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Enerige & Management > KWK - Mehr Flexibilität und grüne Gase für die KWK
Quelle: Fotolia / XtravaganT
KWK:
Mehr Flexibilität und grüne Gase für die KWK
Die vielen novellierten Regelungen der vergangenen Monate zeigen die Richtung auf: Die KWK soll flexibler werden und stärker dekarbonisieren. Ein Hauptproblem ist indes nicht gelöst.
 
Die KWK-Branche steckt bereits tief in dem viel zitierten Transformationsprozess des Energiesystems drin – hin zu einer klimafreundlichen Strom- und Wärmeversorgung. Das zeigte sich in den Vorträgen und Debatten auf der 18. Jahreskonferenz des BHKW-Consult, die in Magdeburg am 9. und 10. November stattfand. Es ging um Flexibilisierungs-Optionen von Motoren und Anlagen, Brennstoffzellen-Einsatz, Wasserstoff im Erdgasnetz oder um die geänderten rechtlichen KWK(Kraft-Wärme-Kopplungs)-Förderbedingungen, um nur einige Themen anzureißen.

Der Rechtsrahmen war am ersten Tag ein wesentliches Thema für die Teilnehmer. Immerhin gab es in den vergangen Monaten viele Novellen, die die KWK betreffen und die mitunter schnell in Kraft traten. „Es kommt daher einiges an Umrüstungs- und Umsetzungspflichten auf die KWK-Branche zu“, resümierte Markus Kachel, Anwalt von der Kanzlei Becker Büttner Held (BBH), am 9. November. Er und sein Anwalts-Kollege Ulf Jacobshagen gaben einen Überblick über die wichtigsten Änderungen. Kachel beschrieb die neuen KWK-relevanten Änderungen, wie die in der Betriebs- und Heizkostenverordnung, im Energiewirtschaftsgesetz, im KWKG 2021 oder im Mess- und Eichgesetz.

Jacobshagen sprach unter anderem die Neuregelungen zur Fernsteuerbarkeit an: Sie wird mehr Anlagen treffen. Auch die Ausschreibungs-Regelungen wurden vor einiger Zeit im Detail geändert. Ein weiterer spannender Punkt, der angesprochen wurde, sind die neuen Boni. Ein Schritt in Richtung Dekarbonisierung der Wärmeerzeugung ist hier der neue iKWK-Bonus. Statt an der Ausschreibung für innovative KWK-Systeme teilzunehmen, kann der KWK-Zuschlag für eine „normale“ KWK-Anlage dadurch höher ausfallen, dass zusätzlich innovative erneuerbare Wärme erzeugt wird. Die Höhe richtet sich nach deren jährlich erreichtem Anteil.

Nicht nur die vielen Neuregelungen haben den Markt verunsichert. Auch die Corona-Pandemie hat ihre Spuren hinterlassen. Das zeigte sich beim Absatz von KWK-Anlagen, wie das jährlich durchgeführte BHKW-Ranking von Energie & Management und Öko-Institut zeigt, das am 1. November veröffentlicht und auf der Konferenz kurz vorgestellt wurde. Insgesamt ist der Absatz 2020 das zweite Jahr in Folge gesunken. Nach dem Höchstwert 2018 mit 3.300 MWel und 2019 mit 2.900 MWel lag er 2020 nur noch bei rund 2.500 MW. War der Rückgang von 2018 auf 2019 noch wesentlich dadurch getrieben, dass 2019 mit dem Erreichen Flexibilitätsprämien-Deckels bei Biogasanlagen ein starker wirtschaftlicher Anreiz verloren ging, ist der Rückgang 2020 auch mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie zu erklären. So gaben mehr als die Hälfte der am BHKW-Ranking teilnehmenden Unternehmen an, die Pandemie habe einen negativen Einfluss gehabt. Die Kunden waren vorsichtiger bei ihren Investitionsentscheidungen, und die Teileversorgung gestaltete sich schwieriger.

Nachhaltige Gesamtstrategie fehlt

„Wir sehen eine Ausbau-Strategie“, beschrieb daher auch Markus Gailfuß vom BHKW-Consult die Lage bei seinem Überblick über die Markttrends. Sie sei geprägt von Forderungen nach einer tatsächlichen Flexibilisierung und einer stärken Dekarbonisierung. Das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) fokussiere stärker auf die installierte Leistung und auf die Wasserstoff-Nutzung. Was allerdings immer noch fehle, so Gailfuß, ist „eine nachhaltige Gesamtstrategie“ über alle Sektoren hinweg.

Auch bei der Digitalisierung hinke Deutschland weiterhin hinterher. Und die Administration und Messanforderungen werden komplexer statt einfacher. Nicht nur hier müsse die Politik nachsteuern, wenn die Klimaziele für 2030 irgendwie noch erreicht werden wollen.

Gerade die Dekarbonisierung des Wärmesektors ist dafür zentral. Aber es müsse mehr Tempo rein. Dazu werden bereits im Jahr 2030 „große Mengen an klimafreundlichen Gasen benötigt“, sagte Wolfgang Köppel von der Forschungsstelle des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches (DVGW) in einem Vortrag. Denn Gase werden auch künftig eine wesentliche Rolle am Wärmemarkt einnehmen.

Hier seien die Gasnetze ein guter Ansatz, um schnell Emissionen zu reduzieren. Mehr als die Hälfte der Haushalte und der Industrie seien an die rund 553.000 Kilometer langen Transport- und Verteilnetze angeschlossen, die Umstellung auf Wasserstoff sei technisch gut umsetzbar und das Netz biete sich als Speicher an.

Zugleich plädierte Köppel dafür, vorhandene Biomethan-Potenziale zu heben, Groß-Produktionen von Wasserstoff(H2)-Elektrolyse zügiger umzusetzen sowie den Import klimafreundlicher Gase parallel zur heimischen Produktion mitaufzubauen. Das Gasnetz sei gut gerüstet, und auch die Nutzerinnen und Nutzer könnten zügig umgerüstet werden. Die BHWK-Hersteller sind ebenfalls dabei, ihre Motoren auf die neuen klimafreundlichen Brennstoffe auszurichten.
 

Heidi Roider
Redakteurin und Chefin vom Dienst
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