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Enerige & Management > Photovoltaik - Lechwerke testen Agri-PV-Anlagen
Bild: Jonas Rosenberger
PHOTOVOLTAIK:
Lechwerke testen Agri-PV-Anlagen
Wie Photovoltaik und Landwirtschaft auf der gleichen Fläche funktionieren können, erproben die Lechwerke mit zwei Testanlagen in Biessenhofen und Gersthofen im Unterallgäu.
 
In einem Pilotprojekt im Unterallgäu testen die Lechwerke (LEW), wie sich Solarstromerzeugung und landwirtschaftliche Nutzung kombinieren lassen. Die sogenannte Agri-Photovoltaik (Agri-PV) kann von landwirtschaftlich genutzten Flächen zusätzlich grünen Strom gewinnen. In Biessenhofen und Gersthofen laufen zwei kleine Testanlagen mit 3 und 6 kWp mit senkrecht installierten Modulen, die Platz für die landwirtschaftliche Geräte lassen.

Die Module stehen zudem streifenförmig auf den Flächen und sind bifazial, das heißt, sowohl Vorder- als auch Rückseite können den Lichteinfall in Stromumwandeln. LEW hat die Testanlagen jeweils neben bestehenden Solarparks gebaut. Die erzeugten Strommengen aus den verschiedenen Anlagetypen seien damit gut vergleichbar. Auf der Grundlage der gewonnenen Daten soll später ein größeres Agri-PV-Projekt des bayrischen Regionalversorgers im Unterallgäu umgesetzt werden.

Effizientere Flächennutzung

Für Agri-PV gibt es unterschiedliche Konzepte. So werden manche Module senkrecht oder mehrere Meter über dem Boden angebracht. Landwirtschaftliche Maschinen wie Traktoren oder Mähdrescher können so unter oder zwischen den Modulen fahren. Bei senkrechten Agri-PV-Modulen, wie sie bei den LEW-Testanlagen zum Einsatz kommen, bleiben die etwa einen Meter breiten Wiesenstreifen unter den Modulen unbewirtschaftet. Sie können so als Blühfläche angelegt werden und ökologische Mikrolebensräume schaffen.

„Mit den Testanlagen möchten wir Erkenntnisse zur Stromerzeugung von solchen Anlagen gewinnen. Insbesondere, wie viel Strom die Agri-PV-Module im direkten Vergleich zu herkömmlichen Modulen liefern können und das im Tages- und Jahresverlauf“, erläutert LEW-Projektleiterin Sigrid del Rio. „Es gibt zwar bereits einzelne Projekte von senkrechten Agri-PV-Anlagen, doch leider kaum Erkenntnisse zur Vergleichbarkeit mit südausgerichteten PV-Anlagen.“ 
Die in den Testanlagen gewählte senkrechte Ausrichtung der Module habe voraussichtlich auch Vorteile für die Stromerzeugung. Durch die bifazialen Module in einer Ost-West-Ausrichtung haben die Anlagen zwei Leistungshöhepunkte, die nicht wie üblich mittags liegen, sondern in den Morgen- und Abendstunden. Damit lieferten die Anlagen insbesondere zu den Zeiten Strom, in denen klassische PV-Freiflächen in Südausrichtung weniger produzieren.
 
Agri-PV-Testanlage Biessenhofen mit einer Leistung von 3 kWp in Ost-West-Ausrichtung, im Hintergrund der bestehende Solarpark
Bild: Lechwerke

Größeres Pilotprojekt im Unterallgäu geplant

LEW plant auf der Datengrundlage der Testanlagen in Biessenhofen und Gersthofen ein größeres Pilotprojekt in Zusammenarbeit mit dem Landkreis Unterallgäu und dem Beratungsnetzwerk „Land Schafft Energie“ in Straubing. Interessierte Kommunen konnten sich bis Mitte März beim Landratsamt Unterallgäu bewerben. Die Projektpartner prüften derzeit, welche Fläche am besten passt und werden das Projekt anschließend weiter konkretisieren.

Das Pilotprojekt soll wissenschaftlich begleitet werden. Untersucht werden sollen unter anderem die Einsatzfähigkeit landwirtschaftlicher Maschinen, die landwirtschaftliche Ertragsfähigkeit der Fläche und die mikroklimatische Beeinflussung der Agri-PV-Anlage auf die Fläche. Bevor Agri-PV flächendeckend verwendet werden kann, brauche es noch entsprechende gesetzliche Rahmenbedingungen.

Gesetzlichen Rahmen für Agri-PV präzisieren

So bestehe beispielsweise noch Handlungsbedarf bei den Innovationsausschreibungen für diese Anlagen, die der Gesetzgeber im neuen Erneuerbare-Energien-Gesetz für 2022 angekündigt hat. Aktuell kämen dafür nur Anlagen auf Ackerflächen infrage. Agri-PV-Anlagen auf anderen landwirtschaftlichen Flächen wie Wiesen oder Sonderkulturen wären ausgeschlossen, bedauert die LEW.

Außerdem stünde Agri-PV bei den Ausschreibungen im Preiswettbewerb mit anderen neuen PV-Technologien. Diese müssten also miteinander konkurrieren, obwohl jede Technologie unterschiedliche Gestehungskosten und jeweils ein eigenes, spezifisches Anwendungsgebiet hat. Die Details zu den Innovationsausschreibungen sollen bis Herbst dieses Jahres feststehen.
 

Susanne Harmsen
Redakteurin
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Donnerstag, 15.04.2021, 13:22 Uhr

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