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Enerige & Management > Bilanz - Naturstrom bietet mehr als grünen Strom und grünes Gas
Bild: Fotolia.com, Rynio Productions
BILANZ:
Naturstrom bietet mehr als grünen Strom und grünes Gas
Der Düsseldorfer Energieanbieter weitet gezielt seine Geschäftsaktivitäten als Antwort auf den stagnierenden Ökostrommarkt aus.
 
Vor wenigen Wochen ist die Naturstrom AG innerhalb Düsseldorfs in ein neues Domizil mit rund 4 300 Quadratmetern Fläche unweit des Flughafens umgezogen. Für die derzeit in der Unternehmenszentrale arbeitenden 130 Mitarbeiter – weitere 130 Mitarbeiter sind auf elf Dependancen im gesamten Bundesgebiet verteilt – eigentlich viel zu viel Platz. „Wir haben mit dem Umzug unserem weiteren Wachstum und den dann notwendigen neuen Mitarbeitern etwas vorgegriffen“, scherzt Vorstand Oliver Hummel.

Mit dem Wachstum ist das so eine Sache: Das bisherige Kerngeschäft, die Belieferung mit Grünstrom, stagniert. Nicht nur bei Naturstrom, sondern auch bei den meisten anderenAnbietern. Wie schon 2014 belieferte das 1998 von Aktivisten aus der Umweltbewegung gegründete Energieunternehmen auch im vergangenen Jahr rund 242 000 Haushalts- und Gewerbekunden mit Ökostrom, wobei der Gesamtabsatz bei etwa 900 Mio. kWh auf Vorjahresniveau lag. Im Ökogas-Segment gab es mit 2 000 Kunden einen Zuwachs auf nunmehr 14 000. Bemerkenswerter in diesem Geschäftsfeld ist die Absatzsteigerung von 110 auf 150 Mio. kWh. „Das ist aber auch auf die kälteren Temperaturen im vergangenen Winter zurückzuführen“, sagt Hummel.

Dass der Grünstrommarkt nun schon seit gut drei Jahren auf der Stelle tritt, erklärt sich Hummel so: „Obwohl erst ein Viertel des Stroms aus erneuerbaren Quellen kommt, haben viele Verbraucher die Energiewende gedanklich für sich schon abgehakt.“ Naturstrom wie auch andere Ökostromanbieter hatten zu Beginn des vergangenen Jahres auf eine Debatte um einen möglichen Kohleausstieg gesetzt, die die Wechselbereitschaft erhöhten sollte. Genau diese Debatte ist bislang, abgesehen von Expertenzirkeln, in der Breite der Bevölkerung noch nicht in die Gänge gekommen.

Dass Naturstrom dennoch den Umsatz um 25 Prozent auf über 300 Mio. Euro steigern konnte, liegt überwiegend an der Erzeugungssparte. Vor fünf Jahren hatte der Vorstand des Düsseldorfer Energieanbieters den Beschluss gefasst, eigene Ökokraftwerke zu bauen und zu betreiben. Gleich 17 neue Windturbinen, vornehmlich in Nordbayern, konnte der Grünstromanbieter im vergangenen Jahr in Betrieb nehmen. Damit verfügt Naturstrom nun über einen Erzeugungspool von 101 MW. „Absehbar ist, dass wir Ende dieses Jahr rund 25 bis 30 Prozent unserer Kundenverbräuche mit eigenen Anlagen abdecken werden“, prognostiziert Hummel.

Kommunale Nahwärmeversorgung sehr gefragt

Denn bis zum Jahresende plant Naturstrom den Bau von weiteren 10 bis 15 neuen Windturbinen. Im vergangenen Jahr hatte Naturstrom mehr als 70 Mio. Euro in die Erzeugungssparte gesteckt, eine Rekordsumme in der Unternehmensgeschichte: „Auch wenn wir dieses Jahr weniger investieren, bleiben wir unserem Grundsatz treu, Bürgern eine finanzielle Beteiligung an diesen Anlagen anzubieten“, betont Hummel. Das gebiete der Anspruch eines nachhaltigen, dezentralen und bürgernahen Energieversorgers. Mit dem selbst erzeugten Ökostrom kann Naturstrom infolge fehlender gesetzlicher Grundlagen aber den eigenen Kundenstamm nicht beliefern. Als Ausweg bleibt für die grünen Elektronen nur die Direktvermarktung.

Neben Belieferung und Erzeugung gewinnen bei Naturstrom seit einigen Monaten Regionalstromprodukte, Mieterstromprojekte sowie Nahwärme- und Quartierskonzepte an Bedeutung: „Diese dezentralen Aktivitäten sind aktuell der Geschäftsbereich mit der größten Wachstumsdynamik“, betont Vorstand Hummel. Das Geschäft ist zwar kleinteiliger, aber zeigt durchaus erste Erfolge: „Vor allem bei der dezentralen Wärmeversorgung besteht eine hohe Nachfrage von den Kommunen, so dass wir mit den Projekten gar nicht hinterherkommen“, so Hummel. Warum sich das Gros dieser neuen Aktivitäten und auch der Bau der meisten Windturbinen auf Nordbayern konzentrieren, ist schnell erklärt: Naturstrom-Vorstand und -Mitbegründer Thomas Banning hat sein Büro in Forchheim, weshalb er in der Region gut vernetzt ist.

Apropos Bayern: Zusammen mit dem Netzwerk der bayerischen Energiegenossenschaften bietet Naturstrom seit Ende vergangenen Jahres einen Regionaltarif an. Für den Tarif „BavariaStrom“ wird der grüne Strom ausschließlich innerhalb der Grenzen Bayerns erzeugt. „Für uns ist das ein Pilotprojekt, wir wollen testen, ob Kunden wirklich mit dem Thema Regionalität zu gewinnen sind“, sagt Hummel. Zwei Monate nach dem Launch des Regionaltarifs fällt sein erstes Fazit nicht unzufrieden aus: „Wir haben ein paar hundert Kunden gewonnen, es wäre schön, wenn daraus ein paar tausend werden könnten.“

Nach vorläufigen Berechnungen konnte Naturstrom im vergangenen Jahr den Umsatz von etwa 240 auf über 300 Mio. Euro steigern. Unter dem Strich erwartet Vorstand Hummel wie 2014 einen Gewinn von annähernd 7 Mio. Euro.
 

Ralf Köpke
© 2019 Energie & Management GmbH
Donnerstag, 21.01.2016, 12:51 Uhr

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