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Enerige & Management > Österreich - Mehr Leistung, weniger Erzeugung aus Ökostrom
Quelle: Fotolia / YuI
ÖSTERREICH:
Mehr Leistung, weniger Erzeugung aus Ökostrom
Laut E-Control lag der Ökostromanteil an der Bedarfsdeckung 2021 bei 71,3 %, verglichen mit rund 80 % im Jahr 2020. Einer der Gründe für den Rückgang ist eine neue Berechnungsmethode.
 
Im Jahr 2021 wurden in Österreich rund 51,6 Mrd. kWh an Ökostrom erzeugt. Sein Anteil an der Bedarfsdeckung lag damit bei 71,3 %. Das zeigt der sogenannte „EAG-Monitoringbericht“, den die Vorstände der Regulierungsbehörde E-Control, Alfons Haber und Wolfgang Urbantschitsch, am 10. Oktober präsentierten. Der EAG-Monitoringbericht hat seine Grundlage im Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz (EAG) und ersetzt den bisherigen Ökostrombericht der Behörde.

Haber zufolge zeigt der Ökostrombericht den Anteil der geförderten Stromerzeugung mittels erneuerbarer Energien an der Einspeisung ins öffentliche Netz. Der EAG-Monitoringbericht dokumentiert dagegen den Anteil des gesamten in Österreich erzeugten Ökostroms am Inlandsbedarf. Nach der „alten“ Berechnungsmethode wäre für 2021 ein Ökostromanteil von 73 % auszuweisen gewesen, nach der neuen sind es die genannten 71,3 %. Zum Vergleich: 2020 waren es, ebenfalls nach dem „alten“ Verfahren, etwa 80 %. Urbantschitsch erläuterte, der sich beiden Methoden ergebende Anteilsrückgang sei auf eine geringere Ökostromerzeugung und damit auf das verglichen mit 2021 schlechtere Wasser- und Winddargebot zurückzuführen gewesen. Dem gegenüber habe sich die Leistung der Ökostromanlagen um rund 1.000 MW erhöht.

Der Ausbau ging somit weiter. Allerdings erfolgte er noch ausschließlich mit Mitteln aus dem Ökostromgesetz. Anlagen mithilfe von Förderungen auf Basis des im Sommer 2021 beschlossenen EAG wurden noch nicht errichtet, weil die das Energieministerium (BMK) notwendigen Verordnungen erst dieses Jahr erlassen hat. Die Investitionszuschüsseverordnung ist seit 7. April in Kraft, die Marktprämienverordnung erst seit 4. Oktober. Urbantschitsch geht davon aus, dass die ersten mittels Marktprämien geförderten Anlagen nicht vor 2024 ans Netz gehen werden. Das hängt ihm zufolge nicht zuletzt mit der Dauer der Genehmigungsverfahren zusammen. Auch der mit den Investitionszuschüssen laut EAG unterstützte Ausbau hielt sich bis dato sehr in Grenzen, berichtete Urbantschitsch auf Anfrage der Redaktion: „Bis jetzt wurden auf dieser Basis nur wenige Anlagen errichtet.“

Förderkosten gesunken

Um rund 1,2 Mrd. kWh auf 8,4 Mrd. kWh gesunken ist die Ökostrommenge, die die Förderstelle OeMAG den Erzeugern abkaufte. Der Grund sind die erheblich gestiegenen Großhandelspreise für elektrische Energie, die es attraktiver machen, den Ökostrom selbst zu vermarkten, als ihn der OeMAG zu verkaufen. Infolge dessen sanken die Vergütungen, die die OeMAG den Ökostromunternehmen bezahlte, von 986 Mio. Euro im Jahr 2020 auf 913 Mio. Euro im Jahr 2021. Nach Abzug des Marktwertes hatten die Endkunden davon über Zuschläge zu den Netztarifen 453 Mio. an sogenanntem „Unterstützungsvolumen“ aufzubringen, 2020 waren es 595 Mio. Euro gewesen.

Wegen der höheren Marktpreise konnte das BMK die Förderkosten für die Endkunden („Erneuerbaren-Förderbetrag“ und „Erneuerbaren-Förderpauschale“) für heuer auf 0 Euro festsetzen. Laut Haber ist davon auszugehen, dass sich dies auch für das kommende Jahr nicht ändern wird. Will das BMK die „Erneuerbaren-Förderpauschale“ auch für 2023 auf 0 setzen, muss es allerdings das EAG novellieren. Dafür wäre eine Zweidrittelmehrheit im Parlament notwendig, bestätigte Urbantschitsch der Redaktion. Somit müsste die Regierung aus Konservativen (Österreichische Volkspartei, ÖVP) und Grünen an die Sozialdemokraten (SPÖ) oder die rechtsgerichtete Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ) herantreten.
 

Klaus Fischer
© 2023 Energie & Management GmbH
Montag, 10.10.2022, 14:41 Uhr

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