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Enerige & Management > Mobilität - Klima-Allianz lehnt E-Fuels für Autos ab
Bild: ModernNomads / Shutterstock.com
MOBILITÄT:
Klima-Allianz lehnt E-Fuels für Autos ab
Nachhaltiger Pkw-Verkehr sollte auf batteriebetriebene E-Autos setzen, grüner Wasserstoff dagegen zunächst nur Schiffe und Flugzeuge antreiben, fordert die Klima-Allianz Deutschland.
 
Die Allianz, ein für den Klimaschutz arbeitender Zusammenschluss von mehr als 100 zivilgesellschaftlichen Organisationen, zieht diesen Schluss aus den Ergebnissen einer Studie, die sie zum Thema „E-Fuels im Verkehrssektor“ beim Öko-Institut Freiburg in Auftrag gegeben hatte. Demnach fehle es an zusätzlichen regenerativen Anlagen, die die „enormen Mengen erneuerbaren Stroms“ zur Herstellung des grünen Wasserstoffs als Treibstoff produzieren können.

Die Klima-Allianz stellt sich in ihrer Bewertung gegen Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU). Dieser will im Rahmen der zu verabschiedenden Nationalen Wasserstoffstrategie den Einsatz von synthetischen Kraftstoffen auch im Pkw-Verkehr forcieren. Nach wie vor lässt die Strategie der Bundesregierung aber auf sich warten. Daher war die SPD-Fraktion als Juniorpartnerin der Koalition im Mai vorgeprescht und hatte das Potenzial der Wasserstoffwirtschaft für die nachhaltige Transformation in allen Sektoren herausgestellt. Dies sei nur über einen ambitionierten Ausbau der erneuerbaren Energien zu gewährleisten.

Der Klimaschutz-Beitrag von E-Fuels für den energieintensiven Verkehrssektor sei davon abhängig, so die Studie des Öko-Instituts, wie der zusätzlich nachgefragte Strom produziert werde, der für den Wasserstoff-basierten Treibstoff nötig ist. In der Konsequenz sei nur solcher Strom als erneuerbar im Zusammenhang mit E-Fuels anzusehen, der „aus zusätzlichen und neuen erneuerbaren Stromerzeugungskapazitäten“ stammt. Die Studie sieht für dieses Szenario in den kommenden Jahren kaum Spielraum. Im schlimmsten Fall, so die Klima-Allianz, entstünden sogar mehr Emissionen, weil der wachsende Strombedarf über nicht-erneuerbare Kraftwerke gestillt werde. Fossile Meiler vermehrt auszulasten steht im Widerspruch zum Ziel der Klimaneutralität.

Import von E-Fuel Gefahr für die Energiewende in anderen Sektoren

Im Verkehrssektor stagnierten die Treibhausemissionen 2019 bei etwas mehr als 163 Mio. Tonnen CO2 auf dem Wert von 1990, so die Klima-Allianz. Für das Erreichen der Pariser Klimaziele müsse der Verkehr bis 2050 vollständig dekarbonisiert werden. „Der Sektor steht also vor der großen Herausforderung, in nur 30 Jahren die Transformation zu einem klimaneutralen Anwendungssektor zu vollziehen“, heißt es in der Studie des Öko-Instituts. Wahrscheinlich sei es aber, dass relevante Mengen an nachhaltig produzierten E-Fuels erst nach dem Jahr 2030 für den Klimaschutz zur Verfügung stehen werden.

Damit können E-Fuels zwar laut Christiane Averbeck, Geschäftsführerin der Klima-Allianz Deutschland, „in einigen Sektoren wie Langstrecken-Luftfahrt und Seeverkehr ein letztes ergänzendes Mittel zur Treibhausgasreduktion sein“. Teile des Schwerlastverkehrs könnten ebenfalls von dieser Technik profitieren. Klimafreundliche Mobilität bedeute allerdings grundsätzlich, auf unnötigen Verkehr zu verzichten und Individualverkehr auf Rad, Bus und Bahn zu verlagern. Schließlich sei effiziente Elektromobilität zu fördern.

Vor dem Import von E-Fuels, um Produktionsengpässe in Deutschland zu verhindern, warnt Viviane Raddatz, Klima- und Energieexpertin des WWF Deutschland: „Wer auf E-Fuels-Importe für den Betrieb von ineffizienten Pkw setzt, fährt schwarz auf Kosten der Verkehrswende und gefährdet die Energiewende in anderen Sektoren, wie der Industrie, die für ihre Dekarbonisierung dringend auf grünen Wasserstoff angewiesen ist.“

Die Kurzstudie E-Fuels im Verkehrssektor   steht auf der Website der Klima-Allianz Deutschland als PDF zum Download bereit.
 

Volker Stephan
© 2020 Energie & Management GmbH
Dienstag, 19.05.2020, 15:45 Uhr

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