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Energie & Management > Politik - Kommunale Versorger setzen auf Differenzverträge
Quelle: Pixabay / OpenClipart-Vectors
Politik

Kommunale Versorger setzen auf Differenzverträge

Die kommunalen Energieversorger in der EU sehen im Neu-Design des Strommarktes einen Ausweg aus der Krise. Zweifel gibt es an der kompetten Elektrifizierung des Energieverbrauchs.
In Deutschland würden viele Anbieter von Strom aus erneuerbaren Energien heute das Angebot eines sogenannten Differenzvertrages (CfD) akzeptieren, sagte der Vorsitzende des Dachverbandes der kommunalen Energieversorger (CEDEC), Florian Bieberbach (Stadtwerke München) auf der Jahrestagung des CEDEC in Brüssel. Die meisten Unternehmen der Branche seien nicht daran interessiert, von den aktuell hohen Preisen zu profitieren sondern wollten langfristig stabile Einnahmen. Mit einem CfD könnten Risiken reduziert und Investitionen in die Energiewende gefördert werden.

Die Lobby der kommunalen Energiewirtschaft geht offenbar davon aus, dass CfD den Kern der von der Kommisssion angekündigten Strukturreform des Elektrizitätsmarktes bilden sollten. Damit könnte die bisher geltende Meritorder außer Kraft gesetzt werden. Sie hatte sich in den letzten Monaten als preistreibend erwiesen.

CfD garantieren den Investoren ein bestimmtes Preisniveau im Elektrizitäts-Großhandel. Fällt der Preis unter dieses Niveau, erhält der Investor die Differenz zwischen dem Markt- und dem Garantiepreis erstattet. Ist der Marktpreis höher als der Garantiepreis, muss der Investor den Differenzbetrag abführen.

Der Direktor der europäischen Regulierungsakademie in Florenz, Leonardo Meeus, verwies auf positive Erfahrungen mit den CfD. Gerade in der Krise generierten sie zusätzliche Einnahmen, die der Staat zur Entlastung der besonders betroffenen Verbraucher einsetzten könne. Insofern erweise sich der CfD als Instrument, mit dem Risiken für die Verbraucher aufgefangen werden könnten ("hedging").

Elektrifizierung des Energieverbrauchs "in absehbarer Zeit nicht möglich"

Der Generalsekretär des CEDEC, Gert De Block, betonte, dass die Stromversorgung auch in Zukunft "erschwinglich, sicher und stabil" sein müsse. Dafür müsse das System "kosteneffizient geändert" werden. Auch wenn die Ausgangslage in den Mitgliedsstaaten der EU sehr unterschiedlich sei, dürfe man sich den Realitäten nicht verweigern: Eine vollständige Elektrifizierung des Energieverbrauchs sei in absehbarer Zeit wahrscheinlich nicht möglich. Auch in den nächsten 20 bis 30 Jahren sei man weitgehend auf das bestehende Leitungsnetz angewiesen, das nur langsam ausgebaut werden könne.

Auf jeden Fall könne man auf keine Option, Energie ohne die Emission von Treibhausgasen zu erzeugen, verzichten. Das gelte für Biomethan ebenso wie für kleine Wasserkraftwerke.

Block geht davon aus, dass die Strommärkte in der EU gegenwärtig "nicht funktionieren". Eine Reform müsse Exzesse verhindern und zu einer Preisbildung führen, die von den Menschen verstanden und als fair akzeptiert werde.

Die Verteilnetzbetreiber seien "bereit und in der Lage, einen wichtigen Beitrag zu einer kosteneffizienten Energiewende zu leisten", sagte Bieberbach: "Mit Lösungen auf der Grundlage lokaler Ressourcen und vorzugsweise im Rahmen der bestehenden Netzinfrastruktur." Die gegenwärtigen Preis- und Versorgungsprobleme müssten politisch gelöst werden, ohne dass dabei ein "instabiles Investitionsumfeld" entstehe. Sonst könnten Investitionen in die Nutzung erneuerbarer Energien behindert werden.

Kommunale Gasversorger in Sorge

Die Lobby der Betreiber von KWK-Anlagen (Cogen) machte angesichts der Reform des Elektrizitätsmarktes, die von der EU-Kommission vorbereitet wird, geltend, dass KWK einen wichtigen Beitrag zur Flexibilität der Stromversorgung leisten könne. Cogen-Vertreter Hans Vandersyppe verwies darauf, dass die Elektrifizierung des Wärmemarktes inzwischen auch die Industrie erreiche. Immer mehr Unternehmen erzeugten Wärme mit elektrischen Boilern. Es sei jedoch besser, Wärme dezentral zu erzeugen. Dadurch könne das Netz entlastet werden.

Sorgen bereitet die Elektrifizierung den kommunalen Gasversorgern, denen die Kunden offenbar scharenweise davonlaufen. Dadurch müsse die Gasleitungsinfrastruktur von immer weniger Verbrauchern finanziert werden. Unklar sei weiter, wie die neuen Gasleitungen für Wasserstoff finanziert werden. Die Regulierungsbehörden, die die Tarife dafür genehmigen müssten, hätten darauf noch keine abschließende Antwort gefunden, sagte der italienische Vertreter im Rat der Energieregulierer (CEER), Marco La Cognata. Die Frage sei, ob sich die neue Infrastruktur von Anfang an selbst tragen müsse oder aus den Erträgen der bestehenden Gas- und Stromnetze quersubventioniert werden dürfte. Davon hänge auch ab, ab der Handel mit grünem Wasserstoff vom Transport getrennt werde ("Unbundling") oder ob integrierte Unternehmen auf dem entstehenden Markt für Wasserstoff zugelassen würden.

