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Enerige & Management > Meinung - Kommentar: Schön blöd
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Kommentar: Schön blöd
In Nibelungentreue haben sich viele Kommunen an den RWE-Konzern gehalten. Jetzt, da die Konzernspitze eine Dividendenhalbierung angekündigt hat, geraten eine Reihe von Kämmerern ins Schwitzen. Mitleid ist wenig angebracht, sie hätten längst ihr Aktienpaket verkaufen müssen.
 
Der RWE-Vorstand hat für das laufende Jahr eine Halbierung der Dividende angekündigt. Dass es nur noch 1 Euro pro Aktie als Gewinnausschüttung geben soll, bringt einige kommunale Anteilseigner kräftig ins Schwitzen. Flossen für das vergangene Jahr noch etwa 350 Mio. Euro in die Kassen der Städte und Gemeinden, die mit gut 24 % an Deutschlands zweitgrößten Energieversorger beteiligt sind, so sollen es für dieses Jahr nur noch 175 Mio. Euro sein. Schon ein gewaltiger Unterschied.

Für eine Stadt wie Essen bedeutet diese Ankündigung ein neues Etatloch von knapp 19 Mio. Euro, Mülheim an der Ruhr rechnet mit Einbußen von knapp 10 Mio. Euro oder die Stadt Bottrop mit einem Minus von einer 500 000 Euro.

Die kommunalen RWE-Anteilseigner trifft der Dividenden-Cut zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Durch sinkende Gewerbesteuer-Einnahmen und durch gekappte Stärkungspakt-Mittel sind die Haushaltsetats bereits auf Kante genäht gewesen, kaum eine Revier-Kommune kommt ohne Haushaltssicherungskonzept aus. Neue Sparprogramme sind die Folge, die die Bürger treffen werden: Eintrittsgelder werden teurer, Öffnungszeiten für Bibliotheken gekürzt oder die Belegschaften weiter verkleinert. „Die Nachricht von der Dividendenkürzung ist äußerst besorgniserregend und trifft uns sehr hart“, zeigt sich Mülheims Stadtkämmerer Uwe Bonan besorgt.

Viel Mitleid muss man nicht für solches Jammern haben. Der Kurs der RWE-Aktien ist seit Anfang 2008 von über 100 auf aktuell unter 25 Euro je Aktie abgerutscht. Dennoch haben sich die meisten kommunalen RWE-Aktionäre in Nibelungentreue an den RWE-Konzern geklammert, einige Kommunen wie Dortmund oder Essen haben in jüngster Vergangenheit noch RWE-Aktien dazugekauft. Großen Einfluß auf die Geschäftspolitik des RWE haben die Kommunen nie genommen, ihnen ging es stets um die sichere Dividende. Darum haben sie den Kurs des Konzernvorstands stets abgenickt. Außerdem hatte sich so mancher Oberbürgermeister in der Vergangenheit dank der Beteiligung Einfluss auf Standortentscheidungen der Konzerspitze und –töchter erhofft, was mitunter auch gelang.

Diese Zeiten sind längst vorbei. Dass der RWE-Konzern mit seinem überholten nuklear-fossilen Kraftwerkspark nicht auf die Energiewende eingestellt ist, war schon vor Fukushima ein Thema. Und eine Besserung ist beim RWE nicht in Sicht, dem Vorstand um Peter Terium fehlt die Vision für ein neues Geschäftsmodell.

Es rächt sich jetzt bitter für so manche Kommune, sich nicht vom RWE getrennt zu haben. Nach der Stadt Düsseldorf oder dem Kreis Wesel hatte sich im Jahr 2007 der Kreis Mettmann einen großen Teil seiner RWE-Aktien zum Schuldenabbau verkauft, damals zum Preis von über 80 Euro. Dieses Kursniveau kommt nie wieder. Schön blöd, dass nicht weitere RWE-Kommunen dem Beispiel des Kreises Mettmann gefolgt sind, die heutigen Klagen wären dann überflüssig.
 

Ralf Köpke
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Montag, 23.09.2013, 14:02 Uhr

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