• Interview: HDAX verstehen
  • Strom bei 400 Euro wegen Dunkelflaute
  • Kälteprognosen treiben Gaspreise nach oben
  • Deutschland kündigt Energiecharta
  • Null Prozent Umsatzsteuer für Lieferung und Installation
  • Uniper will Schadensersatz von Gazprom
  • Eckpunkte für kommunale Wärmeplanung sind da
  • Kontroverse im Klima-Ausschuss um Strompreisbremse
  • Planspiele für Staatseinstieg bei Tennet
  • Umbrüche und Verwerfungen auf allen Märkten
Enerige & Management > KWK - Klare Umsetzungspläne für H2-Hochlauf gefordert
Quelle: E&M / Heidi Roider
KWK:
Klare Umsetzungspläne für H2-Hochlauf gefordert
Wasserstofffähige KWK-Anlagen sollten künftig das Rückgrat des deutschen Energiesystems bilden, so ein Appell vom Jahreskongress des Bundesverbands Kraft-Wärme-Kopplung in Berlin.
 
„In der Krise können wir es uns nicht leisten, auf die Nutzung von KWK-Anlagen und somit auf die Nutzung der Abwärme zu verzichten“, sagte Carl Richers, Vice President vom BHKW-Hersteller Innio Jenbacher und Referent beim diesjährigen B.KWK-Jahreskongress am 27. September. Es sei nun mal eine der effizientesten Lösungen. „Das Thema Effizienz kommt in der öffentlichen Debatte aber noch zu kurz“, so Richers.

Außerdem müsste die Branche noch mehr daran arbeiten, die neue Rolle der KWK besser in der Öffentlichkeit darzustellen sowie zu erklären. Zur wesentlichen Aufgabe, die die KWK künftig in einem klimaneutralen Energiesysteme erfüllen kann, sei die Deckung der sogenannten Residuallast. Ohne die flexible KWK könne auch der geforderte Zubau an erneuerbaren Energien, aber auch an Elektromobilität und Wärmepumpen nicht gelingen. „Die Bereitstellung von Residuallast ist wesentlich für einen weiteren Zubau“, sagte Richers weiter. Die dezentralen KWK-Anlagen würden systembedingt dort stehen, wo auch die Lastschwerpunkte sind. Der Transport volatiler Residualstrommengen über weite Entfernungen entfalle damit, argumentiert der Branchenverband B.KWK.

In diesem Zusammenhang verwies B.KWK-Präsident Claus-Heinrich Stahl darauf, dass KWK keine fossile Technologie ist, sondern dass diese auch mit erneuerbaren Gasen betrieben werden kann, wenn die nötigen Brennstoffe wie Biogas, Biomethan oder Wasserstoff zur Verfügung stehen. „Lock-in-Effekte“ würden daher nicht auftreten, so Stahl weiter.

Vice President Richers von Innio betonte außerdem, dass insbesondere beim Wasserstoff die „Technik da ist“. KWK-Aggregate könnten problemlos mit Wasserstoff Strom und Wärme erzeugen. Richers: „Es scheitert an der Verfügbarkeit“. Er appellierte an die Politik, wenn ein schneller Hochlauf gelingen soll, brauchen die Unternehmen „klare Umsetzungspläne“ wann und wie Wasserstoff zur Verfügung gestellt werden soll.

KWK muss flexibel und erneuerbar werden

Damit die KWK zu einer klimaneutralen Versorgung beitragen kann, muss die Technologie zwingend flexibel und erneuerbar werden. „Der zentrale Punkt ist dabei der Energieträgerwechsel“, sagte Annegret-Claudine Agricola von Zukunft Erdgas beim Kongress. Derzeit laufen mehr als 50 % der KWK-Anlagen bundesweit mit Erdgas, rund 25 % mit Biogas und der Rest mit Kohle oder Öl. „Die KWK kann eine wichtige Rolle zur Erreichung der Klimaneutralität leisten“, so Agricola, wenn sie vollständig auf erneuerbare Gase umsteigen kann. Dazu müssten die Biogase mehr genutzt werden, und ein schneller Hochlauf für grünen Wasserstoff sei dazu außerdem erforderlich.

Schon heute spielen KWK-Anlagen eine bedeutende Rolle im hiesigen Erzeugungssystem: Rund 22 % des Stroms und 17 % der Wärme in Deutschland werden aktuell in KWK-Anlagen erzeugt. Zwar kommt oftmals noch fossiler Brennstoff zum Einsatz, aber die Effizienz ist schon allein wegen der gemeinsamen Erzeugung von Strom und Wärme um 30 % höher als bei ungekoppelten Erzeugungssystemen.

Nicht nur der Brennstoffwechsel, auch die Flexibilisierung der Anlagen sei unabdingbar, so die Expertin. Die KWK-Anlagen müssten weg von einer wärmegeführten Fahrweise. In Zukunft müsste sich die Energieerzeugung mehr an der Ökostromerzeugung durch Wind und Photovoltaik ausrichten. „Wasserstofffähige Gaskraftwerke müssen künftig das Rückgrat des Energiesystems bilden“, so Agricola. Um die zukünftige Stromnachfrage bei Spitzenlast zu decken, müssen außerdem steuerbare Erzeugungskapazitäten zugebaut, bestehende Flexibilitäten, zum Beispiel Speicher, erschlossen und neue geschaffen werden.

Agricola bezog sich bei ihren Ausführungen auf die Studie „Das Potenzial der KWK für die Transformation zur klimaneutralen Energieversorgung“   von Frontier Economics. Die Studie im Auftrag von Zukunft Erdgas wurde bereits im Juli erstmals vorgestellt (wir berichteten).
 

Heidi Roider
Redakteurin und Chefin vom Dienst
+49 (0) 8152 9311 28
eMail
facebook
© 2022 Energie & Management GmbH
Dienstag, 27.09.2022, 16:09 Uhr

Mehr zum Thema