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Enerige & Management > Gas - Mehr Marktinstrumente sollen Netzausbau ersetzen
Bild: Regormark / Fotolia
GAS:
Mehr Marktinstrumente sollen Netzausbau ersetzen
Marktbasierte Instrumente ermöglichen den Ausgleich von Engpässen im Gasmarkt ohne konventionellen Netzausbau. So empfiehlt eine Studie im Auftrag der Initiative Erdgasspeicher (INES).
 
Die Weiterentwicklung sogenannter marktbasierter Instrumente im Gasmarkt könnte helfen, den konventionellen Gasnetzausbau besser mit den Klimaschutzzielen in Einklang zu bringen. Zu diesem Schluss kommt eine aktuelle Studie von Frontier Economics im Auftrag der Initiative Erdgasspeicher (INES). Die Studie „Engpassbewirtschaftung innerhalb von Gasmarktgebieten“ wurde online vorgestellt.

Marktbasierte Instrumente wie für die Umsetzung der Zusammenlegung der beiden deutschen Gasmarktgebiete Gaspool und Net Connect Germany zum 1. Oktober 2021 könnten deutlich mehr, so die Autoren. Die Studie entwickelt allgemeingültige Grundsätze zur Auswahl passender marktbasierter Instrumente und leitet daraus eine Empfehlung für einen kosteneffizienten Maßnahmenmix zum Engpassmanagement in Gasmarktgebieten ab. Marktbasierte Instrumente ermöglichten die Bewirtschaftung von Engpässen im Gasmarkt ohne den konventionellen Netzausbau.

Unsicherheiten im Netzausbau vermeiden

INES-Geschäftsführer Sebastian Bleschke kommentierte die Studie als Chance, flexibler als durch Netzausbau auf die Veränderungen der Energielandschaft zu reagieren. „Vor dem Hintergrund der Klimaziele und der voranschreitenden Energiewende sind die Planung und der Bau von Gasfernleitungsnetzen mit großen Unsicherheiten verbunden“, sagte Bleschke. Es brauche deshalb einen Paradigmenwechsel.

„Der starre und sehr langfristig orientierte Gasnetzausbau sollte durch möglichst flexible und vor allem marktbasierte Instrumente ersetzt werden, um hohe Investitionen mit langen Abschreibungsdauern durch eine effektivere Nutzung der bestehenden Netze und Speicher zu vermeiden“, appellierte er. Zu den Unsicherheiten beim Gasnetzausbau gehörten insbesondere stark divergierende Prognosen zum künftigen Erdgasbedarf und Ungewissheit über das Netznutzungsverhalten nach der deutschen Marktgebietszusammenlegung.

Drei marktbasierte Instrumente favorisiert

Die Entwicklung marktbasierter Instrumente könne einen entscheidenden Beitrag leisten, um diese Unsicherheiten zu beherrschen. Solche Instrumente seien viel flexibler anzupassen als physisch errichtete Netze. Für die Bewirtschaftung von Engpässen im Rahmen der Marktgebietszusammenlegung ist derzeit der Einsatz von drei marktbasierten Instrumenten geplant.

Beim VIP-Wheeling sollen Gasmengen innerhalb eines Virtual Interconnection Points (VIP) optimal zugeordnet werden, um so einen möglichen Engpass zu beheben. Bei der Drittnetznutzung sollen gegebenenfalls auftretende Engpässe durch Buchung und Nutzung von Transportkapazitäten in angrenzenden, ausländischen Transportnetzen behoben werden.

Und beim börsenbasierten Spread-Produkt soll Gas zeitgleich in unterschiedlichen (Netzengpass-)Zonen gekauft sowie verkauft werden. Dies funktioniere wie ein “virtueller Transport”, erläuterte Studienautor David Bothe. Die aktuelle Studie habe diese und weitere marktbasierten Instrumente betrachtet und ihre Vor- und Nachteile im Hinblick auf den zukünftigen deutschen Gasmarkt untersucht. Sie macht zwei zentrale Vorschläge zur Weiterentwicklung des vorhandenen Instrumentariums.
 
Kriterien für die Auswahl der besten Marktinstrumente
aus der Frontier-Economics-Studie.
Zum Vergrößern auf die Grafik klicken
Grafik: Frontier 

Bothe fasst die Vorschläge zusammen: „Die Möglichkeit der Drittnetznutzung zum Engpassmanagement ist bereits über das börsenbasierte Spread-Produkt abgebildet.“ Die Drittnetznutzung als eigenständiges Instrument zu definieren, führe deshalb nur zu marktwirtschaftlichen Ineffizienzen ohne erkennbaren Nutzen. „Eine Einführung des sogenannten VHP-Speicher-Wheelings als weiteres Instrument könnte hingegen zusätzliche Potenziale zum Engpassmanagement eröffnen“, meinte Bothe.

Beim VHP-Speicher-Wheeling werden virtuelle Speicherzonen von Gasspeichern als Instrument zur Bewirtschaftung von Engpässen ausgenutzt. Dabei treten Gasspeicher an unterschiedlichen Standorten im Markt virtuell als ein einziger Speicher auf. Der Betreiber des virtuellen Gasspeichers trifft die Entscheidung, an welchen Speichern der Zone tatsächlich Gas ein- und ausgespeichert wird. Beim VHP-Speicher-Wheeling wird diese Flexibilität für das Netz eingesetzt.

Kritik an aktueller Regulierung

Bleschke erinnerte, dass anders als im Strommarkt der Verbrauchsfluss im Gasnetz nicht stundengenau bekannt sei. Das werde aber wichtig, wenn mehr Großverbraucher wie Gaskraftwerke hinzukommen. Er kritisierte die Bundesnetzagentur, die die Fristen für Lastflusszusagen auf ein Jahr Dauer heruntergekürzt habe. „Das macht wenig Sinn, so ist kaum Netzausbau substituierbar, weil diese kurzfristigen Zusagen nicht verlässlich sind", sagte er.

„Sicherheit generiere ich, wenn ich mit einem Instrument langfristig planen kann, daher wird momentan Netzausbau favorisiert“, erläuterte Bleschke. Marktbasierte Instrumente müssten diese Zuverlässigkeit für die Zukunft ebenfalls garantieren, sonst können sie keinen Netzausbau ersetzen. Die beste Lösung sollte sich am Markt in fairem Wettbewerb durchsetzen können, schloss der INES-Geschäftsführer.

Die Studie „Engpassbewirtschaftung innerhalb von Gasmarktgebieten“   steht als Pdf zum Herunterladen bereit.
 

Susanne Harmsen
Redakteurin
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