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Enerige & Management > Hannover Messe - Mehr als eine Strom-Wende
Bild: alphaspirit - Fotolia
HANNOVER MESSE:
Mehr als eine Strom-Wende
Die Energiewende und die Intelligenz, die bei ihrer Umsetzung gefordert ist, sind zentrale Aspekte der diesjährigen Hannover Messe.
 
Mit ihrer Integrated Energy Plaza will die Hannover Messe zeigen, was die Integration verschiedener Technologien und die Kopplung von Sektoren bedeutet und wie sie zu bewerkstelligen sind. Die Kombination aus Forum, Ausstellerfläche und interaktiven Exponaten ist der Mittelpunkt der Leitmesse Energie. Die passende Leitstudie dazu hat die Deutsche Energie-Agentur (Dena) vor wenigen Wochen begonnen. Da liegt es auf der Hand, dass die Dena als Partner der Integrated Energy Plaza deren Forenprogramm mitgestaltet. Daneben tragen der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), der Bundesverband Erneuerbare Energien, der Bundesverband Neue Energiewirtschaft, der Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (VDE), der Verband kommunaler Unternehmen (VKU), der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) sowie Germany Trade and Invest, die Standortmarketing-Gesellschaft des Bundes, das Konzept mit.

Die zahlreichen Forschungsprojekte, die das intelligente Zusammenspiel von Erzeugung, Transport, Verteilung und Speicherung aus der Vogelperspektive untersuchen, werden ebenso präsentiert, wie die Betriebsmittel zu ihrer Umsetzung.

Der italienische Kabelhersteller Prysmian, dessen Deutschlandzentrale ihren Sitz in Berlin hat, gehört zu den Ausstellern, die die Energiewende sozusagen aus der Froschperspektive angehen. Für die Gleichstromübertragung hat das Unternehmen ein Produkt auf den Markt gebracht, das eine Erhöhung der bislang vorherrschenden 525 Kilovolt auf 600 und sogar 700 Kilovolt erlaubt und damit laut Hans Koch eine um bis zu 15 % höhere Stromübertragungskapazität ermöglicht. Der Geschäftsführer der Prysmian Group Deutschland gab im Rahmen eines Pressegesprächs in Frankfurt allerdings zu bedenken, dass der für die Gleichstromübertragung in Deutschland geltende Kabelvorrang nicht die Abzweigungen dieser HGÜ-Trassen in die 380-kV-Ebene einschließen. Hier seien nach wie vor Freileitungen die grundsätzliche Ausführungsvariante. Nicht zuletzt deshalb sei politischer Gegenwind gegen den Netzausbau weiterhin möglich.

Die Bedeutung des Kabelvorrangs für einen Hersteller verdeutlichte Koch an einem Zahlenbeispiel: Der Umsatz von Prysmian betrage 7,5 Mrd. Euro pro Jahr, während der gesamte Kabelbedarf für Südlink ein finanzielles Volumen von schätzungsweise 1,5 Mrd. Euro habe – verteilt auf fünf bis sechs Jahre und auf etwa eine Handvoll Anbieter. Es sei ein „schönes Geschäft“, so Koch, der versprach, Prysmian werde „mitmischen“. Er ließ aber auch durchblicken, dass das Unternehmen keineswegs darauf angewiesen sei. Ohnehin sei der Erdverkabelungsgrad im Vergleich zu den Freileitungen sehr gering und stelle auch die Produktionskapazitäten vor keine großen Herausforderungen. Neben der HGÜ-Technologie sind auch recycelbare Kabel und die Messung von Teilentladungen, also die Prüfung der Dichtigkeit eines Kabels, Themen des Ausstellers.

Unter den Forschungsprojekten, die einen prominenten Stellenwert bei der Hannover Messe einnehmen werden, sind die Kopernikus-Projekte, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung initiiert wurden. Sie heißen: Neue Netzstrukturen, Industrieprozesse, Systemintegration und Power-to-X. Letzteres spielt gerade bei der Sektorkopplung eine entscheidende Rolle, wenn etwa durch regenerativ erzeugte Energie in andere Energieträger umgewandelt wird. Dies ist ein Weg, um den Horizont der Energiewende zu erweitern und auch andere Sektoren als den Stromsektor einzubeziehen.

Speicherkapazitäten werden dafür in Zukunft unverzichtbar sein. Daran lässt auch Prof. Veit Hagenmeyer vom Institut für angewandte Informatik am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) keinen Zweifel. Allerdings sieht er die Power-to-Gas oder Power-to-X derzeit nicht als Technologien mit wirtschaftlicher Rückverstromungsoption. Dazu sei der Wirkungsgrad einfach zu gering. Alf Henryk Wulf, Vorstandsvorsitzender der GE Power AG, pflichtet ihm bei. Um die Residuallast aufzufangen, wenn die Erneuerbaren nicht die gesamte Nachfrage decken können, sind seiner Meinung nach trotz aller Vernetzung, Integration und Digitalisierung jedoch konventionelle Erzeugungskapazitäten in Form von Gaskraftwerken noch unverzichtbar. Damit schließt er sich der Auffassung der Übertragungsnetzbetreiber an, die sich Mitte Februar in einem gemeinsamen Bericht für die Errichtung eigener Netzstabilitätsanlagen aussprachen.
 

Fritz Wilhelm
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Dienstag, 28.02.2017, 08:56 Uhr

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