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Enerige & Management > Regenerative - Kommentar: Grün klemmt
Bild: Fotolia.com, Jürgen Fälchle
REGENERATIVE:
Kommentar: Grün klemmt
Der Ökostrommarkt tritt auf der Stelle, neue Ideen sind gefragt.
 
So ähnlich stand das schon mal an dieser Stelle: Würden alle Grünen-Wähler bei der nächsten Bundestagswahl Ökostrom beziehen, alle umweltbewussten bei den anderen Parteien, alle Mitglieder in den diversen Naturschutzverbänden, wir hätten nicht rund fünf Millionen Haushalte, die sich den grünen Saft in ihre Wohnungen holen, sondern mindestens 20 Millionen.

Würden alle in die Tat umsetzen, was sie bei beliebigen Umfragen anonym bezeugen, dass sie Strom aus erneuerbaren Energien unterstützen und auch bereit seien, mehr dafür zu bezahlen – wir hätten rund 38 Millionen Haushalte, die sich von Strom aus Atom, Gas und Kohle abwenden.

Wir haben nur fünf Millionen, was so schlecht aber gar nicht wäre, hätten sich diese bewusst dafür entschieden. Haben sie aber nicht, wie die neueste E&M-Ökostromumfrage zeigt. Seit dem Ein-Paar-Wochen-Hoch nach der Reaktorkatastrophe in Fukushima dümpelt der Markt vor sich hin, neue Höhen sind nicht in Sicht. Das weiß auch Matthias Willenbacher, Gründer der juwi-Gruppe, die weltweit Solar- und Windparks entwickelt und da zu den ganz großen in Deutschland zählt. Willenbacher hat jetzt ein Buch geschrieben: „Mein unmoralisches Angebot an die Kanzlerin“, lautet der Titel, und der Autor verspricht, sein milliardenschweres Unternehmen an Energiegenossenschaften zu verschenken, wenn Angela Merkel jetzt die Rahmenbedingungen dafür schafft, dass sich Deutschland im Jahr 2020 zu 100 Prozent mit Strom aus erneuerbaren Quellen versorgen kann. Der juwi-Chef wird sein Unternehmen nicht verschenken müssen, das weiß er selbst, denn er hat ein utopisches Angebot gemacht, was durchaus auch unmoralisch sein kann. Jedenfalls ist das Buch ein guter Werbe-Gag für juwi. Und auch für die genossenschaftliche Idee, mit der die Energiewende leichter zu vollziehen ist?

Keineswegs. Abgesehen davon, dass wegen der bevorstehenden Veränderung des bislang alles treibenden EEG Investitionsunsicherheit nicht nur bei Banken, sondern auch bei Bürgern besteht: Aus der bestehenden politischen Blase Bürgerbeteiligung wird ohnehin auch schnell wieder die Luft entweichen. So wie eben beim Bezug von Ökostrom. Ein wesentlicher Grund dafür wird wie beim EEG die Arm/Reich-Diskussion sein: Die einen verdienen an der Energiewende, die anderen zahlen die höheren Strompreise.

Da nicht alle so wie Matthias Willenbacher unmoralische Angebote machen können, müssen sich die Anbieter von Öko-Energie etwas Neues einfallen lassen.
 

Helmut Sendner
Herausgeber
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Montag, 15.07.2013, 09:11 Uhr

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