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Enerige & Management > Interview - Leoncini: "Zusammen sind wir gut aufgestellt"
Bild: Fotolia.com, iQoncept
INTERVIEW:
Leoncini: "Zusammen sind wir gut aufgestellt"
Gut ein Jahr nach der Übernahme der Clean Energy Sourcing AG zieht Fabio Leoncini, Chef der italienischen Innowatio-Gruppe, ein zufriedenstellendes Zwischenfazit.
 
E&M: Herr Leoncini, vor gut einem Jahr haben Sie mit Ihrer Innowatio-Gruppe die Clean Energy Sourcing AG (Clens) vollständig übernommen. Sind in den zurückliegenden zwölf Monaten Ihre beim Kauf gehegten Erwartungen erfüllt worden?

Leoncini: Auch wenn es durchaus euphorisch klingt, glauben Sie mir: Ich bin wirklich froh, wie reibungslos insgesamt der Integrationsprozess beider Unternehmen bislang gelaufen ist. In der Energiewirtschaft kenne ich genügend Beispiele, wie Übernahmen an der Sprache, an den Mitarbeitern, der unterschiedlichen Unternehmenskultur oder dem fehlenden Verständnis, gemeinsam an einem Strang zu ziehen, gescheitert sind.

E&M: Was bei Innowatio und Clens nicht der Fall gewesen ist, heißt der Umkehrschluss?

Leoncini: Wir haben in den vergangenen Monaten sicherlich auch unsere Aufs und Abs gehabt. Dennoch habe ich von Anfang an auf beiden Seiten einen großen Willen gespürt, etwas Gemeinsames auf die Beine zu stellen. Wir sind meines Erachtens zusammen auch gut aufgestellt für den härter werdenden Wettbewerb und die Anforderungen der Energiewende: Innowatio bringt ein breites Know-how als Effizienzdienstleister mit und ist in der Lage, dezentrale Assets mitzufinanzieren. Clens gehört zu den Marktführern bei der Grünstrombelieferung und –vermarktung auf dem deutschen Markt, dem größten und wettbewerbsintensivsten in Europa. In der Kombination bieten wir jetzt unseren Kunden Effizienz, Flexibilität, Digitalisierung und grünes Portfoliomanagement unter einem Dach an. Das ist für mich eine Kombination, die ich für zukunftsfähig halte – gerade auf dem deutschen Energiemarkt, der sich in einem strukturellen Umbruch befindet.

E&M: Wie lange wird der angesprochene Integrationsprozess noch dauern?

 
Fabio Leoncini:
Bild: Clean Energy Sourcing AG

Leoncini: Dafür haben wir uns kein festes Datum gesetzt, aber der Prozess läuft in die Richtung, die wir uns vorstellen. Der Austausch zwischen Frankfurt, Leipzig und Bergamo, dem Hauptsitz der Firmengruppe, klappt immer besser. Ich denke, dass wir künftig aber noch europäischer denken müssen. Das hilft uns auch bei der Suche nach neuen Märkten, auf denen wir tätig werden können. Unabhängig davon wollen wir die Kerngeschäfte auf unseren angestammten Märkten stabilisieren und ausbauen.

"Wir setzen voll auf die Digitalisierung"

E&M: Was heißt das konkret für Clens? Das Unternehmen gehört in Deutschland zu den Pionieren bei der Grünstromlieferung für Gewerbe- und Industriekunden sowie bei der Direktvermarktung – ein Geschäft, bei dem es zuletzt Federn hat lassen müssen.

Leoncini: In der Tat zählt Clens zu den erfolgreichen Pionieren der deutschen Energiewende, was für uns mit ein Grund für die Übernahme gewesen ist. Das Unternehmen wird auf jeden Fall seine bisherigen Aktivitäten fortsetzen, als Gruppe werden wir uns künftig aber noch stärker auf die Nutzbarmachung und die untertägige Vermarktung von Erzeugungs- und Verbrauchsflexibilität konzentrieren. Mit Blick auf unser Direktvermarktungsportfolio ist es mir wichtig zu betonen, dass es uns hierbei nicht auf die reine Megawattgröße ankommt. Das Portfolio muss sich für uns rechnen. Insofern ist es wichtig, dass wir unsere Kunden stärker an uns binden, und zwar mit neuen Mehrwerten. Dabei denke ich an die Optimierung und einen verstärkten flexiblen Einsatz der Anlagen, sei es im Wind- oder im Biomassebereich. Auch müssen wir viel mehr gemeinsam mit den Kunden die Daten nutzen, die beim Betrieb der Anlagen entstehen. Um all die Serviceleistungen anzubieten, die uns vorschweben, setzen wir voll auf die Digitalisierung.

E&M: Auch mit der Digitalisierung wird sich an den niedrigen Margen im Stromvertrieb und bei der Direktvermarktung vorerst nichts ändern. Womit soll Clens künftig wirklich Geld verdienen?

Leoncini: Clens ist nun in der Lage als Koinvestor beim Bau neuer Blockheizkraftwerke aufzutreten. Das kann beispielsweise bei Gewerbekunden der Fall sein oder bei Biogasanlagen, bei denen eine Erneuerung oder Erweiterung der Anlagenflexibilität ansteht. Wir erweitern so unsere Spielräume und gleichzeitig den unserer Kunden. Außerdem setzen wir auch auf den Geschäftsbereich Data-Driven-Services, der vor allem für Einzelhandelsketten und Gewerbebetriebe gedacht ist und mit dem wir in Italien bereits erfolgreich auf dem Markt sind. Mithilfe webbasierter Echtzeit-Analysen des Stromverbrauchs sowie eines dynamischen Energiemanagements, das automatisch auf aktuelle Markttrends und Preisentwicklungen reagiert, wollen wir die Energiekosten der Kunden optimieren. Dabei werden wir nicht nur den Stromverbrauch senken, sondern auch für die Einhaltung zuvor definierter Parameter wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit, CO2-Level und Helligkeit sorgen. Es sind solche Kombinationen, mit denen wir uns vom Wettbewerb unterscheiden wollen.
 

Ralf Köpke
© 2019 Energie & Management GmbH
Dienstag, 14.03.2017, 11:31 Uhr

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