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Enerige & Management > Studie - Kopernikus-Projekt gibt tiefen Einblick in den Gebäudesektor
Quelle: Shutterstock
STUDIE:
Kopernikus-Projekt gibt tiefen Einblick in den Gebäudesektor
Daten zur Heiz- und Energieinfrastruktur in Deutschland sind nur spärlich verfügbar. Das  Kopernikus-Projekt "Ariadne" soll diese Lücken schließen. Die ersten Ergebnisse liegen nun vor.
 
Um die Klimaziele im Gebäudesektor möglichst zügig voranzubringen und Haushalte zielgerichtet zu unterstützen, braucht es eine gute Informationsbasis. Bisher ist die Datenlage zur Heiz- und Energieinfrastruktur in Deutschland allerdings spärlich. Diese Lücke soll das vom Bundesforschungsministerium (BMBF) geförderte Kopernikus-Projekt "Ariadne" schließen. Nun haben das RWI - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung sowie das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) die ersten Ergebnisse veröffentlicht. 

15.000 Haushaltsvorstände werden über drei Jahre hinweg befragt. Erstmals werden dabei detaillierte Informationen zu Gebäuden und Energienutzung mit sozioökonomischen Merkmalen der Bewohnerschaft verknüpft.

Fast zwei Drittel aller Befragten geben demnach an, hauptsächlich zentral über einen Kessel oder eine Therme zu heizen. 14,3 % heizen mit Fern- oder Nahwärme. Diese Anteile stimmen gut mit den amtlichen Zahlen für Deutschland aus der Mikrozensus-Zusatzerhebung für 2018 überein: Demnach heizen rund 69 % der Haushalte mit einer Zentralheizung und ebenfalls 14,3 % mit einer Fernheizung (Destatis 2019). Bei Befragten mit Ein- oder Zweifamilienhäusern ist die Zentralheizung in der Stichprobe am weitesten verbreitet. Fern- und Nahwärme ist die häufigste Heizungsart in Hochhäusern. Als Brennstoff ist am häufigsten Erdgas anzutreffen.

Wärmepumpenanteil wohl viel höher

Fern- oder Nahwärme sind mit 25,9 % bei Mietenden häufiger vertreten als bei in Eigentum Wohnenden. Wärmepumpen sind durchschnittlich nur bei 7 % der befragten Haushalte als Zentralheizung vorzufinden. Knapp die Hälfte der Wärmepumpen bezieht ihre Wärme über die Außenluft. Bei 30,4 % geschieht dies über das Erdreich oder das Grundwasser.

Im Vergleich zur Mikrozensus-Zusatzerhebung von 2018, wo der Wärmepumpenanteil bei knapp 2 % liegt, sowie einer neueren Erfassung der Wohnheizungsstruktur für 2020 vom Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), bei Wärmepumpen noch 2,6 % abdecken, ist ihr Anteil im Jahr 2021 in der Stichprobe mehr als doppelt so hoch gewesen. Ein Grund dafür könnte sein, dass Wärmepumpen gerade in den vergangenen zwei Jahren stark steigende Absatzzahlen verzeichneten.

Je reicher, desto günstiger pro Quadratmeter

Die Kosten für Heizung und Warmwasser pro Quadratmeter liegen bei Mietwohnungen deutlich höher liegen als im Wohneigentum. Unabhängig von Eigentum oder Miete sinken die durchschnittlichen spezifischen Kosten in allen betrachteten Gebäudearten mit steigendem Einkommen.

Gefühltes Informationsdefizit zum CO2-Preis

Zu den bedeutendsten Ergebnissen gehört für die Forschenden allerdings, dass sich viele Befragte nicht gut informiert fühlen, etwa zum Thema CO2-Bepreisung. Mit einem Anteil von 46,7 % gibt ein großer Teil aller Befragten an, sich eher nicht informiert zu fühlen, 13% fühlen sich gar nicht informiert. Auf einem sehr guten Wissenstand fühlen sich nur 3,4 % der Befragten. Die von der Ampelkoalition beabsichtigte Aufteilung des CO2-Preises, bei der der Kostenanteil der Vermietenden umso niedriger ist, je energieeffizienter das Gebäude ist, genießt jeweils die höchste Zustimmung.

Viele Befragte unterstützen die Politik im Gebäudebereich

Die bestehenden Politikmaßnahmen im Gebäudesektor fanden 2021 überwiegend eine hohe Zustimmung und die Maßnahmen wurden als wirksam wahrgenommen. Von der Wirksamkeit eines Einbauverbots für Gaskessel waren die Befragten dabei weniger überzeugt als von dem bereits verabschiedeten Einbauverbot neuer Ölkessel.

„Wir setzen hier an einem sehr grundsätzlichen Punkt an“, erklärt Manuel Frondel vom RWI: „Damit Politikinstrumente für eine effiziente und sozial ausgewogene Gebäudepolitik entwickelt und in ihrer Wirksamkeit überprüft werden können, braucht es auch detaillierte Daten zur Wohn- und Heizsituation der mehr als 40 Millionen Haushalte in Deutschland. Bislang wurden jedoch viele politische Maßnahmen im Gebäudesektor lediglich in dem guten Glauben aufgesetzt, dass sie hinreichend wirksam sind“. Auch die Kritik des Bundesrechnungshofes im vergangenen Winter mache deutlich, wie dringend die Wirksamkeit der Energiespar-Programme zu prüfen sei. Die Daten des "Ariadne Wärme- & Wohnen-Panels" sollen dafür eine neue Basis liefern.

„Wir können auch konkrete Reaktionen auf Maßnahmen besser verstehen“, sagt Ko-Autor Michael Pahle vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). „Besonders relevant ist das vor dem Hintergrund der aktuellen Energiekrise. Die Erhebung wird in diesem Jahr deshalb unter anderem explizit abfragen, ob die Haushalte überhaupt schon über den starken Anstieg der Großhandelspreise für Gas informiert sind, und ob beziehungsweise wie sie darauf reagiert haben.“

Die umfassenden Ergebnisse des Ariadne-Report „So wird geheizt: Ergebnisse des Wärme- und Wohnen Panels 2021“   sind online verfügbar.
 

Heidi Roider
Redakteurin und Chefin vom Dienst
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