• Gas: Preise weiter auf dem Rückzug
  • Strom: Bewölkte Aussicht für Day Ahead
  • BDEW präsentiert 10-Punkte-Plan zum Ausbau der Ladeinfrastruktur
  • Von Siebenschläfern und Burglind
  • Wasserstoffbedarf in der Hauptstadtregion wird abgefragt
  • Pilotanlage zur Speicherung von grünem Wasserstoff geplant
  • Ausschreibung für weiteren Steinkohleausstieg
  • Frankreich setzt weiterhin auf Windkraft
  • Batteriezellen in die letzte Ecke zwängen
  • Naturstrom vermarktet mit neuer Software
Enerige & Management > Europaeische Union - Klimafreundlich ist nicht immer umweltfreundlich
Bild: Fotolia.com, kreatik
EUROPAEISCHE UNION:
Klimafreundlich ist nicht immer umweltfreundlich
Der Vormarsch der Erneuerbaren im europäischen Energiemix nützt nach einem Bericht der Europäischen Umweltagentur (EEA) nicht nur dem Klima, sondern auch der Umwelt - meist jedenfalls.
 
2019 wurden 34 % des Stroms in der EU aus erneuerbaren Energien erzeugt, doppelt soviel wie 2005, so die Europäische Umweltagentur. 38 % des Stroms wurden aus fossilen Brennstoffen erzeugt. Dabei entstanden ein Viertel der Treibhausgase, die die EU 2019 ausstieß, aber auch rund 2,4 Mio. Tonnen Feinstaub, 8 Mio. Tonnen Schwefeldioxid, Stickoxide und andere Schadstoffe. Gegenüber 2005 stießen die Kraftwerke in der EU jedoch etwa ein Fünftel weniger Feinstaub, ein Viertel weniger Treibhausgase und ein Drittel weniger SO2 aus.

Die EEA zieht daraus den Schluss, dass die Umwelt ohne den Vormarsch der erneuerbaren Energien stärker belastet worden wäre. Fast alle Belastungen der Umwelt, die von der Stromproduktion ausgingen, seien seit 2005 deutlich zurückgegangen, heißt es in einer Mitteilung der EEA. „Große Umweltschäden wurden vermieden, weil Steinkohlekraftwerke vom Netz gingen und durch erneuerbare Energien oder Gaskraftwerke ersetzt wurden.“

Die in den letzten Jahren erzielten Verbesserungen reichten allerdings nicht aus, um die Klimaziele der EU zu erreichen. Um die Treibhausgase bis 2030 um 55 % zu senken, müssten 70 % des Stroms aus erneuerbaren Energien erzeugt werden. Dadurch werde nicht nur das Klima geschont, sondern auch die Gesundheit der EU-Bürger und deren natürliche Umwelt, wenn die Umsetzung durch flankierende Maßnahmen begleitet werde.

Erneuerbare können auch Umweltrisiken sein

Denn die erneuerbaren Energien bergen nach Ansicht der EEA auch Risiken für die Umwelt. Das gelte vor allem für die Photovoltaik. Bei der Herstellung von PV-Panelen würden Metalle und Silizium eingesetzt, die ihrerseits unter Einsatz von Umweltgiften produziert würden. Dabei würden außerdem große Mengen Treibhausgase frei. Die Gesamtemissionen könnten allerdings durch eine höhere Recycling-Quote und den Einsatz erneuerbarer Energie im Produktionsprozess gesenkt werden.

Eine Belastung der Umwelt gehe auch von der Müllverbrennung oder dem Einsatz nachwachsender Rohstoff wie Holz aus. Hier empfiehlt die EEA bessere Filter, um den Schadstoffausstoß zu begrenzen. Biokraftstoffe sollten nach Möglichkeit aus organischen Abfällen erzeugt werden, um den Landverbrauch zu reduzieren.

Die Grünen im Europäischen Parlament verlangen, die Empfehlungen der EEA ernst zu nehmen. Die Kommission müsse bei der Novellierung der Effizienzrichtlinie darauf achten, die Umweltbilanz der erneuerbaren Energien weiter zu verbessern. „Leider kommt es durch die Verbrennung von Biomasse und Bioabfällen zu einer vermehrten Landnutzung und Wasserverschmutzung“, sagte die grüne Europaabgeordnete Jutta Paulus in Brüssel. Sie erwarte außerdem einen Vorschlag, um die Zahl der Emissionsrechte deutlich zu verringern.
 

Tom Weingärtner
© 2021 Energie & Management GmbH
Montag, 18.01.2021, 15:43 Uhr

Mehr zum Thema