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Enerige & Management > Politik - Netzagentur sieht weiter Verbesserungsbedarf
Bild: Fotolia.com, Tom-Hanisch
POLITIK:
Netzagentur sieht weiter Verbesserungsbedarf
Der Bericht der BNetzA zur Versorgungssicherheit listet mehrere kritische Situationen im vergangenen Winter auf und macht eine Reihe von Verbesserungsvorschlägen. Im Mittelpunkt stehen Netzausbau und bessere Prognosen.
 
Das deutsche Stromnetz ist zwar glimpflich durch den vergangenen Winter gekommen. Aber das lag vor allem an den günstigen äußeren Umständen und dem Ausbleiben von extremen Kälteeinbrüchen. Dagegen sind eine Reihe von Hindernissen bei der Sicherstellung der Energieversorgung immer noch nicht beseitigt. Das geht aus dem Bericht der Bundesnetzagentur zur Versorgung mit Strom und Gas im Winter 2012/13 hervor. „In einigen Stunden des Winters konnten die Übertragungsnetze trotz erheblicher Eingriffe der Übertragungsnetzbetreiber nicht (n-1)-sicher betrieben werden“, heißt es in dem Bericht mit Blick auf den 25. und 26. März 2013. Wie schon im vorhergehenden Winter kam es auch in diesem Winter an einigen Tagen zu zeitweise erheblichen Bilanzkreisabweichungen.
Anders als in der vorangegangenen Kälteperiode traten im Gasnetz in diesem Winter keine Engpässe auf. Wegen der insgesamt wärmeren Witterung musste die Versorgung von Kunden und Gaskraftwerken nicht unterbrochen werden. Allerdings entstanden Probleme, weil neben drei anderen für den Redispatch benötigten Kraftwerken, die aus technischen Gründen am 25. und 26. März nicht zur Verfügung standen, ein Gaskraftwerk nicht einspringen konnte, da es nur über unzureichende Gaskapazitätsbuchungen verfügte.

Mehrere verschiedene Ursachen sieht die Bundesnetzagentur als verantwortlich dafür, dass es am 24. Dezember und am 10. Februar zu erheblichen Überspeisungen ins deutsche Stromnetz kam: Am Heiligen Abend traf eine kurzfristig stark erhöhte Einspeisung aus Windenergieanlagen auf eines sehr geringe Stromnachfrage. Gleichzeitig wurden konventionelle Erzeugungsanlagen nicht herunter geregelt, was zu einer Verschärfung der Situation beitrug. Am 10. Februar fiel die tatsächliche Einspeisung aus Photovoltaikanlagen doppelt so hoch aus wie die prognostizierte Menge. Ursache dafür war, dass die Prognose-Ersteller fälschlich angenommen hatten, dass viele Solaranlagen noch von einer Schneeschicht bedeckt waren.

Standardlastprofile sollen überprüft werden

Die Bundesnetzagentur macht sich die Forderung der Übertragungsnetzbetreiber zu eigen, dass die Güte der Prognosen für die eingespeisten Energiemengen aus erneuerbaren Energien verbessert werden muss. Sie unterstützt das Vorhaben der Übertragungsnetzbetreiber, die den größten Teil des Photovoltaik-Stroms vermarkten, ein Referenz-Messsystem aufzubauen, um die Prognose zu verbessern. Sie fordert außerdem, dass künftig Öko-Energieanlagen nur noch von den finanziellen Vorteilen der Marktprämie und des Grünstromprivilegs profitieren sollen, wenn die Direktvermarkter technisch in der Lage sind, diese Anlagen fernzusteuern. Derzeit kann auch der Strom aus Anlagen direkt vermarktet werden, die noch nicht fernsteuerbar sind. Dadurch entstünden erhebliche Risiken für eine zuverlässige Prognose der Bilanzkreise der Direktvermarkter, was wiederum Gefahren wegen der Ausschöpfung der Regelenergie hervorrufe.

Sehr vorsichtig geht die Bundesnetzagentur mit der Vermutung von Fachleuten um, dass die Probleme im Februar 2012 und an Weihnachten 2012 auch durch falsche Lastprognosen verursacht wurden. Im Februar 2012 war es aufgrund einer Kältewelle zu einer starken Unterdeckung gekommen. An Weihnachten 2012 waren die Temperaturen deutlich höher als im historischen Durchschnitt und es kam zu einer deutlichen Überdeckung. Die Standardlastprofile zur Prognose des Leistungsbedarfs von Haushalten und kleinen Gewerbekunden ignorieren derzeit die tatsächlichen Temperaturen sowie für die nächsten Tage prognostizierte Temperaturextreme und ermitteln die Lastprognose nur aufgrund historischer Werte. Die Übertragungsnetzbetreiber fordern deshalb eine Anpassung der Standardlastprofile, um in Situationen mit extremen klimatischen Verhältnissen zu große Abweichungen zwischen Prognose und tatsächlicher Last zu vermeiden. Die Bundesnetzagentur unterstützt dagegen lediglich eine Untersuchung, „ob eine Anpassung des Standardlastprofils notwendig ist“.

Negative Strompreise als Zeichen unzureichender Flexibilität

Bei der Präsentation des Berichts nahm der Präsident der Bundesnetzagentur, Jochen Homann, auch zu den negativen Preisen Stellung, die in letzter Zeit häufiger an der Strombörse auftreten. "Negative Preise weisen auf eine nicht ausreichende Flexibilität konventioneller Erzeugung hin, sich dem Konkurrenzdruck anzupassen. Zugleich weisen negative Preise auf eine nicht ausreichende Flexibilität erneuerbarer Energieträger hin, auf eine geringe Stromnachfrage zu reagieren. Insofern sind negative Preise ein wichtiges Marktsignal, das den notwendigen ökonomischen Druck erzeugt, diese Flexibilität herzustellen", sagte Homann: "Negative Preise sind kein Anlass zur Beunruhigung im Hinblick auf die Versorgungssicherheit."

Als wichtigste Forderung sieht Homann die Fortsetzung des Ausbaus der Stromnetze in Deutschland: "Auch wenn die Situation in den Strom- und Gasnetzen witterungsbedingt weniger angespannt war als im vorangegangenen Winter, dürfen wir uns nicht in Sicherheit wiegen. Ein zügiger Netzausbau ist und bleibt das Gebot der Stunde, um auch zukünftig eine sichere Versorgung gewährleisten zu können." Weil der Bestand an Kraftwerk deutschlandweit derzeit ausreichend sei, sei die kurzfristige Einführung einer strategischen Reserve nicht notwendig, stellte Homann fest. Weil aber auch in den kommenden Wintern Engpässe im Stromnetz auftreten könnten, sei eine ausreichend dimensionierte „Netzreserve“ von Kraftwerken an Standorten, wo sie das Netz wirksam entlasten können, notwendig. Ein Stilllegung von Kraftwerken im südlichen Deutschland gefährde die Systemsicherheit und könne deshalb nicht hingenommen werden.
 

Timm Krägenow
© 2020 Energie & Management GmbH
Dienstag, 02.07.2013, 17:25 Uhr

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