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Enerige & Management > Kernkraft - Laufzeitverlängerung aufwendig und nicht hilfreich
Quelle: Shutterstock / hxdyl
KERNKRAFT:
Laufzeitverlängerung aufwendig und nicht hilfreich
Die Bundesministerien für Umwelt und Wirtschaft legten ihre Prüfungsergebnisse zur Laufzeitverlängerung von Kernkraftwerken vor. Anlass der Debatte war der Krieg in der Ukraine.
 
Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV) und das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) haben einen Prüfvermerk zur Debatte um die Laufzeiten von Atomkraftwerken vorgelegt. Zuvor hatten Politiker wie Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) eine mehrjährige Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken gefordert. Dies sei nötig, um Energiexporte aus Russland abzulösen.
 
Beide Ministerien kommen zu dem Ergebnis, dass eine Verlängerung der Laufzeiten nur einen sehr begrenzten Beitrag zur Lösung des Problems leisten könnte, und dies bei sehr hohen wirtschaftlichen Kosten sowie verfassungsrechtlichen und sicherheitstechnischen Risiken. Die Ministerien hatten geprüft, ob und inwiefern eine Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken angesichts des völkerrechtswidrigen Angriffskriegs Russlands auf die Ukraine und der aktuell hohen Importabhängigkeit von Russland zur Energiesicherheit beiträgt.

Kernkraftbetreiber sehen hohe Hürden

Auch die Betreiber der Kernkraftwerke sehen eine Laufzeitverlängerung kritisch. Eine Sprecherin der Eon-Tochterfirma Preussen Elektra wies darauf hin, dass die Lieferung neuer Brennstäbe „erst in gut 1,5 Jahren“ möglich sei. Zudem müssten sich die Konzerne dann wohl neue Uran-Lieferanten suchen, weil „das Uran aus Kasachstan und Russland sowie in geringen Mengen aus Kanada bezogen“ wurde. Auch die genehmigungsrechtlichen und technischen Hürden für eine Verlängerung wären sehr hoch, sagte die Sprecherin.

Im Ergebnis einer Abwägung von Nutzen und Risiken sei laut Prüfung eine Laufzeitverlängerung der drei noch bestehenden Atomkraftwerke auch angesichts der aktuellen Gaskrise nicht zu empfehlen. Vielmehr müsse es jetzt darum gehen, die Energieversorgung auf robustere Säulen zu stellen und die Importabhängigkeit von Russland konsequent zu reduzieren und den Ausbau erneuerbarer Energien voranzutreiben. Die Bundesregierung treffe bereits seit Wochen intensive Vorkehrungen, damit die Gasspeicher gefüllt und Reserven an Kohle angelegt werden, so die Ministerien.

Osterpaket mit Strategie zur Energiesicherheit

Auch die Energieversorgungsunternehmen sorgten vor und diversifizierten die Importe. Mit den schon ergriffenen Maßnahmen habe Deutschland Vorsorge getroffen, so die Erklärung von BMWK und BMUV. Der Ausbau der erneuerbaren Energieversorgung werde in Kürze mit dem „Osterpaket“ beschleunigt und eine Strategie zur Energiesicherheit vorgelegt, kündigte das Wirtschaftsministerium an. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hatte schon zuvor festgestellt, dass Kernkraftwerke Strom erzeugen, der keine Gasimporte für Industrie und Heizung ersetzen könne.

Die letzten drei Kernkraftwerke in Deutschland sollen Ende des Jahres vom Netz gehen. Aktuell sind in Deutschland noch die Atomkraftwerke Isar 2, Emsland und Neckarwestheim 2 in Betrieb mit insgesamt 4.300 MW Leistung (brutto). Zuletzt wurden am 31.12.2021 die Atomkraftwerke Brokdorf, Grohnde und Gundremmingen C abgeschaltet, mit insgesamt gut 4.200 MW Leistung (brutto).

Der Prüfvermerk des BMUV und des BMWK   steht im Internet bereit.
 

Susanne Harmsen
Redakteurin
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Dienstag, 08.03.2022, 14:42 Uhr

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