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Enerige & Management > Meinung - Kommentar: Energie 2016 - Nichts Erhellendes
Bild: Fotolia.com, Do Ra
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Kommentar: Energie 2016 - Nichts Erhellendes
Die Energiewende findet nicht auf Konferenzen, sondern auf der Arbeitsebene statt.
 
„Dann sehen wir uns im Januar bei der Handelsblatt-Jahrestagung in Berlin“, so verabschieden sich viele Energiemanager im alten Jahr mit Blick auf die Konferenz „Energiewirtschaft 2016“, die vom 19. bis 21. Januar 2016 zum 23. Mal stattfindet. Dabei kommt es schon öfter vor, dass man zu hören bekommt, nein, ich gehe da nicht mehr hin. Der Eon-Chef Johannes Teyssen hat das schon vor ein paar Jahren gesagt mit der Begründung, dass da nichts bewegt werde. Jürgen Großmann geht nicht mehr hin, weil er nicht mehr RWE-Chef ist, in dieser früheren Funktion aber bemerkt hat, dass er diese Konferenz zum Treffen der RWE-Führungskräfte machen könnte.

„Hier treffen sich die Entscheider und Vordenker“, so wirbt der Veranstalter um Teilnehmer, nur wird in der Energiewirtschaft zu wenig entschieden und kaum vorgedacht. Gut, Sigmar Gabriel, der Bundesenergieminister, denkt bei der Tagung vor: „Energiewende – Stand der Dinge und Ausblick bis 2020 sowie Vision für das Energiesystem der Zukunft 2030“, so wird er im Programm angekündigt, und man muss nicht viel weiser sein als der Wirtschaftsminister selbst, um schon jetzt sagen zu können, dass da ein Vielerlei an Nicht-Visionen beziehungsweise Unverdautem vorgetragen wird. Hildegard Müller, die Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung des BDEW, und Katherina Reiche, die Hauptgeschäftsführerin des VKU, also die beiden wichtigsten Akteurinnen der etablierten Energiewirtschaft, werden in Vorträgen oder Diskussionen die Möglichkeit finden, auf die Schwachstellen der Energiewende hinzuweisen, und vor allem Katherina Reiche wird in ihrer noch jungen Amtszeit schon zum zigsten mal sagen können, dass eigentlich die Stadtwerke die Träger der Energiewende sind, und deshalb …

Rolf Martin Schmitz, der Stellvertreter von Peter Terium im RWE-Vorstand, wird etwas über die Spaltung des Konzerns erzählen und versichern, dass man allen Verpflichtungen im Zusammenhang mit der Atomkraft nachkommen werde. Das wird mit anderen Worten auch Klaus Schäfer so erklären, der Chef von Uniper, dem Spaltprodukt von Eon.

Die Chefs der Übertragungsnetzbetreiber werden ihr Leid klagen über die zunehmende Menge an volatil eingespeistem Strom aus erneuerbaren Energien und werden erklären, dass der von der Regierung beschlossene Vorrang von Erdkabeln gegenüber Freileitungen natürlich akzeptiert werde, damit aber die zeitlichen Probleme der geplanten Nord-Süd-Trassen nicht automatisch gelöst seien, weil es auch gegen Kabel Widerstände gebe. Und sie werden nicht vergessen zu erwähnen, dass mit der Verkabelung die Kosten steigen werden.

Frank Mastiaux, der EnBW-Vorstandsvorsitzende, wird erklären, dass Veränderung ein Muss und eine Chance sind; und Erik von Scholz, Chef der Engie (früher GDF Suez Energie Deutschland), wie „Die Energiewelt von morgen“, aussieht, nämlich „innovativ, effizient, dezentral“, wofür in dieser Zeitung seit mehr als 20 Jahren hoffnungsvoll geschrieben wurde und was bei den Handelsblatt-Konferenzen bestenfalls als Nischenthema vorkam.

Nun ist es auch bei dieser Konferenz ein zentrales Thema, und das ist gut so.

Viele ehrenwerte Referenten werden in Berlin den Blick nach vorne richten. Wer nicht dabei sein kann (oder nicht will), der sollte sich den 15. Februar notieren. Da ist im Vorfeld der E-world in Essen die Redaktion der Süddeutschen Zeitung „im Dialog mit der Energiewirtschaft“. Themen und Referenten nahezu deckungsgleich.

Und es werden in diesem Jahr noch viele Konferenzen folgen, bei denen nichts Wegweisendes berichtet wird, weil die Akteure entweder ihren Weg noch nicht kennen oder ihn im Wettbewerb auch nicht publik machen möchten.

Die Redaktion von E&M wird in Berlin und in Essen dabei sein, und hoffentlich Erhellendes berichten können – Zweifel daran sind erlaubt.

Die Energiewende findet nicht auf großen Konferenzen, sondern täglich auf der Arbeitsebene statt, und darüber berichten wir in E&M powernews, E&M daily und in E&M.
 

Helmut Sendner
Herausgeber
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Montag, 28.12.2015, 10:25 Uhr

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