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Enerige & Management > Stromnetz - Mit regionalen Märkten in die Energiezukunft
Quelle: Fotolia / Miredi
STROMNETZ:
Mit regionalen Märkten in die Energiezukunft
Das Ergebnis des „Pebbles“-Projekts ist eindeutig: Lokale Energiemärkte ermöglichen eine kostengünstige Energiewende und beschleunigen die notwendigen Transformationen.
 
Die Schlüsse aus dem Vorhaben zogen die Beteiligten nach gut dreijähriger Projektlaufzeit. Im Jahr 2018 haben die Partner um Siemens und das Allgäuer Überlandwerk in der Gemeinde Wildpoldsried (Bayern) begonnen, einen lokalen Marktplatz für Energie und Flexibilitäten unter Einsatz der Blockchain-Technologie zu schaffen. Seit Oktober 2020 ermöglicht die Handelsplattform privaten Stromproduzenten den Zugang zu einem lokalen Energiemarkt.

Pebbles bietet Erzeugern und Verbrauchern die Möglichkeit, ihren Strom und ihre Flexibilitäten, zum Beispiel durch die zeitlich verschobene Ladung von Batterien, zu handeln. Dafür verbindet eine digitale Plattform alle Teilnehmer so, dass sie überschüssigen Strom an andere Verbraucher oder über einen Zwischenhändler an übergeordnete Märkte vermarkten können. Bei lokaler Unterdeckung liefert ein Backup-Versorger zusätzlichen Strom.

Über die Plattform legen Nutzer zudem Präferenzen für ihren Strombezug fest und können so etwa die Herkunft des Stromes wählen und maximale Bezugspreise hinterlegen. Die Besonderheit der Pebbles-Plattform: Sie berücksichtigt die Netztopologie sowie die prognostizierte Netzauslastung und hilft so, Netzengpässe zu minimieren. Möglich wird dies durch eine, wie die Projektbeteiligten erläutern, „multikriterielle Optimierung der Handelsplattform“: Sie wickelt Transaktionen ab und nutzt bei Bedarf Flexibilitäten aus Batteriespeichern oder steuerbaren Lasten wie Wärmepumpen oder Ladestationen für Elektrofahrzeuge.

Kritik an regulatorischen Rahmenbedingungen

Solche Projekte, davon zeigen sich die Partner überzeugt, sind ein Weg, wie Stromnetze zukünftig flexibler werden und damit mehr erneuerbare Energien aufnehmen können. Lokale Energiemärkte würden so den Bedarf an kosten- und zeitintensivem Ausbau der Netze und des Netzengpassmanagements minimieren. Damit haben sie auch das Potenzial, die Kosten der Energiewende zu senken. Aktuell stehen dieser Perspektive jedoch, so die Kritik, ein starres Netzentgeltsystem und hinderlicher regulatorische Rahmenbedingungen entgegen.

Im Rahmen der Abschlussveranstaltung in der Gemeinde Wildpoldsried im Allgäu haben die Konsortialpartner die Ergebnisse des im Juni 2018 gestarteten Versuchs vorgestellt. Sebastian Gebhardt, Projektleiter beim Allgäuer Überlandwerk, verdeutlichte dabei, dass es gelungen sei, Verbrauch und Erzeugung innerhalb der Teilnehmerinnen und Teilnehmer bestmöglich aufeinander abzustimmen.

Beeindruckend fand er die Anzahl der Transaktionen, die innerhalb der Handelsplattform geschlossen wurden. Dadurch, dass die Mengen je Viertelstunde gehandelt werden, kamen allein mit den rund 60 realen und virtuellen Akteuren täglich mehr als 6.000 Verträge zustande.

Die Kernergebnisse von Pebbles fassen die Beteiligten wie folgt zusammen:
  • Auch private Verbraucher, Erzeuger und Prosumer konnten erstmals direkt am Energiehandel teilnehmen.
  • Gemeinsam mit Energiepionieren in Wildpoldsried wurde im realen Betrieb demonstriert, wie ein lokaler Energiemarkt funktionieren kann.
  • Durch den lokalen Handel können die regionale Wertschöpfung gesteigert und individuelle monetäre Vorteile generiert werden. Das erhöht die Akzeptanz in der Bevölkerung für den Ausbau der erneuerbaren Energien vor Ort.
  • Mit Pebbles wurde gezeigt, wie moderne Kommunikationstechnik und digitale Plattformen in der Energiewirtschaft genutzt werden können, um eine Vielzahl dezentraler Energieanlagen kosteneffizient einzubinden und die Komplexität systemoptimierten Energiehandels zu reduzieren.
  • Das Konzept ermöglicht einen verbesserten Abgleich von Erzeugung und Verbrauch auf lokaler Ebene. Das schaffe einen erheblichen volkswirtschaftlichen Mehrwert, indem das Abregeln erneuerbarer Energien und der Netzausbaubedarf, der nach heutigem Ansatz allein bis 2030 bei über 100 Mrd. Euro liegt, minimiert werden.
  • Die Kosten für Maßnahmen des Netzengpassmanagements betrugen im Jahr 2019 rund 1,2 Mrd. Euro. Durch die Berücksichtigung der Kapazitäten des Verteilnetzes bei der Zuordnung von Angebot und Nachfrage, wie in Pebbles realisiert, können diese Engpässe deutlich reduziert werden.
  • Lokale Energiemärkte haben großes Potenzial zur Steigerung der Akzeptanz des dezentralen Ausbaus der erneuerbaren Energien und damit zum Erreichen der Klimaschutzziele beizutragen. Die Politik ist gefordert, die dafür erforderlichen regulatorischen Rahmenbedingungen zu schaffen.
Und wie geht es nach dem Projektabschluss weiter? Michael Lucke, Geschäftsführer der Allgäuer Überlandwerke, würde sich freuen, wenn man das Pebbles-Konzept erweitern und zeigen könnte, dass dieses Modell beliebig skalierbar ist. „Es darf nicht nur ein Wildpoldsried geben, wir brauchen dies flächendeckend in Zukunft.“

Weitere Informationen    sind auf der Projekt-Homepage zu finden.
 

Günter Drewnitzky
Redakteur
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Mittwoch, 20.10.2021, 12:47 Uhr

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