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Enerige & Management > Klimaschutz - McKinsey Energiewende-Index warnt vor Zielverfehlungen
Quelle: Shutterstock/Lightspring
KLIMASCHUTZ:
McKinsey Energiewende-Index warnt vor Zielverfehlungen
Der deutsche Klimaschutzerfolg von 2020 resultiert laut McKinsey aus dem Covid-Lockdown. Mit dem Wiederanlaufen der Wirtschaft könnten in sechs Bereichen die Klimaziele verfehlt werden.
 
2020 gab es in Deutschland weniger CO2-Emissionen und einen geringeren Primär- und Endenergieverbrauch, stellt das Beratungsunternehmen McKinsey fest. Allerdings war dieser Erfolg auf den Lockdown wegen der Corona-Pandemie zurückzuführen. Dementsprechend sind in diesem Jahr nur noch zehn von 15 Indikatoren im Klimaschutz realistisch zu erreichen. Sechs Indikatoren stehen auf der Kippe, schreibt McKinsey im aktuellen Energiewende-Index 2030.

Für fünf Indikatoren gelte, dass die Zielerreichung unrealistisch ist. McKinsey-Senior Partner Thomas Vahlenkamp erläuterte: „Vieles deutet darauf hin, dass die für die Energiewende positiven Rekordergebnisse aus dem Jahr 2020 mit der Wiederbelebung der Wirtschaft nach dem Ende der Schutzmaßnahmen wieder passe sein werden.“

Wasserstoffkarte zeigt Bedarfscluster

Immer wichtiger beim Erreichen der Klimaziele werde das Thema Wasserstoff. Der alternative Energieträger könne den Anteil erneuerbarer Energien am Bruttoendenergieverbrauch steigern, während die Nutzung der bestehenden Gasinfrastruktur zum einen das Stromnetz entlasten und zum anderen bei der Sektorkopplung als wichtiger Katalysator dienen könne. Das Unternehmen erstellte eine Karte, die den Wasserstoffbedarf bis 2050 in Deutschland übersichtlich macht.
 
Wasserstofflandkarte für Deutschland 2050. Zum Vergrößern bitte auf die Grafik klicken
Quelle: McKinsey

Vor allem der Industriesektor – allen voran Stahlproduktion und chemische Industrie – könnte auf das klimaneutrale Gas setzen. Für das Jahr 2050 ergibt die Analyse für Deutschland insgesamt fünf Gebiets-Cluster mit jeweils unterschiedlichen Bedarfsprofilen. Im progressiven 1,5-Grad-Celsius-Szenario weist die Wasserstoffkarte als größten potenziellen Cluster mit rund 3,5 Mio. Tonnen Bedarf die dicht besiedelte Industrieregion Rhein-Ruhr aus. Hier arbeiten heute noch die CO2-intensive Stahl- und Ammoniakproduktion sowie Stromerzeugung und Gebäudeheizung als wichtigsten Treibern der Nachfrage.

Auf Platz zwei folgt das Gebiet Rhein-Main-Neckar (mit 3 Mio. Tonnen Wasserstoff) mit Ludwigshafen als Standort der Chemieindustrie und dem Frankfurter Flughafen als Luftverkehrszentrum. Jeweils 2 Mio. Tonnen Wasserstoff werden außerdem in den Clustern Nordwest- und Mitteldeutschland erwartet und weitere 1,5 Mio. Tonnen Wasserstoff in der Region Oberbayern. Außerhalb der fünf Gebiets-Cluster ergibt sich ein Bedarf von 2,6 Mio. Tonnen, vor allem für Wärme- und Transportanwendungen.

Die Gewinner und Verlierer im Index

Im Energiewende-Index vom September 2021 erscheinen vier Indikatoren sicher erreichbar: der Anteil erneuerbarer Energie am Bruttostromverbrauch (43 %), die Gesamtenergiekosten der Haushalte (9,8 %), die verfügbare Kapazität für Import aus Nachbarländern (27,3 %) sowie die Versorgungssicherheit mit weniger als 12,2 Minuten Stromausfall pro Jahr. Sechs der momentan noch als realistisch eingestuften Indikatoren stehen mittelfristig auf der Kippe. Der CO2e-Ausstoß sank um rund 70 Mio. Tonnen – eine Verbesserung von 8,7 % gegenüber dem Vorjahr.

Durch die jüngst beschlossene Anhebung des Emissionsziels auf -65 % wird der Reduktionspfad bis 2030 noch steiler: Von nun an müssen pro Jahr 30 Mio. Tonnen CO2 eingespart werden. Dies werde zusätzliche einschneidende Maßnahmen erfordern, denn in den vergangenen zehn Jahren gingen die Emissionen im Schnitt lediglich um 20 Mio. Tonnen zurück, warnt McKinsey. Auch der Primärenergieverbrauch sinkt nicht genügend ab. Der erneuerbare Anteil am Bruttoendenergieverbrauch stieg von 17 % (2019) auf knapp 20 % (2020) an, was in diesem Jahr durch wenig Wind gefährdet ist.

Verfehlte Zielmarken in Wärme, Verkehr und Strompreisen

Bei der Sektorkopplung Wärme kommt Deutschland kaum voran, resümiert der Bericht. Bleibe es beim bisherigen Tempo, werde Deutschland voraussichtlich schon ab kommendem Jahr hinter den geplanten Ausbaupfad zurückfallen. In den kommenden Jahren werde die gesicherte Kapazität der Stromerzeugung aufgrund des geplanten Kohle- und Atomausstieges sukzessive schrumpfen.

Zu den fünf Indikatoren mit unrealistischer Zielerreichung zählt der Verkehr, wo trotz gestiegener Zahl von Elektroautos der erneuerbare Anteil mit 7,3 % um die Hälfte geringer ist als geplant. Auch die Kosten für Netzeingriffe verfehlen mit aktuell 7,60 Euro pro MWh erneut das Ziel von 1 Euro pro MWh. Leichte Fortschritte vermeldet der Ausbau der Transportnetze, bleibt aber trotz 1.697 fertiggestellten Kilometern weit unter dem Jahreszielwert von rund 4.000 Kilometern. Auch der deutsche Haushaltsstrompreis und der Industriestrompreis sind noch immer zu hoch, kritisiert McKinsey abschließend.

Ein detaillierter Überblick über den Index   steht im Internet bereit.
 

Susanne Harmsen
Redakteurin
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Donnerstag, 02.09.2021, 16:58 Uhr

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