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Enerige & Management > Wirtschaft - Mobilität soll grüner werden
Bild: Fotolia.com, lassedesignen
WIRTSCHAFT:
Mobilität soll grüner werden
Die Themen Elektromobilität und der Dieselskandal bestimmen die derzeitigen Diskussionen über die Zukunft der Mobilität.
 
Der Wunsch nach einer rascheren Verbreitung der Elektromobilität ist groß, doch die realen Möglichkeiten sind weiter begrenzt. Das zeigten die Diskussionen des Future Mobility Summit des Tagesspiegel in Berlin. Ob die Möglichkeiten schon ausreichend genutzt werden und was an politischen Initiativen erforderlich ist, um der Elektromobilität zum Durchbruch zu verhelfen, darüber wurde auf dem Euref-Campus, dem Wissenschafts- und Innovationszentrum um den ehemaligen Gasometer im Berliner Stadtteil Schönenberg kontrovers diskutiert.

Euref-Chef Reinhard Müller vertrat die Auffassung, dass technisch bereits alle Möglichkeiten zum Umsetzen der Energie- und Verkehrswende vorhanden seien. Als Beispiel dafür diente ihm der Euref-Campus, der bereits seit 2014 vollständig klimaneutral „und nicht teurer als konventionell“ mit Energie versorgt werde und wo an der größten solaren Stromtankstelle Deutschlands auch ein autonom auf dem Gelände fahrender Kleinbus betankt werde. „Das zeigt, dass es funktionieren kann“, so Müller.

Etwas Wasser in den Wein gießen musste Berlins grüne und sehr elektromobilitätsfreundliche Wirtschaftssenatorin Ramona Popp. Sie klagte darüber, dass große deutsche Fahrzeugbauer immer noch keine Elektrobusse anbieten, dass es bislang keine als Taxis zulassungsfähigen reinen Elektroautos gibt, und dass sie bisher keinen elektrisch betriebenen Dienstwagen finde, der nicht wegen zu hoher Leasingraten von Rechnungshof beanstandet werde. „Wir werden von Jahr zu Jahr vertröstet“, berichtete Popp.

Sie zeigte sich jedoch überzeugt davon, dass die Mobilität der Zukunft grüner wird. Die Digitalisierung werde dabei eine wichtige Rolle spielen. Die Zahl der öffentlichen Ladepunkte in der Stadt soll bis 2019 von derzeit etwa 420 auf 1 600 erhöht werden. „Bei Ladepunkten haben wir noch etwas zu tun“, räumte Popp ein. Berlin wolle sich zum Zentrum der Mobilität der Zukunft entwickeln.

Auch Henning Kagermann, Vorsitzender der Nationalen Plattform Elektromobilität, stellte einen deutlichen Ausbau der Ladeinfrastruktur, unter anderem eine Verdreifachung der Normalladepunkte bis um Jahresende, als wichtige Maßnahme für die Weiterentwicklung der Elektromobilität in Aussicht. Von der Bundesregierung wünscht er sich noch mehr Fördergeld für den Ausbau der Infrastruktur.

Große Aufgabe Ladeinfrastruktur

Die Autoindustrie will sich ebenfalls am Ausbau der Ladeinfrastruktur beteiligen, wie Bernhard Mattes, der neue Präsident des Verbandes der Automobilindustrie, bekräftigte. Er versprach darüber hinaus, das Angebot der deutschen Autobauer an Elektrofahrzeugen bis 2020 von derzeit 35 auf 100 zu erweitern. Die Reichweite der Autos werde sich erhöhen, alle Fahrzeugsegmente würden von den Herstellern bedient. Die deutschen Autobauer seien bei der Elektromobilität nicht im Hintertreffen, wie vielfach behauptet werde, sondern entwickelten dabei eine „enorme Dynamik“, sagte Mattes.

Andreas Kuhlmann, Geschäftsführer der Deutschen Energie-Agentur, warnte vor zu frühzeitigen und engen Festlegungen im Hinblick auf die Ladeinfrastruktur für Elektromobilität. Viele Fragestellungen seien noch offen. Außerdem werde Batterie-Elektromobilität alleine nicht reichen. Auch synthetische Kraftstoffe wie Wasserstoff und synthetisches Erdgas „werden sehr sehr wichtig sein“, sagte Kuhlmann.

Die Politiker-Diskussion über die Zukunft der Mobilität und die nötige Regulierung drehte sich überwiegend um die Vergangenheit, konkret um die Bewältigung des Betrugsskandals um die Dieselabgase. Anton Hofreiter, Fraktionschef der Grünen im Bundestag, forderte eine Nachrüstung von Dieselfahrzeugen der Abgasklassen Euro 5 und Euro 6 auf Kosten der Hersteller. „Man muss die Industrie manchmal zu ihrem Glück zwingen“, sagte er.

Auch Sören Bartol, stellvertretender SPD-Fraktionschef im Bundestag, hält es für nötig, „mit der Industrie noch einmal über Nachrüstung ins Gespräch zu kommen“. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Thomas Jarzombek sprach sich ebenso dafür aus, „dass die Industrie die Vorschriften auf der Straße einhält“.

Das erhärtete den Eindruck, die neue Bundesregierung wolle die Autoindustrie dazu zwingen, Dieselautos auf deren Kosten mit einer erweiterten Abgasreinigung nachzurüsten. VDA-Chef Mattes wollte sich zu möglichen Überlegungen der Autobauer in diese Richtung nicht äußern. Bisher gebe es dazu noch keine offizielle Anfrage von Regierungsseite.
 

Peter Focht
Redakteur
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Montag, 09.04.2018, 15:11 Uhr

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