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Enerige & Management > Bilanz - Kleiner Dämpfer für EnBW bei der Jahresprognose
Quelle: EnBW
BILANZ:
Kleiner Dämpfer für EnBW bei der Jahresprognose
EnBW verdient weiter gutes Geld, allerdings weniger als ursprünglich vorausgesagt. Das um Sondereffekte bereinigte operative Ergebnis bleibt 2022 unter der Marke von 3 Milliarden Euro.
 
Auch für die Nummer drei unter Deutschlands Energiekonzernen hängen die Trauben in diesem Jahr höher als gedacht. Die Karlsruher EnBW wird die Schallmauer von 3 Milliarden Euro im bereinigten operativen Ergebnis (adjusted Ebitda) aller Voraussicht nach nicht durchbrechen.

Finanzvorstand Thomas Kusterer sprach von einem „gedämpften Ausblick“ auf das Gesamtjahr, als er am 11. November die Bilanz für die ersten drei Quartale präsentierte. Um 10 Prozent hat der Konzern die Erwartungen zurückgeschraubt, damit liegt der aussagekräftige Wert im bereinigten operativen Ergebnis noch bei 2,7 bis 2,9 Milliarden Euro.

"Stabiles Ergebnis" im operativen Bereich gegenüber 2021

Zu Jahresbeginn hatte die Prognose noch bei 3,03 bis 3,18 Milliarden Euro gelegen. Doch bereits im März hatte der scheidende EnBW-Chef Frank Mastiaux aufgrund Russlands Krieg gegen die Ukraine und der unruhigen Energiemärkte die Zielvorgabe mit dicken Fragezeichen versehen. Entsprechend verdienen die Teilhaber an der Aktiengesellschaft weniger: Der Gewinn sank von 564 Millionen Euro zur Jahresmitte auf 163 Millionen Euro Ende September.

Kusterer spricht insgesamt von einem "stabilen Ergebnis", da das bereinigte Ergebnis von 1,97 Milliarden Euro zum Ende September im Jahresvergleich lediglich um 0,2 Prozent nach unten abweicht. Mit einer exakten Jahresprognose tut EnBW sich auch sieben Wochen vor Silvester noch schwer. Kusterer begründet dies mit der fehlenden Klarheit, wie die Ampelkoalition die Übergewinne aus dem Stromvertrieb abzuschöpfen gedenke. Auch werde das Geschäft mit den Netzen noch diverse Belastungen bereithalten.

Erneuerbare hui – Gasverträge der VNG ein Milliarden-Grab

Freude bereitet den Karlsruhern vor allem das Geschäft mit den Erneuerbaren. Sie liegen im Plus, das bereinigte Ebitda stieg zum Ende des dritten Quartals um 54 Prozent auf etwa 840 Millionen Euro. Beherrschendes Thema in der zweiten Jahreshälfte aber sind und bleiben die fossilen Energien, vor allem das Gas. Hier muss EnBW nach Aussage von Kusterer im Geschäftsjahr etwa 1,2 Milliarden Euro Verluste einrechnen. Das Gute im Schlechten: Ein weiteres Minus von 600 Millionen Euro werde im neutralen Ergebnis wohl nicht auftauchen, weil die Kompensationszahlungen durch den Bund heilend wirken.

EnBW ist hier durch die Konzerntochter VNG stark von den Verwerfungen auf dem Erdgasmarkt betroffen. Zwei Abnahmeverträge über jährlich 65 Mrd. kWh mit Sefe, ehemals Gazprom Germania, und über 35 Milliarden kWh mit Gazprom Export laufen zwar zum Jahresende aus. Sie belasten die Ausgabenseite wegen der stark gestiegenen Gaspreise teils enorm. Der Direktimport russischen Gases über Gazprom Export wird laut Kusterer mit einem Minus von 1,2 Milliarden Euro im operativen Ergebnis zu Buche schlagen.

Kusterer rechnet für die kommenden Tage mit einer Einigung in den Verhandlungen mit der Bundesregierung, wie die Entlastung der Gasimporteure letztendlich ausfällt. Die Zeichen stünden gleichwohl gut, dass VNG die im Raume stehende Staatshilfe nicht in Anspruch nehmen wird.

EnBW nicht grundsätzlich gegen die Gewinnabschöpfung

Der Finanzvorstand widersprach zudem der Auffassung, der Karlsruher Konzern sei ein Gegner der Gewinnabschöpfung durch den Staat. EnBW kritisiere lediglich die Umsetzung, inklusive der Anwendungszeitpunkte und des rückwirkenden Zugriffs durch den Fiskus. „Dass die Abschöpfung sachgerecht für die Gegenfinanzierung der Strompreisbremse ist, stellen wir nicht grundsätzlich infrage“, so Kusterer. Es sei eine Frage der „gesellschaftlichen Solidarität“, die Strompreise zu drücken.

Gleichwohl wolle EnBW in den Verhandlungen mit Berlin „finanzielle Nachteile“ für sich ausschließen, da zum Beispiel die auf Mitte April verlängerte Laufzeit des eigenen Kernkraftwerks Neckarwestheim einen „niedrigen dreistelligen Millionenbetrag“ koste. Hier werde womöglich gar kein Gewinn zum Abschöpfen abfallen.

EnBW hält weiter an dem Ziel fest, bis zum Jahr 2035 die Klimaneutralität im Konzern zu erreichen. Dies werde funktionieren, selbst wenn das Unternehmen aktuell das Geschäft mit fossilem, verflüssigten Erdgas (LNG) ausbaue. Um schneller die Unabhängigkeit von russischem Gas zu erreichen, hat EnBW einen Vertrag mit Venture Global abgeschlossen. Ab 2026 nehmen die Karlsruher jährlich 2,5 Milliarden Kubikmeter LNG ab. Und dies für 20 Jahre. Kusterer versicherte, dies sei mit den Klimazielen zu vereinbaren, da auf lange Sicht nicht die komplette Menge für den deutschen Markt gedacht sei und EnBW zudem flexibel aus dem Vertrag aussteigen könne.

 
Bilanzzahlen Q1-Q3 von EnBW
  Q1-Q3 2022 Q1-Q3 2021 Veränderung
Außenumsatz in Mrd. Euro 39,453 18,72 +110,7 %
Bereinigtes Ebitda in Mrd. Euro 1,967 1,972 -0,2 %
Ebitda in Mrd. Euro 1,612 1,782 -9,6 %
Mitarbeitende 26.427 25.041 +5,5 %

Quelle: EnBW
 

Volker Stephan
© 2023 Energie & Management GmbH
Freitag, 11.11.2022, 14:34 Uhr

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