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Enerige & Management > Geothermie - Lithiumdreieck im Oberrheingraben entdeckt
Ein Blick ins Innenleben der Geothermieanlage Bruchsal, Quelle: EnBW / Thomas Klink
GEOTHERMIE:
Lithiumdreieck im Oberrheingraben entdeckt
Rund ein Jahr nach seinem Start kann das Projekt „UnLimited“ vielversprechende Ergebnisse präsentieren. Die Suche nach Lithium im Oberrheingraben scheint vielversprechend.
 
Ein Verbundprojekt mit dem Namen „UnLimited“ will an der Geothermieanlage Bruchsal (Baden-Württemberg) klären, ob eine Gewinnung des begehrten Rohstoffes aus Geothermiequellen möglich und wirtschaftlich sinnvoll sein könnte. Gleichzeitig evaluiert das Projektteam auch die Lithiumvorkommen in der gesamten Region des Oberrheingrabens.

Vor allem für die Batterien in Elektrofahrzeugen wird Lithium benötigt. Deutschland deckt seinen Bedarf an Lithium bislang über Importe, doch die Nachfrage steigt stetig, da Lithium-Ionen-Batterien auch für mobile und tragbare Anwendungen sehr gefragt sind.

Hinter Unlimited stehen die EnBW als Kooperationsführer gemeinsam mit dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und den Partnern Bestec (Projektierer), Hydrosion (Beratungsgesellschaft) sowie der Universität Göttingen. Das Bundeswirtschaftsministerium hatte im Dezember 2020 grünes Licht für eine Förderung in Höhe von 2,7 Mio. Euro gegeben. Die geschätzten Projektkosten liegen bei 3,4 Mio. Euro.

Erste Ergebnisse aus der Abschätzung und Bewertung geothermaler Lithiumvorkommen im Oberrheingraben zeigen nun signifikante Lithiumgehalte von bis zu 200 mg/L in den tiefen geothermischen Solen von Strasbourg bis Mannheim, teilte am 23. Dezember die Beratergesellschaft Hydrosion mit. Besonders die geothermischen Standorte in Landau, Bruchsal und Soultz-sous-Forets deuten auf eine nachhaltige Lithiumquelle im tiefen Untergrund hin. Konstante Lithiumgehalte im Tiefenwasser in mehr als zehn Jahren Anlagenbetrieb verdeutlichen die Potenziale. Daraus ergibt sich ein sogenanntes „nachhaltiges geothermisches Lithiumdreieck“ im Oberrheingraben. Auch die Geothermiestandorte Insheim und Rittershoffen sind Teil dieses Bereichs.

Lithiumproduktion für 24.000 Batterien jährlich denkbar

Somit ist der Oberrheingraben in Mitteleuropa bisher die einzige Region, in welcher nachhaltige Lithiumvorkommen in geothermischen Tiefenwässern nachgewiesen sind. Ausgehend von einer durchschnittlichen Lithiumkonzentration von 160 mg/L hat ein einzelnes Projekt eine geschätzte jährliche Produktionskapazität von crund 1.000 Tonnen Lithiumkarbonat. Das entspricht rund 24.000 Batterien (60 kWh) für Elektroautos.

In der Geothermieanlage Bruchsal, welche die EnBW gemeinsam mit den Stadtwerken Bruchsal seit 2010 betreibt, wird Tiefenwasser für Wärme und Strom gefördert und nach der thermischen Nutzung wieder in das Reservoir zurückgepumpt. Mit dem Wasserdurchsatz werden dabei rund 800 Tonnen Lithiumchlorid pro Betriebsjahr ungenutzt gefördert und zurückgeführt.

Der Oberrheingraben werde zwar nicht die bundesweit benötigte Menge liefern, doch diese heimische Produktion eröffne „Alternativen für Lieferketten und reduzierte Umwelteinwirkung“, sagte Professor Jochen Kolb, Leiter der Abteilung Geochemie und Lagerstättenkunde am Institut für Angewandte Geowissenschaften des KIT, beim Projektstart im vergangenen Jahr. „Wir nutzen den Rohstoff Geothermalwasser effizienter“, sagt Kolb, „und das hat den Nebeneffekt, dass es auch einen ökonomischen Booster für die Geothermie geben könnte.“

Das Projekt Unlimited (Untersuchungen zur Lithiumproduktion aus heißen Tiefenwässern in Deutschland) hat das Ziel, die notwendigen technischen und wirtschaftlichen Grundlagen für eine Lithiumproduktion aus heißem Tiefenwasser in Deutschland zu entwickeln. Die Projektwebseite ist über die Adresse geothermal-lithium.org   zu finden.
 

Heidi Roider
Redakteurin und Chefin vom Dienst
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