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Enerige & Management > Wirtschaft - Krieg in Europa belastet deutsches Wirtschaftswachstum
Quelle: Shutterstock / katjen
WIRTSCHAFT:
Krieg in Europa belastet deutsches Wirtschaftswachstum
Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hat am 27. April eine deutlich reduzierte Erwartung an das Wirtschaftswachstum in der Frühjahrsprojektion der Bundesregierung vorgelegt.
 
Die deutsche Volkswirtschaft wird voraussichtlich im Jahr 2022 nur noch um 2,2 % wachsen, zuvor waren 2,5 % prognostiziert worden. Das sagte Bundeswirtschafts- und Klimaschutzminister Robert Habeck (Grüne) in Berlin vor Journalisten. Im Jahr 2023 werde ein Wachstum von 2,5% erwartet. Habeck begründete: „Nach zwei Jahren Corona-Pandemie kommt durch den Krieg Russlands eine neue Belastung hinzu.“ Der Krieg gegen die Ukraine und seine wirtschaftlichen Auswirkungen erinnerten Deutschland und die EU daran, dass sie verwundbar sind.

„Die Stärke von liberalen Demokratien macht aber aus, dass wir um Ausgleich ringen und so zu Lösungen kommen, die uns gemeinsam voranbringen“, sagte Habeck. Hauptbelastung sei die unsichere und stark verteuerte Versorgung mit fossilen Brennstoffen. Deutschland und die EU würden sich „Schritt für Schritt aus der Klammer russischer Importe lösen“, versprach der Minister. Allerdings sei dies nur zu höheren Kosten zu ermöglichen. Die Bundesregierung tue alles, um die Substanz der Wirtschaft auch in schwerer Zeit zu erhalten. Für den 29. April kündigte Habeck nach dem am 27. April im Kabinett verabschiedeten Entlastungspaket für Haushalte auch eines für Unternehmen an.

Die im Zuge des Kriegs stark gestiegenen Preise für Erdöl, Erdgas und Kohle treiben auch die Verbraucherpreise in Deutschland. Die Bundesregierung erwartet für das Jahr 2022 eine Inflationsrate von 6,1 %. Solche Raten wurden bislang nur zu Zeiten der Ölkrise oder kurz nach der Wiedervereinigung beobachtet. Im nächsten Jahr liege die Inflationsrate gemäß Prognose der Bundesregierung mit 2,8 % wieder deutlich niedriger. 
Deutsche Abhängigkeit von russischem Gas auf 35 % gesenkt

Die Einstellung von russischen Gaslieferungen nach Polen und Bulgarien hat bislang keine Auswirkungen auf die Versorgungssicherheit in Deutschland, versicherte Habeck. Bei Engpässen könne Polen auch Flüssigerdgas (LNG) oder Pipelinegas über Deutschland beziehen. Bulgarien habe alternative Lieferrouten per LNG aus der Türkei oder Griechenland. Auch die deutschen Erdgasspeicher füllten sich wieder langsam. Aktuell sei ein Stand von 33,53 % erreicht.
 
Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) bei der
Vorstellung der Frühjahrsprognose
Quelle: BPK

„Die Lage wird aber sehr genau beobachtet, das Ministerium ist im engen Austausch mit den Energieversorgungsunternehmen und Energielieferanten, das Krisenteam Gas monitort die Versorgungssituation intensiv und bewertet sie in einem täglichen Lagebericht“, versicherte Habeck.

Deutschland habe durch Sparmaßnahmen und die Erschließung anderer Quellen seine Abhängigkeit von russischem Erdgas für den kommenden Winter von 55 % auf 35 % der Gesamtversorgung reduzieren können. Sollte Russland die Gaslieferungen komplett einstellen drohe aktuell aber eine Rezession mit einem Verlust von 5 % der Wirtschaftsleistung, sagte der Minister. Bis Sommer 2024 soll der Anteil auf 10 % zurückgehen, wenn es gelingt, bis dahin Lieferterminals für LNG zu installieren.

Der Lagebericht Erdgas   steht auf der Webseite der Bundesnetzagentur zur Verfügung.
 

Susanne Harmsen
Redakteurin
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Mittwoch, 27.04.2022, 15:12 Uhr

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