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Enerige & Management > Biogas - Mehr Perspektiven für Biomethan
Bild: Fotolia/Jürgen Fälchle
BIOGAS:
Mehr Perspektiven für Biomethan
Mit den neuen gesetzlichen Regelungen erschließen sich für Biomethan neue Möglichkeiten, darauf weist der Beratungsdienstleister Green Navigation hin.
 
Der Einsatz von Biomethan im Blockheizkraftwerk zur Verstromung ist seit den Vergütungssätzen des EEG 2014 nur noch für das Bestandsgeschäft lukrativ, so die Ansicht des Beratungsdienstleisters Green Navigation in einer Mitteilung. Darunter leide nicht nur die Biomethanbranche, sondern auch für Wärmeversorger sei eine Möglichkeit verloren, Endkunden „grüne Wärme“ zu marktfähigen Preisen anbieten zu können. Mit dem Gebäudeenergiegesetz könnte zukünftig Biomethan im BHKW wieder Verwendung findet, aber nicht für eine Verstromung nach dem EEG, sondern beigemischt zum Erdgas.

„Das hat zwei Vorteile“, weiß Marvin Becker, verantwortlich bei Green Navigation für Beratungen rund um Biomethan, „denn zum einen kann mit einer Beimischung von Biomethan die Anforderung an die anteilige Nutzung von erneuerbaren Energien zur Wärmeerzeugung erfüllt werden. Zum anderen kann mit Biomethan bei der Ermittlung des Jahresprimärenergiebedarfs ein reduzierter Primärenergiefaktor für den nicht erneuerbaren Anteil verwendet werden.“ In beiden Fällen muss das Biomethan in einem Brennwertkessel oder in hocheffizienter Kraft-Wärme-Kopplung eingesetzt werden.

„Zusätzlich kann sich im Wärmebereich der Einsatz von Biomethan durch die ab dem 1. Juli wirksame Bundesförderung für effiziente Gebäude rechnen“, ergänzt Becker. „Bei Neubauten und auch bei der Sanierung von Gebäuden kann die Stufe Effizienzhaus 40 mit einer Erneuerbare-Energien-Klasse erreicht werden. Dafür muss mindestens 55 Prozent des Energiebedarfs des Gebäudes mit erneuerbaren Energien gedeckt werden. Dies kann durch Biomethan mittels Kraft-Wärme-Kopplung oder Brennstoffzellentechnik erreicht werden.“ Bei Neubauten beträgt die Förderung bis zu 33.750 Euro und bei Sanierungen sogar bis zu 75.000 Euro.

Erdgastankstellen werden fast ausschließlich mit Biomethan betrieben

Mittlerweile werden laut Green Navigation zudem fast alle Erdgastankstellen mit Biomethan betrieben. Trotz der höheren Beschaffungspreise im Vergleich zu Erdgas rechne sich hier der Einsatz. Durch die Erlöse aus der THG-Quote und die Befreiung von der CO2-Abgabe könne Biomethan preisgleich zu Erdgas angeboten werden.

Die Berechnung der THG-Minderung ist im Kraftstoffbereich schon länger vorgeschrieben und wird aufgrund der neuen Nachhaltigkeitsverordnungen zukünftig auch bei der Verstromung von Biomethan in Anlagen ab 2 MW Gesamtfeuerungswärmeleistung angewendet. „Das bedeutet, dass viele Anlagenbetreiber eine THG-Zertifizierung durchführen und außerdem das Nabisy-Register für die Nachweisführung nutzen müssen“, weiß der Biomethanexperte Becker.

Neben dem Einsatz als CNG rückt Biomethan auch als LNG in den Fokus. Besonders im Schwerlastverkehr bietet LNG laut dem Dienstleister aufgrund der hohen Reichweite Vorteile gegenüber anderen alternativen Kraftstoffen.

Durch die steigenden CO2-Preise und die erhöhte Nachfrage nach CO2-Kompensation wird Biomethan auch bei der „Grünstellung“ von Erdgas eingesetzt. Hier komme aus Kostengründen eher die Verwendung von Importgas infrage. England, Dänemark oder Frankreich fördern die Produktion von Biomethan, sodass Zertifikate aus diesen Ländern günstiger angeboten werden können als aus deutscher Produktion. „Wichtig für die Anerkennung von importiertem Biomethan im nationalen und europäischen Emissionshandel ist die Einhaltung der Anforderungen der jeweiligen Leitfäden der deutschen Emissionshandelsstelle“, erläutert Vera Schürmann, Geschäftsführerin der Green Navigation, und ergänzt: „Diese Anforderungen werden durch die Verwendung eines verlässlichen Massenbilanzsystems erfüllt wie unseres BiMaS-System oder das Biogasregister der Dena.“ Im nationalen Emissionshandel gilt diese Regelung zunächst bis 2023 und im europäischen bis 2030.

„Die Wirtschaftlichkeit muss natürlich für diese neuen Verwendungsmöglichkeiten im Einzelfall bewertet werden. Auch die Nachweisführung wird sich nach den neuen Vorgaben ausrichten müssen“, relativiert Schürmann, „aber durch sein CO2-Minderungspotenzial erhält Biomethan als gasförmiger Energieträger auf dem Weg zur Klimaneutralität einen neuen und zukunftsfähigen Stellenwert.“
 

Heidi Roider
Redakteurin und Chefin vom Dienst
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