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Enerige & Management > Veranstaltung - Kleinwind im Rampenlicht
Bild: Mellimage, Fotolia
VERANSTALTUNG:
Kleinwind im Rampenlicht
In einem Webinar machte Solar Promotion, Veranstalter der EM-Power-Messe, mit Unterstützung von E&M auf die Potenziale der Kleinwindnutzung aufmerksam. Mit ungeahnt großem Interesse.
 
Ein Knacken in der Leitung, ein kleiner Verhaspler: Selbst der Moderator, E&M-Chefreporter Ralf Köpke, war aufgeregt zu Beginn des Webinars "Hybrid-Systeme mit Zukunft: Kleinwindkraftanlagen als ideale Ergänzung zu Photovoltaik und Speichern". Anlass gab mit 438 Teilnehmern das hohe Interesse am Webinar − „der bislang größten Informationsveranstaltung zum Thema Kleinwind im deutschsprachigen Raum", so Köpke.

Einen Grund für die hohe Teilnahme mag Martin Pfränger ausgemacht haben. Der Projektleiter der EM-Power, der Fachmesse für die intelligente Energienutzung im Rahmen der "The smarter E Europe"-Messe (17. bis 19. Juni, München), sieht die erneuerbaren Energien generell als "Innovationstreiber, mit dem Unternehmen ihre Wettbewersfähigkeit sichern können". Für das "Zeitalter der regenerativen Sektorkopplung" sieht er in den Kleinwindanlagen eine ideale dezentrale Ergänzung zur Solarenergie im Netz oder zur Off-Grid-Anwendungen. "Das ist auch der Grund, warum wir der Kleinwindbranche auf der EM-Power eine feste Plattform und Heimat geben wollen".

Auch ohne Prototyp bereits Vorbestellungen

Bundesweit sind laut den letzten Zahlen des Bundesverbandes Kleinwindanlagen etwa 20.000 "Mini-Mühlen" mit einer installierten Gesamtleistung von etwa 40 MW in Betrieb, Zahlen, die allerdings aus dem Jahr 2018 stammen. Einen Einblick in die kleinsten unter ihnen gab Matthias Hesse, Geschäftsführer von „DeTec Vision“ mit Sitz in Nordhausen im Südharz. Bereits vor 15 Jahren hat sich der Drei-Mann-Betrieb auf die Entwicklung und den Bau von Vertikalrotoren fokussiert. Im Portfolio haben die Thüringer mit dem Modell Vertikon derzeit eine 1,75-kW-Anlage, mit der − abhängig vom Standort − ein Jahresertrag zwischen 1.500 und 2.500 kWh möglich ist. "Damit haben wir den klassischen Eigenheimbesitzer im Blick", so Hesse
 
Mit der Vertikon-Kleinwindanlagen hat Detc Vision vor allem die Häuslebesitzer als Kunden im Fokus
Bild: DeTec Vision

In Planung hat Detec Vision zu eine Anlage mit 10 kW Leistung. Für dieses neue Modell gibt es bereits zehn Vorbestellungen, wie der gelernte Feinmechaniker-Meister und Betriebswirt im Vorfeld des Webinars E&M mitteilte − und dies, obwohl es noch gar keinen Prototypen gibt. Die Anlagen des Unternehmens drehen sich auch außerhalb Deutschlands: etwa auf dem Testfeld Lichtenegg (Österreich), der europaweit führenden Mess- und Prüfeinrichtung für kleine Windkraftanlagen. Einen Besuch dort rät Hesse jedem Interessenten einer Kleinwindanlage an: Dort gebe es herstellerunabhängig einen guten Überblick, welche Modelle es gibt und wie sie in ihrer Qualität und Leistungsfähigkeit einzuschätzen sind.

Für Hesse ist nicht nur die Anlagentechnik wichtig, einen besonderen Fokus legt er auf die realitätsnahe Ertragseinschätzung: "Wir haben vor dreieinhalb Jahren ein Onlineportal entwickelt und stellen dem Kunden ein portables Windmessungssystem zur Verfügung". Durch diese Messkampagne bekomme der Kunde Daten an die Hand, mit denen er jeden Anlagenhersteller nach einer konkreten Ertragsvorschau befragen kann. "Wir wollten die Windmessung bewusst herstellerunabhängig gestalten, damit der Kunde ein Gefühl dafür bekommt, was an seinem Standort möglich ist."

Eigenverbrauchsquote von 70 Prozent

Im Leistungsbereich 100 bis 750 kW ist das Unternehmen „B.ventus“, an dem der Eon-Konzern mit 30 % beteiligt ist, unterwegs. Deren Prototyp-Anlage mit 250 kW Leistung ist seit vergangenem Frühjahr auf einem landwirtschaftlichen Großbetrieb samt Biogasanlage in Steinfeld (Schleswig-Holstein) in Betrieb und wird derzeit vermessen, wie Geschäftsführer Christoph Esche mitteilte. Die Vorteile dieser sogenannten Medium-Size-Anlage liegen für Esche auf der Hand: ​"Wir halbieren die Energiekosten und kommen immerhin auf eine Eigenverbrauchsquote von 70 Prozent." Die generell schnelle Umsetzung der Anlage in etwa zweieinhalb Wochen ohne Spezialtransport und die platzsparende Aufstellung sind weitere Vorteile, die seiner Ansicht für die getriebelose Anlage sprechen.
 
Seit Frühjahr 2019 ist die erste B.Ventus-Anlage auf einem landwirtschaftlichen betrieb in Schleswig-Holstein in Betrieb
Bild: Dierk Jensen

Die 250-kW-Anlage empfiehlt Esche insbesondere Betrieben mit einem jährlichen Stromverbrauch von mehr als rund 400.000 kWh. Ebenso wie Detec-Vision-Chef Hesse betont auch Esche die Wichtigkeit des Standortes und damit die Beachtung lokaler Windverhältnisse: "Eine erste Pi-Mal-Daumen-Rechnung ist, dass Sie im Sektor West bis Südsüdwest möglichst wenig Hindernisse haben sollten." Auch er empfahl auf dem Webinar potenziellen Kunden mehrwöchige Vor-Ort-Windmessungen. Apropos Messungen: "Unsere interne Vermessung zeigt, dass die Leistungskurve unserer Anlage besser ausfällt als von uns selbst angenommen", so Esche.

Für ihn, so bekannte Esche auf dem Webinar, macht die Kombination aus Kleinwind, Photovoltaik plus Speicher wirtschaftlich Sinn: "Das rechnet sich auch für Betriebe mit volatilem Lastgang und trotz 40-prozentiger EEG-Umlage, die Unternehmen auch für den Eigenverbrauch von EEG-Strom - und das selbst im eher windarmen Bayern."

Das Interesse an diesem bundesweiten ersten "richtig großen" Webinar über Kleinwindanlagen war, wie schon erwähnt, immens. Über 40 eingereichte Fragen konnten während der einstündigen Veranstaltungen nicht beantwortet werden. Antworten − in gebündelter Form − wird es auf der Webseite der EM-Power   ab Montag, 30. März, geben.
 

Davina Spohn
Redakteurin
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Freitag, 27.03.2020, 14:25 Uhr

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