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Bild: Fotolia.com, Gina Sanders
STROMNETZ:
Konventionelle Einspeisung trotz Erneuerbaren-Vorrang
Die Bundesnetzagentur hat einen Bericht zur Stromerzeugung bei negativen Preisen vorgelegt. Der Bundesverband Erneuerbare Energien spricht von einer nicht hinnehmbaren Situation.
 
Nach dem neuen Strommarktgesetz ist die Bundesnetzagentur verpflichtet, einen Bericht über die sogenannte Mindesterzeugung zu erstellen. Sie soll dabei der Frage nachgehen, warum in bestimmten Zeiten mit hoher Einspeisung erneuerbarer Energien bei gleichzeitig geringer Nachfrage konventionelle Kraftwerke nicht zurückgefahren werden, so dass es zu Angebotsüberschüssen am Markt kommt.

Für das zweite Halbjahr 2015 liegt dieser Bericht nun vor. Für diesen Zeitraum hat die Bundesnetzagentur Stunden mit negativen Strompreisen untersucht, also Stunden, in denen die Betreiber von Kern-, Kohle- und Gaskraftwerken Geld dafür bezahlt haben, dass ihnen jemand den erzeugten Strom abgenommen hat. Nach Angaben der Behörde haben in den betrachteten Stunden 23 000 bis 28 000 MW an installierter konventioneller Kraftwerksleistung eingespeist. Allerdings seien nur etwa 3 000 bis 4 500 MW für einen sicheren Netzbetrieb erforderlich, etwa zur Erbringungen von Regelenergie oder Redispatch-Maßnahmen.

„Etwa ein Viertel der in Deutschland in der Spitze einspeisenden Kraftwerksleistung reagiert nicht oder nur eingeschränkt auf Preise am Strommarkt. Nur ein geringer Teil dieser Erzeugung ist netztechnisch erforderliche Mindesterzeugung“, erläutert Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur.

Der größte Teil der konventionellen Produktion in den analysierten Stunden sei dem „konventionellen Erzeugungssockel“ zuzuordnen. Diesen beziffert die Bundesnetzagentur mit 19 000 bis 24 000 MW, was 80 bis 86,5 % der gesamten konventionellen Erzeugung entspreche. Auf den ersten Blick seien diese Kraftwerkskapazitäten nicht wirtschaftlich, da zwar Kosten aber keine Erlöse anfielen und sogar Zuzahlungen für den Stromabsatz geleistet werden müssten.

Fehlende technische Flexibilität und andere ökonomische Anreize, wie beispielsweise Wärmelieferverpflichtungen, seien die Ursachen für eine Stromproduktion bei negativen Großhandelspreisen. Damit bestünde allerdings ein Anreiz für Investitionen in Flexibilität.

Der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) sieht im Monitoringbericht einen Beleg dafür, dass die konventionelle Stromerzeugung noch zu hoch sei. „Es ist nicht weiter hinnehmbar, dass konventionelle Kraftwerke die Netze verstopfen, während sauberer Strom abgeregelt wird“, kommentiert der kommissarische BEE-Geschäftsführer Harald Uphoff die Erkenntnisse der Bundesnetzagentur.

„Das Bundeswirtschaftsministerium sollte die Bundesnetzagentur dazu auffordern, den gesetzlichen Vorrang erneuerbarer Energien gegenüber den konventionellen Kraftwerken durchzusetzen, anstatt diesem Marktversagen nur zuzuschauen und Berichte zu schreiben“, so Uphoff. Es sei bedauerlich, dass die Behörde keine Vorschläge mache, wie der Einspeisevorrang durchgesetzt werden könne. Der Verweis darauf, dass 2019 ein weiteres, dann detaillierteres Monitoring folgen soll, greife zu kurz.

Der Monitoringbericht ist hier zum Herunterladen   verfügbar.
 

Fritz Wilhelm
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Dienstag, 11.04.2017, 17:41 Uhr

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