den Stromleitungsring, für die Zulassung der Spannungsebene und für die Trasse ist nicht viel jünger: Sie wurde im Februar 1975 vom DDR-Ministerrat unter Willi Stoph (SED) gefasst, genauer gesagt, für die westliche und südliche Umgehung von Zwickau, die von Werdau Süd bis Wilkau-Haßlau-Silberstraße führt. Damals wurden die 110 kV zwar beschlossen, aber nur 30 kV ausgeführt, so die Landesdirektion. Der jüngst genehmigte Abschnitt könne aber "im Wesentlichen ohne bauliche Veränderung der Masten und Leiterseile" umgestellt werden.

Wohnhäuser in der Trasse

Lediglich punktuell würden Masten erhöht, weil im Laufe der jüngsten 47 Jahre auf der Trasse Wohnhäuser entstanden, die von den derzeitigen 30 kV ausreichend entfernt seien, nicht aber von den beabsichtigten 110 kV.

Beim dritten Bauabschnitt in Richtung Reichenbach im Vogtland sieht dies anders aus. Er soll teilweise über eine neue Trasse führen und wird derzeit "zur Planfeststellung vorbereitet", so die Landesdirektion.
 

Georg Eble
Redakteur
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Freitag, 17.06.2022, 15:55 Uhr

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