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Enerige & Management > Bilanz - Lichtblick auf der Erfolgsspur
Bild: Fotolia.com, Rynio Productions
BILANZ:
Lichtblick auf der Erfolgsspur
Der Hamburger Ökostromanbieter legt für 2020 die besten Geschäftszahlen in der Unternehmensgeschichte hin - die Gründung datiert immerhin aus dem Jahr 1998.
 
Die Geschäfte laufen gut bei der Lichtblick SE, und wie. Nach eigenen Angaben hat der Ökostromanbieter mit Sitz in Hamburg-St. Pauli 2020 das beste Ergebnis in der Unternehmensgeschichte seit der Gründung Ende 1998 erwirtschaftet. Bei einem Umsatz von etwa 1,1 Mrd. Euro blieb unter dem Strich ein operatives Ergebnis (Ebitda) von rund 50 Mio. Euro.

Der Ökostromabsatz stieg um gleich 80 Prozent auf 4,5 Mrd. kWh, bei Gas reichte es mit 1,6 Mrd. kWh für das Vorjahresniveau. Alles Zahlen, für die es keinen Anlass gibt, sie zu verstecken: Lichtblick hatte zum ersten Mal überhaupt zu einer Bilanzpressekonferenz eingeladen. „Das wird der gewachsenen Bedeutung unseres Unternehmens gerecht“, betonte Vertriebsvorstand Constantin Eis.

Mit gut einer Million Kunden sieht sich Lichtblick mittlerweile als Nummer fünf unter allen Stromanbieter hierzulande. „Wir sind ein David unter den Goliaths“, scherzte Eis. Nach Lichtblick-Analysen versorgen nur Eon, EnBW, Vattenfall und EnBW mehr Haushalts- und Gewerbekunden. Diese Reihenfolge sei aber nicht in Stein gemeißelt. „Wenn wir ganz kühn sind und über einen sehr langfristigen Zeitraum denken, halte ich auch Platz drei für möglich“, so Eis.

Lichtblick hat 2020 erstaunlich zugelegt. Bei der letztjährigen E&M-Ökostromumfrage mit den Vertriebszahlen bis Ende 2019 hatte Lichtblick 480.000 Privat- und 58.000 Gewerbekunden gemeldet. Zum Sprung über die Millionen-Schallmauer bei den Kundenverträgen hat die Übernahme von Eons 260.000 deutschen Heizstromkunden erheblich beigetragen. Dass der Essener Energiekonzern sich von diesem Kundensegment trennen musste, gehörte zu den Auflagen der EU-Kommission für die Genehmigung des Eon-Innogy-Deals im Herbst 2019. Unabhängig von diesen Heizstromkunden muss Lichtblick anscheinend beim „normalen“ Geschäft enorm gepunktet haben.

Punkten will Lichtblick künftig auch mit eigenen Erzeugungsanlagen – eine Ankündigung, die die im vergangenen Frühjahr neuformierte Geschäftsführung bereits wenige Wochen nach ihrer „Amtseinführung“ gemacht hatte. Nach Worten von Enno Wolf, in der Führungsriege verantwortlich für den Bereich Energiewirtschaft und neue Produkte, gibt es derzeit „eine Projektpipeline von über 250 MW für potenzielle solare Freiflächenanlagen in Deutschland“. Bis Mitte dieser Dekade will Lichtblick 15-20 % des Stromabsatzes aus eigenen Anlagen gewinnen – und das bei weiter steigenden Absatz- und Kundenzahlen.

Ausbauen will Lichtblick auch das Geschäft mit den Power Purchase Agreements. Nach eigenen Angaben bezieht das Ökostromunternehmen ab kommenden Jahr Strom aus acht deutschen Solarparks mit einer Leistung von 43 MW. Eine entsprechende Vereinbarung hat Eneco, zu 100 % Gesellschafter von Lichtblick, mit dem Enerparc-Tochterunternehmen Sunnic Lighthouse abgeschlossen. Was sich räumlich anbietet: Die Büros von Lichtblick und Sunnic liegen in der gleichen Straße. Bei den ersten PPA-Abschlüssen wird es nach Aussage von Geschäftsführer Wolf nicht bleiben: „Da kommt noch mehr.“

Die vollständige Übernahme durch Eneco beziehungsweise dessen Kauf durch den japanischen Konzern Mitsubishi Heavy Industrie hat Lichtblick Sympathien in der Umweltszene gekostet. So empfiehlt Robin Wood seit längeren schon nicht mehr wechselwilligen Kunden Lichtblick als Ökostromanbieter: „Das tut uns schon weh“, sagte Geschäftsführer Eis. Er setze darauf, dass das Erzeugungsportfolio von Eneco in den nächsten Jahren ergrünen werde.
 

Ralf Köpke
© 2021 Energie & Management GmbH
Montag, 19.04.2021, 16:56 Uhr

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