• Länder verlangen Klarheit bei Energiekosten-Entlastungen
  • Gas zieht Strom nach unten
  • Bio-Methan als Erdgasersatz
  • Deutscher Projektentwickler mit zweitem finnischem Windpark
  • EU-Kommission hält Stromausfälle in Europa für möglich
  • Wie "nachhaltig" ist die Lieferkette für Windräder?
  • IEA zieht Belastungsgrenze für EU-Gasmarkt
  • EU-Partner kritisieren deutsche Alleingänge
  • Landesregierung spannt 250 Mio. Euro Schutzschirm für Stadtwerke
  • Berliner Stromnetz-Holding komplettiert Geschäftsführungs-Duo
Enerige & Management > Bilanz - Konzernüberschuss von Eon sinkt
Quelle: Fotolia / Eisenhans
BILANZ:
Konzernüberschuss von Eon sinkt
Der Essener Energiekonzern hat in den ersten sechs Monaten des Jahres 350 Mio. Euro weniger verdient als im ersten Halbjahr 2021. Das Ausstiegsdatum für „Isar 2“ steht – noch.
 
Der Energieriese Eon blickt auf ein nach eigenen Angaben „operativ und finanziell solides“ erstes Halbjahr zurück. Als bereinigtes Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) weist der Konzern einen Betrag von 4,1 Mrd. Euro aus. Das sind 707 Mio. Euro, rund 15 %, weniger als in den ersten sechs Monaten des vergangenen Jahres. Als um nicht operative Effekte bereinigter Konzernüberschuss stehen 1,4 Mrd. Euro zu Buche nach mehr als 1,7 Mrd. Euro im Vorjahreszeitraum (- 20 %). „Wir haben trotz der Krise geliefert“, sagte Konzernchef Leonhard Birnbaum bei der Vorstellung der neuen Geschäftszahlen und freute sich über die „außerordentliche Leistung unserer Mitarbeiter“.

Das Netzgeschäft schlägt sich laut Geschäftsbericht mit rund 2,7 Mrd. Euro im Ergebnis nieder, das sind 83 Mio. Euro beziehungsweise 3 % weniger als 2021. Die Investitionen in diesem Geschäftsfeld bezifferte Birnbaum auf 1,4 Mrd. Euro – „leicht über dem Vorjahresniveau“.

Wachstum mit Solar- und Speicherlösungen

In der Sparte Kundenlösungen bilanziert das Unternehmen europaweit ein Absatzvolumen von 20.000 Solar- und Speicherlösungen sowie 40.000 Heizungslösungen, vor allem Wärmepumpen. „Wir haben noch nie eine so große Nachfrage nach smarten Lösungen und Produkten zur Dekarbonisierung von Privathaushalten gesehen“, so Birnbaum. Der Umsatz sei um circa 40 % auf 600 Mio. Euro gestiegen. Das bereinigte Ergebnis beziffert Eon auf 1 Mrd. Euro – ein Rückgang um 90 Mio. Euro (8 %) im Vergleich zu 2021. Ausschlaggebend für den Rückgang seien die höheren Beschaffungskosten im Energievertrieb.

Eine deutlich steigende Nachfrage verzeichnet der Energieversorger auch „bei der Dekarbonisierung von Stadtquartieren“. Im Geschäftsfeld mit Energieinfrastruktur-Lösungen fällt das Ergebnis um 23 % höher aus als vor einem Jahr, es macht 314 Mio. Euro aus. Als weitere Wachstumstreiber nennt der Vorstand die Elektromobilität: Auch bei Geschäftskunden zeige sich eine merklich steigende Nachfrage zur Dekarbonisierung der Fahrzeugflotten. 
Isar 2: „Zu Gesprächen bereit“

Das „Nicht-Kerngeschäft“ spiegelt sich im bereinigten Ebitda mit 480 Mio. Euro wider. Den Beitrag des deutschen Kernenenergiegeschäfts beziffert der Vorstand auf 390 Mio. Euro. Der Rückgang in der Sparte – durch die Abschaltung von Kraftwerken im zurückliegenden Jahr − belaufe sich auf 600 Mio. Euro. Wegen der steigenden Energiepreise hat des Management die Prognose für das Nicht-Kerngeschäft bis zum Jahresende um 200 Mio. Euro angehoben. Zwischen 0,8 bis 1 Mrd. Euro soll es bis dahin bringen.

Über die Laufzeit seines letzten noch produzierenden Atommeilers würde Eon offenbar mit sich reden lassen. Aktuell geht man davon aus, dass Isar 2 zum Ende des Jahres vom Netz geht. „Die Bundesregierung hat sich zu Beginn des Ukraine-Krieges klar gegen eine Verlängerung der Laufzeiten von Kernkraftwerken in Deutschland ausgesprochen. Diese Entscheidung respektieren wir“, sagte Finanzvorstand Marc Spieker bei der Bilanzpressekonferenz. „Sollte die Bundesregierung im Rahmen des laufenden Stresstests zu einer Neubewertung der Lage kommen, dann sind wir zu Gesprächen bereit.“

Weniger Strom, mehr Gas

Der Stromabsatz des Konzerns erreicht in den ersten sechs Monaten 136,2 Mrd kWh – ein Minus von 17 Mrd. kWh gegenüber dem ersten Halbjahr 2021. Der Absatz in Deutschland beträgt 66,8 Mrd. kWh (Vorjahr: 73,8 Mrd. kWh). Zu dem Rückgang beigetragen habe vornehmlich die Portfoliobereinigung bei den Vertriebspartnern, heißt es. Gegenläufig habe ein Anstieg der Absatzmengen an Privat- und kleinere Geschäftskunden sowie die Beschaffungsoptimierung gewirkt.

Der Gasabsatz fällt mit 257,8 Mrd. kWh um 27,1 Mrd. kWh höher aus als 2021. Der Vertrieb in Deutschland weist einen Absatz von 102,2 Mrd. kWh aus (Vorjahr: 97,4 Mrd. kWh). „Während sich der Absatz in allen Kundengruppen witterungsbedingt verringerte, stiegen die Mengen im Großhandel aufgrund von Rückverkäufen“, erklärt Eon.

„Eon hat auch während der aktuellen Krise sein Wachstumsprogramm vorangetrieben“, sagte Birnbaum. Und er fügte hinzu: „Wir halten Kurs in unserer Strategie aus Wachstum, Nachhaltigkeit und Digitalisierung.“ Für das gesamte Jahr 2022 seien Investitionen in Höhe von 5,3 Mrd. Euro vorgesehen. Geld soll „vor allem in Neuanschlüsse und in den Netzausbau im Zusammenhang mit der Energiewende“ fließen. An seiner Prognose für 2022 hält der Vorstand fest. Man erwarte weiterhin ein bereinigtes Ebitda zwischen 7,6 und 7,8 Mrd. Euro und einen bereinigten Konzernüberschuss von 2,3 bis 2,5 Mrd. Euro.
 
Finanzkennzahlen Eon, 1. Halbjahr
in Mio. Euro 2022 2021
Umsatz 52.845 33.040
Bereinigtes Ebitda 4.061 4.768
Bereinigtes Ebit 2.677 3.163
Bereinigter Konzernüberschuss 1.413 1.765
Investitionen 1.736 1.908
Quelle: Eon
 

Manfred Fischer
© 2022 Energie & Management GmbH
Mittwoch, 10.08.2022, 15:43 Uhr

Mehr zum Thema