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Enerige & Management > Gas - LNG aus dem Senegal schon 2023?
Quelle: Fotolia / Dmitry Naumov
GAS:
LNG aus dem Senegal schon 2023?
Das westafrikanische Land will früher als alle anderen Flüssigerdgas an Deutschland liefern. Sagen zwei Stadtwerke-Chefs, die dort waren. Wer bezahlt solche Reisen?
 
Der Senegal beabsichtigt, bereits Ende 2023 LNG-Lieferungen nach Deutschland aufzunehmen. Das sagte der Generaldirektor der dortigen staatlichen Öl- und Gasgesellschaft Petrosen, Adamo Diallo, den Chefs der fränkischen Stadtwerke Schwabach und Roth bei deren kurzfristig organisiertem Treffen mit Diallo in der Hauptstadt Dakar vergangene Woche. Das geht aus einer Mitteilung der Stadtwerke Schwabach vom 30. Mai und Antworten auf Rückfragen dieser Redaktion hervor.

Ende 2023 − das wäre deutlich vor dem ersten LNG für Deutschland aus Katar, das erst für frühestens 2026, dann für 2024 in Aussicht gestellt wurde. 

Werkleiter Gerhard Brunner aus Roth und Winfried Klinger, Geschäftsführer der Stadtwerke Schwabach, waren vergangene Woche als Teil einer Delegation der beiden Kreisstädte im Senegal. Gegenstand war ursprünglich, Projekte der Entwicklungszusammenarbeit in der 14.000-Einwohner-Stadt Gossas 150 km östlich von Dakar zu bewerten und zu erweitern. Die 41.000-Einwohner-Kreisstadt Schwabach lebt seit Jahrzehnten eine Patenschaft mit Gossas, inklusive Besuchen und Gegenbesuchen.

Die Projekte verbessern die dortige Infrastruktur bei Bildung, Gesundheit, Lebensmittel-, Wasser- und Energieversorgung. Zwei mit Spenden errichtete Photovoltaik-Anlagen sind mittlerweile defekt. Senegalesische Delegationen schauten sich umgekehrt in Franken die Wasserversorgung, das Recyclingsystem und die Straßenreinigung an.

Die deutschen Partner "prüfen" jetzt den Bau weiterer Solaranlagen, nicht zuletzt, um das Nachbardorf Diaby Kondel erstmals mit Strom zu versorgen. Der Senegal will den Anteil der Erneuerbaren am Strommix auf 30 % steigern und setzt auch auf Batterien, um den Solarstrom stabil und auch nachts nutzen zu können. 

Adamo Diallo ist in Personalunion Gossas' Bürgermeister. Er ist in der senegalesischen Energiepolitik gut vernetzt: Bis April war er Generalsekretär im Energieministerium, bevor er Generaldirektor bei Petrosen wurde. Das energiepolitische Gespräch mit ihm in Dakar in der Petrosen-Zentrale sei spontan zustandegekommen, hieß es aus Schwabach. Hierzu hätten die Stadtwerkechefs ihre mehrköpfige kommunale Delegation verlassen. Brunner und Klinger warben bei Diallo um LNG, um sich von russischen Gaslieferungen künftig unabhängig zu machen.

Senegalesischer Öl- und Gasmanager in Berlin

Freilich hätten die deutschen Manager nie die Absicht gehabt, einen eventuellen Importvertrag auch nur zu beeinflussen, hieß es auf Anfrage weiter. Sie stellen sich vielmehr hinter entsprechende Bemühungen der Bundesregierung. Direkt nach dem Gespräch sei Diallo zu Gesprächen in Berlin hierüber aufgebrochen, so die Mitteilung.
 
Gerhard Brunner, Werkleiter der Stadtwerke Roth (links) und Winfried Klinger, Geschäftsführer der Stadtwerke Schwabach, haben am 27. Mai 2022 mit Adamo Diallo, Generaldirektor der senegalesischen Petrosen, gesprochen
Quelle: Stadtwerke Schwabach / oh

In dem Gespräch warb Diallo um Fachkräfte aus Deutschland für den Umbau der Energieversorgung im Senegal auf einen Mix aus Sonnenkraft und Gas. Die Deutschen sicherten eine Prüfung zu. Der Schwerpunkt des Austauschs läge dann nach Einschätzung der Spitzenkräfte in den Querverbund-Unternehmen in der Solarstrom-Erzeugung und in der Wasserversorgung.

Kanzler Olaf Scholz (SPD) hatte ein paar Tage früher in Dakar das gemeinsame Interesse mit dem Senegal an der Ausbeutung bedeutender Offshore-Gasvorkommen und dem Bau eines LNG-Verschiffungsterminals in Dakar ausgelotet (wir berichteten). Beides sind Infrastruktur-Voraussetzungen für die Lieferung von senegalesischem LNG nach Deutschland.

Begleitet worden war Scholz am 23. Mai von den
  • Chefs des Windprojektierers PNE, des Maschinenbauers Voith, des Logistikers Rhenus und von Gauff Engineering
  • sowie von den Präsidenten der Wirtschaftsverbände BDI und DIHK, Siegfried Rußwurm und Peter Adrian,
  • der Vorstandssprecherin der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit, Tanja Gönner,
  • und von KfW-Vorständin Christiane Laibach, teilte das Kanzleramt auf Nachfrage mit.
Die Wirtschaftsdelegation muss alle Flug-, Impf- und Hotelkosten selbst tragen, teilt das Kanzleramt auf Anfrage mit. Die Mitbenutzung der Flugbereitschaft werde anteilig berechnet. Bei den Flügen von Berlin nach Dakar und zurück waren das demnach etwa 1.500 Euro. Die Reise der Kommunaldelegation fand einige Tage später unabhängig davon statt.

Wer die kommunale Reise zahlte

Die Reise der Kommunalpolitiker wurde aus dem Topf "Engagement global" des Entwicklungsministeriums (BMZ) bezahlt. Die beiden Stadtwerkechefs zahlten ihre Reisekosten privat, hieß es auf Nachfrage.
 

Georg Eble
Redakteur
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Dienstag, 31.05.2022, 10:59 Uhr

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