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Enerige & Management > Meinung - Kommentar: Keine Prämien für Ladenhüter
Bild: Fotolia.com, Do Ra
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Kommentar: Keine Prämien für Ladenhüter
Die Bundesregierung will mit der Geldspritze die Elektromobilität in Fahrt bringen. Zweifel an dieser Strategie sind angebracht.
 
Die Energiewirtschaft kann sich freuen. Denn die Bundesregierung hat sich nach langem Zögern nun doch dazu durchgerungen, die Elektromobilität mit einer größeren Summe zu fördern. Für Energieversorger interessant sind dabei weniger die 1,2 Milliarden Euro, mit denen der Bund gemeinsam mit der Autoindustrie den Kauf von Elektroautos bezuschussen will.

Die zusätzlichen 300 Millionen Euro Steuergeld dagegen, die für den Ausbau der Ladeinfrastruktur zur Verfügung gestellt werden, sind ein großzügiges Angebot an Stadtwerke, sich wieder Gedanken über das Geschäftsmodell Elektromobilität zu machen. Mit dem Geld soll der schnelle Aufbau von 15 000 Normal- und Schnellladesäulen unterstützt werden, um sicherzustellen, dass Elektroautos an möglichst vielen Orten Strom tanken können, wenn die Batterien leer sind.
 
E&M-Redakteur Peter Focht
Bild: Gustfoto

Die Ladesäulen müssen betrieben und gewartet werden. Stadtwerke haben damit schon erste Erfahrungen gesammelt, die sie jetzt mit öffentlicher Unterstützung vermarkten sollten. Die Argumentation, mit Elektromobilität ist kein Geld zu verdienen, gilt nicht mehr.

Die Bundesregierung hätte es bei der Förderung der Ladeinfrastruktur belassen sollen. Die Autokaufprämien sind zu Recht umstritten. Sie begünstigen eine Branche, der es wirtschaftlich sehr gut geht und die sich bislang mit Ausnahmen wie beispielsweise BMW oder Renault zu wenig darum bemüht hat, Elektroautos zum Durchbruch zu verhelfen. Denn weder die Reichweiten von in der Regel nicht mehr als 200 km pro Batterieladung, noch der Preis der angebotenen Fahrzeuge können bislang überzeugen.

Mit 600 Millionen Euro Steuergeld sollen nun in den nächsten Jahren schwer verkäufliche Ladenhüter auf die Straße gebracht werden. Deren Herstellern haben zuletzt Milliardengewinne eingefahren wie BMW und Daimler oder können sich wie VW trotz der Dieselaffäre noch ein Vorstandsgremium leisten, das mehr als 60 Millionen Euro jährlich als Gehälter einstreicht. Eine derart prosperierende Branche mit Kaufprämien zu subventionieren, ist nicht nötig.

Ob die Kaufprämie so viele Autokäufer wie gewünscht vom bisher mäßigen E-Mobil-Angebot überzeugen wird, ist zu bezweifeln. Dass allein das Umweltargument und ein kleiner finanzieller Anreiz Autofahrer nicht dazu bringen, auf klimaverträglichere Mobilität umzusteigen, haben die Erfahrungen mit Erdgasautos gezeigt. Trotz erheblicher Umweltvorteile und einem per Steuerermäßigung konkurrenzlos günstigen Kraftstoffpreis kommen sie seit mehr als zehn Jahren über den Ladenhüterstatus nicht hinaus. Die Hoffnungen mehrerer Bundesregierungen, durch Steuerverzicht zu einem positiven Effekt für Umwelt und Klima zu kommen, haben sich dabei nicht erfüllt.

Ob der Klimaschutzeffekt durch die öffentliche Förderung des Kaufs von Elektroautos zu erreichen ist, kann indes ebenso in Frage gestellt werden. Denn die Kaufprämie ist nicht daran gekoppelt, dass die Fahrzeuge mit Ökostrom betrieben werden. Werden Batterien aber mit dem normalen deutschen Strom-Mix geladen, schädigt ein E-Mobil das Klima fast genauso wie ein Benziner oder ein Diesel.

Der Weg, Autohersteller über eine Veränderung der Rahmenbedingungen – strengere Grenzwerte und Abbau von Steuervergünstigungen für fossile Kraftstoffe – zu einer forcierten Entwicklung umweltverträglicherer Fahrzeuge und damit zwangsläufig auch der Elektromobilität zu bewegen, wäre besser gewesen als Kaufprämiengeschenke an die Autoindustrie.
 

Peter Focht
Redakteur
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Freitag, 29.04.2016, 16:26 Uhr

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