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Enerige & Management > Bilanz - Kohle und Atom hieven Quartalsergebnis von RWE ins Plus
Quelle: Fotolia / Andrey Popov
BILANZ:
Kohle und Atom hieven Quartalsergebnis von RWE ins Plus
Der Energieriese RWE macht 2021 dank Energiehandel und Kohleverstromung weiter gute Geschäfte. Bessere verhindern nach drei Quartalen lediglich Windflauten und der Kälteschock in Texas.
 
Die Dinosaurier unter den Energieträgern haben RWE die Zwischenbilanz für die ersten drei Quartale des Jahres 2021 gerettet. Allein mit Kohle und Kernenergie erwirtschaftete der Essener Energiekonzern bis Ende September mit 720 Mio. Euro (bereinigtes Ebitda) fast doppelt so viel wie im Vergleichszeitraum des Vorjahres (381 Mio.).

Außer dem Energiehandel, der nach einem Dreivierteljahr 609 Mio. statt 399 Mio. Euro erbrachte, und einem kleinen Plus im Segment Wasser/Biomasse/Gas (430 Mio. statt 382 Mio.) verzeichnete RWE Rückgänge im Geschäft mit den Regenerativen. Finanzvorstand Michael Müller stellte das Positive heraus: „Wir haben in den ersten drei Quartalen trotz wetterbedingter Einbußen besser abgeschnitten als im Vorjahr. Das verdanken wir vorrangig den guten Geschäften im Energiehandel.“

"Kerngeschäft" bleibt nach Dreivierteljahr noch hinter den Erwartungen zurück

Wahr ist jedoch auch: Ohne den Ertrag aus Braunkohle und Atom, womit die Essener im Großhandel erheblich mehr verdienten als 2020, würde die Zufriedenheit in der Konzernzentrale weniger groß ausfallen. Üblicherweise – und etwas bemüht – bilanziert RWE die fossilen und nuklearen Aktivitäten „außerhalb des Kerngeschäfts“, das allerdings ohne die „Schmuddelkinder“ der Energieversorgung weniger eingebracht hat (1,67 Mrd. statt 1,88 Mrd. Euro).

In der Gesamtrechnung liegt RWE beim bereinigten Ebitda für den Konzern bei 2,397 Mrd. Euro und damit etwa 130 Mio. Euro besser als Ende September 2020 (2,261 Mrd.). Im bereinigten Ebit wächst das Ergebnis von 1,182 Mrd. auf 1,339 Mrd. Euro. Beim Reingewinn gibt RWE ein Plus von etwa 30 % an – nunmehr 1,026 Mrd. statt 794 Mio. Euro.

Für die sinkenden Einnahmen bei Windenergie auf See (656 Mio. statt 738 Mio. Euro) und Windenergie an Land und Solarenergie (36 Mio. statt 373 Mio. Euro) macht RWE einerseits ausbleibende Winde in Nord- und Mitteleuropa verantwortlich. Regelrecht verhagelt habe die Extremkälte in Texas (USA) die Bilanz mit Verlusten von 400 Mio. Euro.

Vor dem Schlussspurt im Jahr 2021 zeigen die Essener sich weiterhin optimistisch. Das bereinigte Ebitda (vor Steuern und Zinsen) werde im erwarteten Rahmen von 3 Mrd. bis 3,4 Mrd. Euro bleiben. Nach Steuern und Zinsen werde RWE bei 1,5 Mrd. bis 1,9 Mrd. Euro einkommen. Auch der Nettogewinn werde über 1 Mrd. Euro liegen, zwischen 1,05 Mrd. und 1,4 Mrd. Euro. Damit könnte das Unternehmen sein Versprechen halten, die Ausschüttung an die Anteilseigner auf 90 Cent je Aktie anzuheben.

Michael Müller sieht RWE weiter auf grünem Kurs. 3.800 MW an Wind- und Solarenergie sowie Speichern seien aktuell im Bau, womit der Konzern 2022 wie erwartet über 13.000 MW an Öko-Kapazitäten bereithalten werde (heute 9.500 MW). Die Brutto-Investitionen in Erneuerbare seien in den ersten drei Quartalen um etwa 80 % auf 2,5 Mrd. Euro gestiegen, gibt das Unternehmen an. Zugleich verkündet RWE einen gesunkenen Schuldenstand: Die Verbindlichkeiten betragen nun 2,866 Mrd. statt 4,432 Mrd. Euro.
 

Volker Stephan
© 2022 Energie & Management GmbH
Donnerstag, 11.11.2021, 12:54 Uhr

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