Donnerstag, 27.10.2022, 10:58 Uhr
Tom Weingrtner
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Quelle: Pixabay / OpenClipart-Vectors
Politik
Kommunale Versorger setzen auf Differenzverträge
Die kommunalen Energieversorger in der EU sehen im Neu-Design des Strommarktes einen Ausweg aus der Krise. Zweifel gibt es an der kompetten Elektrifizierung des Energieverbrauchs.
In Deutschland würden viele Anbieter von Strom aus erneuerbaren Energien heute das Angebot eines sogenannten Differenzvertrages (CfD) akzeptieren, sagte der Vorsitzende des Dachverbandes der kommunalen Energieversorger (CEDEC), Florian Bieberbach (Stadtwerke München) auf der Jahrestagung des CEDEC in Brüssel. Die meisten Unternehmen der Branche seien nicht daran interessiert, von den aktuell hohen Preisen zu profitieren sondern wollten langfristig stabile Einnahmen. Mit einem CfD könnten Risiken reduziert und Investitionen in die Energiewende gefördert werden.

Die Lobby der kommunalen Energiewirtschaft geht offenbar davon aus, dass CfD den Kern der von der Kommisssion angekündigten Strukturreform des Elektrizitätsmarktes bilden sollten. Damit könnte die bisher geltende Meritorder außer Kraft gesetzt werden. Sie hatte sich in den letzten Monaten als preistreibend erwiesen.

CfD garantieren den Investoren ein bestimmtes Preisniveau im Elektrizitäts-Großhandel. Fällt der Preis unter dieses Niveau, erhält der Investor die Differenz zwischen dem Markt- und dem Garantiepreis erstattet. Ist der Marktpreis höher als der Garantiepreis, muss der Investor den Differenzbetrag abführen.

Der Direktor der europäischen Regulierungsakademie in Florenz, Leonardo Meeus, verwies auf positive Erfahrungen mit den CfD. Gerade in der Krise generierten sie zusätzliche Einnahmen, die der Staat zur Entlastung der besonders betroffenen Verbraucher einsetzten könne. Insofern erweise sich der CfD als Instrument, mit dem Risiken für die Verbraucher aufgefangen werden könnten ("hedging").

Elektrifizierung des Energieverbrauchs "in absehbarer Zeit nicht möglich"

Der Generalsekretär des CEDEC, Gert De Block, betonte, dass die Stromversorgung auch in Zukunft "erschwinglich, sicher und stabil" sein müsse. Dafür müsse das System "kosteneffizient geändert" werden. Auch wenn die Ausgangslage in den Mitgliedsstaaten der EU sehr unterschiedlich sei, dürfe man sich den Realitäten nicht verweigern: Eine vollständige Elektrifizierung des Energieverbrauchs sei in absehbarer Zeit wahrscheinlich nicht möglich. Auch in den nächsten 20 bis 30 Jahren sei man weitgehend auf das bestehende Leitungsnetz angewiesen, das nur langsam ausgebaut werden könne.

Auf jeden Fall könne man auf keine Option, Energie ohne die Emission von Treibhausgasen zu erzeugen, verzichten. Das gelte für Biomethan ebenso wie für kleine Wasserkraftwerke.

Block geht davon aus, dass die Strommärkte in der EU gegenwärtig "nicht funktionieren". Eine Reform müsse Exzesse verhindern und zu einer Preisbildung führen, die von den Menschen verstanden und als fair akzeptiert werde.

Die Verteilnetzbetreiber seien "bereit und in der Lage, einen wichtigen Beitrag zu einer kosteneffizienten Energiewende zu leisten", sagte Bieberbach: "Mit Lösungen auf der Grundlage lokaler Ressourcen und vorzugsweise im Rahmen der bestehenden Netzinfrastruktur." Die gegenwärtigen Preis- und Versorgungsprobleme müssten politisch gelöst werden, ohne dass dabei ein "instabiles Investitionsumfeld" entstehe. Sonst könnten Investitionen in die Nutzung erneuerbarer Energien behindert werden.

Kommunale Gasversorger in Sorge

Die Lobby der Betreiber von KWK-Anlagen (Cogen) machte angesichts der Reform des Elektrizitätsmarktes, die von der EU-Kommission vorbereitet wird, geltend, dass KWK einen wichtigen Beitrag zur Flexibilität der Stromversorgung leisten könne. Cogen-Vertreter Hans Vandersyppe verwies darauf, dass die Elektrifizierung des Wärmemarktes inzwischen auch die Industrie erreiche. Immer mehr Unternehmen erzeugten Wärme mit elektrischen Boilern. Es sei jedoch besser, Wärme dezentral zu erzeugen. Dadurch könne das Netz entlastet werden.

Sorgen bereitet die Elektrifizierung den kommunalen Gasversorgern, denen die Kunden offenbar scharenweise davonlaufen. Dadurch müsse die Gasleitungsinfrastruktur von immer weniger Verbrauchern finanziert werden. Unklar sei weiter, wie die neuen Gasleitungen für Wasserstoff finanziert werden. Die Regulierungsbehörden, die die Tarife dafür genehmigen müssten, hätten darauf noch keine abschließende Antwort gefunden, sagte der italienische Vertreter im Rat der Energieregulierer (CEER), Marco La Cognata. Die Frage sei, ob sich die neue Infrastruktur von Anfang an selbst tragen müsse oder aus den Erträgen der bestehenden Gas- und Stromnetze quersubventioniert werden dürfte. Davon hänge auch ab, ab der Handel mit grünem Wasserstoff vom Transport getrennt werde ("Unbundling") oder ob integrierte Unternehmen auf dem entstehenden Markt für Wasserstoff zugelassen würden.

Donnerstag, 27.10.2022, 10:58 Uhr
Tom Weingrtner

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