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Enerige & Management > Klimaschutz - Knackpunkte Kohle und Industrieemissionen
Bild: kav777, Fotolia
KLIMASCHUTZ:
Knackpunkte Kohle und Industrieemissionen
RWE führt einen verzweifelten und wohl auch vergeblichen Abwehrkampf gegen den notwendigen Kohleausstieg. Doch auch die CO2-Emissionen der Industrie müssen massiv gesenkt werden.
 
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: „Unsere Kohlekraftwerke stoßen 150 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr aus. Wir müssen relativ schnell raus aus der Kohle, um unsere Klimaziele zu erreichen“, sagte Uwe Leprich, Leiter der Abteilung Klimaschutz und Energie beim Umweltbundesamt (UBA) auf dem Führungstreffen Energie im Vorfeld der E-world in Essen.

Würde der UBA-Vorschlag umgesetzt, 5 000 MW stillzulegen und die Volllaststunden der übrigen Kohlemeiler auf 4 000/a zu begrenzen, umgesetzt, würde dies 40 bis 60 Mio. t CO2 weniger bis 2020 bringen. „Aber das reicht nicht“, betont Leprich. „Wir dümpeln in Deutschland seit acht Jahren bei 900 Millionen Tonnen CO2-Aussstoß“, verdeutlicht er. „Da ist der Rückgang der Kohleverstromung die Königsoption.“

Und es müsse bei der Braunkohle „ein sehr steiler Pfad“ sein, denn das sei nun einmal der schmutzigste Energieträger „und wir haben die ältesten Kraftwerke“, so Leprich. Alle, die älter als 40 Jahre seien, sollten in den kommenden zehn bis zwölf Jahren vom Netz gehen. Dann blieben 2030 noch 19 000 von heute 44 000 MW Kohlekapazität. „Es ist vorbei“, stellt Leprich klar.

Den Strukturwandel annehmen

Wingas-Geschäftsführer Ludwig Möhring glaubt, dass der Umgang mit der Kohle „zur Kernfrage der Glaubwürdigkeit der deutschen Energiewende“ wird. „Da muss etwas passieren.“ Die Warnung vor „Strukturbrüchen“ und Arbeitsplatzverlusten, die der RWE Power-Vorstandsvorsitzende Frank Weigand vorbringt, kann Möhring dabei nicht schrecken:

„Unsere Angst in Deutschland vor Strukturbrüchen macht mir mittlerweile selber Angst“, sagt er und verweist auf den Strukturwandel in der Textilindustrie, den er hautnah miterlebt hat. Da seien an der deutsch-niederländischen Grenze 8 000 direkte Arbeitsplätze weggefallen, aber man habe das bewältigt.

Auch Leprich berichtet aus dem Saarland, wo mit der Kohle schon seit Jahren Schluss ist, dass dort „der Strukturwandel angenommen“ worden sei und Neues aufgebaut wurde, etwa Künstliche Intelligenz und Digitaltechnik. „Natürlich geht das nicht 1:1“, sagt Leprich, aber es gehe doch eine ganze Menge.

Auf dem Wärmemarkt wird es ungemütlich

„Die wirklich wichtige Frage ist: Wie kriegen wir die CO2-Reduktion in allen Sektoren hin? Das auf die Kohle zu reduzieren, ist zu billig“, sagt Wingas-Geschäftsführer Möhring. Für den Wärmemarkt warnt er davor, „alles zu verdammen, was nicht erneuerbar ist“. Denn im Gebäudebestand komme man mit einer reinen Elektrifizierung und Wärmepumpe nicht weit. Man bekomme die oft schlecht isolierten Gebäude mit dieser Niedrigtemperatur-Technologie nicht warm.

Möhring machen die Kosten bei der Wärmewende Sorgen. „Es wird im Wärmemarkt sehr unbequem für alle Beteiligten werden“, meint er. Im Neubau würden die Kosten weiter steigen, zentraler sei aber der Gebäudebestand, und hier entstehe eine wirkliche „soziale Frage“.

Für den UBA-Experten Leprich ist die Wärmepumpe „Teil einer Antwort“. In den Städten sei sie aber nicht überall einsetzbar. Er macht sich vor allem für Wärmenetze stark. Die seien „Einfallstore“ für erneuerbare Energie. Allerdings findet Leprich es „zu kurz gegriffen“, die Wärme immer in den Vordergrund zu stellen. „Man muss die Emissionsmengen im Blick haben.“ Und da stehe der Gebäudebereich für 120 Mio. Tonnen CO2. Seit 1990 seien dort über 40 % Minderung erreicht worden.

Demgegenüber stoße die Industrie190 Mio. Tonnen CO2/a aus. Dort stehe man mit der Dekarbonisierung noch ganz am Anfang, und das müsse angegangen werden, betont Leprich.
 

Angelika Nikionok-Ehrlich
Redakteurin
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Montag, 05.02.2018, 17:52 Uhr

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