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Enerige & Management > Gas - Mehr Mut zu Unkonventionellem in der heimischen Förderung
Charlie Grüneberg (Zukunft Gas) und Sandra Rostek (Fachverband Biogas) diskutieren mit Michael Sasse (Wintershall Dea) und Markus Hümpfer (SPD) über die heimische Gasförderung, Quelle: Zukunft Gas
GAS:
Mehr Mut zu Unkonventionellem in der heimischen Förderung
Die Potenziale der heimischen Gas- und Biogasförderung und wie sich diese kurzfristig heben ließen, war Thema einer Diskussionsrunde der Brancheninitiative Zukunft Gas. 
 
"Wir dürfen nicht zu allem ‚Nein‘ sagen!", stellte Michael Sasse am 5. Mai auf einer Veranstaltung, zu der die Initiative Zukunft Gas geladen hatte, klar. Mit seinem Satz machte der Senior Vice President Corporate Communications von Wintershall einen Rundumschlag zu all dem, was in jüngster Vergangenheit sowohl bei Politik als auch der Öffentlichkeit in Kritik steht: Atomkraft, Kohle, russisches Erdgas, Fracking, Biogas, PV und Windkraft. Alles zugleich zu verneinen, ergebe keinen Sinn. "Vielmehr brauchen wir einen Energiemix, wenn wir Energiesicherheit gewährleisten wollen."

Im Moment werden laut Sasse in Deutschland 5,2 Mrd. m3 Erdgas vor allem in Niedersachsen gefördert. Dies entspräche etwa 5 % des deutschen Gasverbrauches. Rund 32 Mrd. m3 seien es dagegen, die in Deutschland aktuell wirtschaftlich förderbar sind, führte Sasse mit Blick auf die gesicherten Reserven an.

Da der Ausbau der Erneuerbaren nicht so schnell vorankomme, wie es notwendig wäre, brauche es "fossile Energie, auch produziert in Deutschland", so Sasse. Neben neuen Lieferländern bedürfe es Technologie-Offenheit und das Vertrauen in Wissenschaft und Forschung. Dies könnte dazu beitragen, "dass wir Ressourcen und Reserven, die wir in Deutschland noch haben, sicher und klimafreundlich produzieren und einsetzen können", so Sasse.

Offenheit auch gegenüber CCS und Fracking

Er spielte damit auf Technologien an, die in Deutschland umstritten sind: zum einen CCS (Carbon Capture and Storage) − die Abscheidung und Einlagerung von CO2. Zum anderen Fracking − das Verfahren, mit dem sich Erdgas aus undurchlässigem Gestein lösen lässt. Schiefergestein und Kohleflözen etwa hätten laut Sasse großes Potenzial für die heimische Gasförderung. Sasse verwies auf eine Zahl der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, wonach sich dort 2,3 Bio. m3 Erdgas befinden könnten. Jedoch: "Dieses vermutete Potenzial ist nicht ausreichend untersucht." Das wissenschaftliche Interesse daran, habe sich wegen des politischen Klimas "merklich abgekühlt".

Eine weitere unkonventionelle Technologie ist die CCS-Technik, mit der der Kasseler Gas- und Ölproduzent Wintershall vor allem in Dänemark und Norwegen aktiv ist. Mit dem weiteren Einsatz fossiler Energieträger sei auch der Ausstoß von CO2 verbunden. CCS wäre ein Weg, das CO2 dahin zu bringen, "wo es am besten hinkommt, wie etwa in den Meeresboden und in ehemalige Erdgaslagerstätten".

Sasse stellte jedoch klar: "CCS darf kein Instrument sein, um das Zeitalter der Fossilen zu verlängern. Aber es ist wichtig in einer Zeit, in der wir noch weiter CO2 produzieren und nicht mehr emittieren wollen. Das heißt, wenn wir weiter Fossile brauchen, dann sollten wir uns auch dem Thema CCS öffnen." Das schließe auch die CO2-Lagerung in der deutschen Nordsee mit ein. 

Biogas als "neue Brückentechnologie"

Sandra Rostek lenkte den Diskussionsschwerpunkt in die Richtung der Erneuerbaren. "Heute und morgen geht es darum, gesicherte und regelbare Leistung sicherzustellen", betonte die Referatsleiterin Politik beim Fachverband Biogas. "Gemäß Koalitionsvertrag steuern wir ganz klar auf den Einsatz von 100 Prozent Erneuerbare zu. Dieser zunehmende Anteil an fluktuierenden Energien im Energiesystem bedarf regelbare Leistung zum Ausgleich."

Bislang gewährleisten diesen konventionelle Kraftwerke − über die Residuallast. Künftig könnte dies die Bioenergie übernehmen. Der deutsche Biogasanlagenpark sei hier noch "auf dem Weg", so Rostek. Sie sprach von einer "neuen Phase der Energiewende": Ging es früher allein darum, durch Biogas so viel Energie wie möglich zu produzieren, sei man nun um die Feststellung reicher, dass Biogas in der bedarfsgerechten Energiebereitstellung ein Alleinstellungsmerkmal habe.

Die Branche spreche in diesem Zusammenhang von "Überbauung". Die rund 9.500 Biogasanlagen in Deutschland seien aktuell 1,5-fach überbaut − das heißt, die Anlagen seien angeschlossen an einen Gasspeicher und ein Blockheizkraftwerk, das die Wärme und den Strom aus Biogas flexibel nutzbar macht. Rostek sprach von der Notwendigkeit, den Biogasanlagenpark zu einem "Kraftwerkspark" nachzurüsten.

"Mit einer fünffachen Überbauung könnten die Biogasanlagen bis zu 18.000 MW flexible Leistung bereitstellen", erklärte Rostek. Dies entspräche laut der Biogasexpertin der Leistung von 60 Gaskraftwerksblöcken und der Größenordnung, die laut Koalitionsvertrag im Hinblick auf die Residuallasten nach dem Abschalten der fossilen Kraftwerke benötigt würden.

Potenzial in der Biogaslandschaft sieht Rostek auch in den Substraten, die den Anlagen zugeführt wird. Auch wenn Mais die höchste Energiedichte habe, erschöpfen sich darin die Stoffströme nicht. Im Bereich der nachwachsenden Rohstoffe, sieht Rosteck viel Potenzial, das mobilisiert werden könnte, etwa durch die Nutzung von Grünschnitt oder Straßenbegleitgrün.
 
 

Davina Spohn
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