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Enerige & Management > Europaeische Union - Kommission sieht Preisexplosion als vorübergehend
Quelle: Fotolia / kreatik
EUROPAEISCHE UNION:
Kommission sieht Preisexplosion als vorübergehend
Die EU-Kommission geht davon aus, dass die Verteuerung von Energie in Europa nur vorübergehend ist. Eine genaue Analyse des Gasmarktes soll zeigen warum.
 
Die EU-Kommission hat in Brüssel ihren jüngsten Quartalsbericht über den Gasmarkt vorgelegt, der eine genaue Analyse der Entwicklung in den letzten Monaten vornimmt. Die Zahlen für das dritte Quartal sind allerdings nicht vollständig. 

Das zweite Quartal (QII) markiert demnach den Auftakt zur jüngsten Entwicklung auf den europäischen Energiemärkten. Anfang April zahlte man für Erdgas noch 19 Euro pro Megawattstunde, Ende Juni waren es schon 35 Euro und inzwischen sind es rund 80 Euro pro Megawattstunde. Der Erdgas-Verbrauch in der EU lag im QII um 18,9 % über dem des gleichen Vorjahreszeitraums. Das lag nicht nur daran, dass der Verbrauch ein Jahr zuvor − aufgrund der Corona-Restriktionen − besonders niedrig ausgefallen war. Weil es im April und Mai 2021 auch kälter als üblich war, wurde mehr geheizt als in den Vorjahren. Die Gasspeicher konnten nicht aufgefüllt, sondern mussten weiter in Anspruch genommen werden. 

Erdgas-Förderung der EU rückläufig 

Fast 10 % mehr Gas wurde in Kraftwerken verbrannt. Allerdings ist das QII durch eine Trendwende bei der Verstromung gekennzeichnet: Wurden im April noch 42 % mehr Gas in Kraftwerken eingesetzt als im April 2020, führte der inzwischen einsetzende Preisauftrieb im Mai zu einem Rückgang um ein Prozent, im Juni waren es bereits minus 6 %. 

Die eigene Erdgas-Förderung der EU war weiter rückläufig und lag um 8 % oder 1,2 Mrd. Kubikmeter (m3) unter dem Niveau des QII 2020. Das wurde aber durch einen Anstieg der Importe um 7 % (6,2 Mrd. m3) mehr als ausgeglichen. In der ersten Jahreshälfte erreichten die Importe insgesamt 170,3 Mrd. m3 (+3 %), davon entfielen 43 Mrd. m3 auf Deutschland. 

Der größte Lieferant war Russland (42 %), das seinen Marktanteil damit im Vergleich zum QII 2020 (41 %) leicht erhöhen konnte, gefolgt von Norwegen und Algerien. 77 % der Importe erfolgten über Pipelines, 23 % als Flüssiggas. Russland erhöhte seine Lieferungen (via Pipeline und LNG) wie im ersten Quartal um 5 %. Dagegen konnte die EU nur 11 % weniger Erdgas aus Norwegen importieren. Hauptursache war die Wartung der wichtigsten Pipeline, über die 20 % weniger Gas transportiert wurde. 

Das meiste Pipeline-Gas gelangte im ersten Semester 2020 über Nord Stream in die EU: rund 30 Mrd. m3. Über Weißrussland waren es 20,5 Mrd. m3, über die Ukraine 18 Mrd. m3 und über die Türkei 2,8 Mrd. m3. Allerdings gingen die Lieferungen von Juni bis August, wo die Speicher gefüllt werden müssen, gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum zurück: über Weißrussland um 7 % und über die Ukraine um 6 %. Nach den Erkenntnissen der EU-Kommission hat Gazprom auch keine zusätzlichen Kapazitäten auf den Leitungen in die EU gebucht. 

Die Flüssiggas-Importe erreichten im QII 24,4 Mrd. m3, etwa 1 % mehr als im Vorjahr. Die meisten Lieferungen gingen nach Frankreich (5,8 Mrd. m3), gefolgt von Spanien (5,2 Mrd. m3) und Italien (3,3 Mrd. m3). Der größte Lieferant waren die USA mit 31 % (7,4 Mrd. m3), gefolgt von Russland mit 21 % und Qatar mit 18 %. Die EU nahm den USA 31 % ihrer LNG-Exporte ab. 

In Asien höhere Preise für LNG 

Die Kapazitäten der europäischen LNG-Terminals waren damit aber erst zur Hälfte ausgelastet, im Juli und August sogar deutlich weniger. Die für Europa verfügbare Menge LNG schwankt sehr stark, weil in Asien höhere Preise gezahlt werden. Außerdem haben sich auch die Frachtraten für den LNG-Transport erhöht. 

Die Speicher in der EU waren am Ende des QII zu 47 % gefüllt, das waren etwa 10 % weniger als in den fünf Jahren davor. Erst im August erreichte der Speicherstand das ansonsten im Mai übliche Niveau. Die EU ist mit der Befüllung also drei Monate im Rückstand. Hinzu kommt, dass die Speicherstände in den einzelnen EU-Staaten sehr unterschiedlich sind, manche haben überhaupt keine Vorräte. 

Die Unterschiede zwischen den Notierungen für Lieferungen im kommenden Winter und im Sommer 2022 (Summer-Winter-Spread) deuten nach Ansicht der Kommission aber darauf hin, dass die Marktteilnehmer in den nächsten Monaten mit einer Entspannung rechnen. 

An den wichtigsten Märkten der EU („Hubs“) wurde im QII 4 % weniger Gas gehandelt als im Vorjahr, obwohl mehr Gas importiert und verbraucht wurde. Die Notierungen für Sofortlieferungen (Spot-Market) bewegten sich zwischen 24 und 26 Euro/MWh, das waren drei bis fünf Mal mehr als im zweiten Quartal 2020, als die Notierungen coronabedingt besonders niedrig ausfielen. Im Vergleich zum QII 2019 lagen die Preise im QII 2021 um 50 bis 110 % höher. Termingeschäfte, die im Juni 2022 erfüllt werden müssen (Year Ahead), wurden im Juni 2021 zu Preisen von rund 15 Euro/MWh abgeschlossen. 

Der vierteljährliche Gasmarktbericht   kann von der Internetseite der EU-Kommission heruntergeladen werden.
 

Tom Weingärtner
© 2021 Energie & Management GmbH
Freitag, 15.10.2021, 15:12 Uhr

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