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Enerige & Management > Wärme - Klimaneutrales Heizen mit grünem Gas am effektivsten
Bild: Fotolia.com, sasel77
WÄRME:
Klimaneutrales Heizen mit grünem Gas am effektivsten
Eine Studie vom Energieversorger Eon anhand der Stadt Essen zeigt, dass Klimaneutralität im Wärmesektor am günstigsten mithilfe der bestehenden Gasnetze erreicht werden kann.
 
Mit einem digitalen Abbild der Stadt Essen im Ruhrgebiet wurden verschiedene Szenarien berechnet, wie die Wärmeversorgung künftig klimaneutral gesichert werden kann. Dabei wurde sowohl die komplette Umrüstung auf Wärmepumpen wie auch die Umstellung des vorhandenen Fernwärme- und Gasnetzes aus grüne Gase untersucht. Im Ergebnis war ein Mix aus Wärmepumpen für gut gedämmte Gebäude und Neubauten sowie aus klimaneutraler Gasheizung für den Bestand das kostengünstigste.

Aktuell wird das Fernwärmenetz der innenstädtischen Gebäude von Essen noch mit Kohle beheizt. Eine Mrd. kWh Wärme liefert die Steag dafür jährlich. Eine Energiemenge, die nicht so leicht zu ersetzen ist, sagte Eon-Vorstand Leonhard Birnbaum. Die kostengünstigste und sozial ausgewogenste Lösung sei, die bestehenden Gasnetze in Zukunft für den Transport von grünem Gas wie beispielsweise Wasserstoff zu nutzen.
 
Analyse der Wärmeerzeugung für Essen Stand 2020 Bild Eon

Eon als Stromversorger hat zusammen mit dem Gasversorger Stadtwerke Essen eine Modellierung der Gebäudeheizungen erstellen lassen. Auf Basis der Datenplattform Digikoo wurde ein digitaler Zwilling der Stadt Essen erstellt und an ihm unterschiedliche Szenarien zur Wärmeversorgung der Zukunft durchgespielt. „Nur mit einer deutlichen CO2-Reduktion im Wärmesektor erreichen wir unsere Klimaziele“, betont Eon-Vorstand Leonhard Birnbaum.

Dabei stellte sich heraus, dass es zu extrem steigenden Kosten für die Hausbesitzer und Mieter kommt, wenn man alle Gebäude auf einen Energie-Standard bringen will, der mit einer Wärmepumpe zu beheizen ist. Zudem fehlten Kapazitäten im Bau- und Technikbereich, denn die Gebäudesanierungsquote müsste von heute 1 % auf 2,1 % verdoppelt werden. „Das Hauptproblem sind die Installateure, wer soll das so schnell sanieren und einbauen?“, fragte Birnbaum bei der Web-Präsentation der Studie.
 
Analyse für Essen im Jahr 2050 - hohe Sanierungskosten und Investitionen ins Stromnetz beim Heizen mit Wärmepumpen
Bild: Eon

„Die bestehenden Gasnetze dafür zu nutzen, ist nicht nur am sozialverträglichsten, sondern auch am wirtschaftlichsten. Denn das vermeidet aufwändige Renovierungen und damit verbundene Mietsteigerungen“, folgerte der Eon-Vorstand. „Wir wollen schrittweise grüne Gase in das Energiesystem bringen und brauchen dafür entsprechende politische Rahmenbedingungen, beispielsweise in Form einer Quote für klimaneutrale Gase“, forderte er. Auch der CO2-Preis auf Brennstoffe ab diesem Jahr könne helfen.

Insgesamt basiert die Modellierung auf fünf unterschiedlichen Szenarien, darunter auch die allmähliche Umstellung auf grünes Gas im bestehenden Erdgasnetz. Diese Umstellung sei die Variante, die sowohl den Geldbeutel der Bürger schont, als auch im urbanen Raum dazu führt, gesetzte Klimaziele möglichst effizient zu erreichen. Weitere am digitalen Zwilling der Stadt Essen durchgespielte Möglichkeiten waren die Umstellung auf Wärmepumpen, die zusätzliche Verdichtung des Fernwärmenetzes, der Einsatz direkter elektrischer Raumheizungen und die Verwendung von Hybridwärmepumpen.
 
Analyse für das Heizen in Essen im Jahr 2050 mit einem Mix aus Gas und Wärmepumpen
Bild: Eon

Die Ergebnisse für Essen in allen Szenarien zeigten: Eine Lösung vollständig ohne Gas ist nicht realistisch und verlagere die Kosten für die Energiewende in vielen Fällen in einkommensschwache Stadtteile, sagte Carsten Borchers, Leiter Strategie Energy Networks. Diese Einwohner müssten heute schon die Hälfte ihres Einkommens fürs Wohnen plus zum Teil bis zu 10 % fürs Heizen aufwenden. Weitere Kostensteigerungen seien ihnen kaum zuzumuten, wären aber im grünen Gasmix auch nicht nötig. Während sich im Wärmepumpenszenario die Kosten im Durchschnitt verdoppelten, stiegen sie im Gasmix nur um etwa 50 % bis 2050.

Integrierte Energieplanung für den Klimaschutz

Eine Analyse mit einem digitalen Zwillling könne für Kommunen, Verteilnetzbetreiber und Immobiliengesellschaften in Deutschland und international von hohem Wert sein. Mit Hilfe des Modells lassen sich die großen, übergeordneten Ziele beim Klimaschutz regional herunterbrechen bis auf einzelne Gebäude.

Das helfe Kommunen, für sie genau passende Strategien zur Verminderung des CO2-Ausstoßes zu finden und gemeinsam mit ihren Bürgern umzusetzen. Eine solche integrierten Energie- und Wärmeplanung sei für die Klimaneutralität in allen Kommunen nötig, erste Ansätze gäbe es leider erst in Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg, bedauerte Borchers.
 

Susanne Harmsen
Redakteurin
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Donnerstag, 21.01.2021, 16:35 Uhr

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