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Enerige & Management > Interview - Kiermeier: "Familienunternehmen mit besonderem Spirit"
Bild: BillionPhotos.com / Fotolia
INTERVIEW:
Kiermeier: "Familienunternehmen mit besonderem Spirit"
Zum 25-jährigen Jubiläum des Windkraftprojektierers Ostwind AG sprach E&M mit Vorstand Bernd Kiermeier über Historie, Situation und Perspektiven des Unternehmens aus der Oberpfalz.
 
E&M: Herr Kiermeier, was zeichnet Ostwind zum 25-jährigen Jubiläum noch immer aus?

Kiermeier: Wir sind nach wie vor ein Familienunternehmen aus der Oberpfalz mit besonderem Spirit, das vor 25 Jahren nicht zuletzt auch als Ausdruck des Widerstands gegen die atomare Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf gegründet worden ist. Die Energiewende ist für uns also nicht nur Business, sondern eine Herzensangelegenheit.

E&M: 25 Jahre Ostwind, das bedeutet auch 25 Jahre Auf und Ab bei der politischen Windkraftförderung. Was waren für Sie dabei die Highlights und die Tiefschläge?
Kiermeier: Das eindeutige Highlight ist sicherlich das Erneuerbare-Energien-Gesetz, ohne das es die heutige Windbranche und –industrie hierzulande nicht geben würde. Dass wir immerhin schon bundesweit einen Windstromanteil von fast 15 Prozent haben, ist dem EEG und den Politikerinnen und Politikern zu verdanken, die das Gesetz jahrelang unterstützt haben.

E&M: Woran denken Sie rückblickend nicht so gerne?

"10-H-Regelung hat uns emotional getroffen"

Kiermeier: Zu den negativen Entwicklungen aus jüngster Zeit zählt sicherlich die 10-H-Abstandsregelung in Bayern, die uns als bayerisches Unternehmen sowohl wirtschaftlich als auch emotional getroffen hat. Mit dieser Regelung hat die CSU den weiteren Windkraftausbau im Freistaat zum Erliegen gebracht. Misslungen ist in der letztjährigen EEG-Reform der Passus mit den Bürgerenergiegesellschaften, der die ursprüngliche Akteursvielfalt total unterläuft und große Eruptionen in der Windindustrie verursacht hat. Was im Gesetz als Bürgerenergiegesellschaft definiert worden ist, hat so wirklich gar nichts mit der Bürgerbeteiligung zu tun, für die wir stehen. Diese Konstruktionen bieten keinerlei Gewähr für eine breit angelegte Teilhabe, die aber notwendig ist, um die Energiewende so dezentral wie möglich zu gestalten.

E&M: Was müsste im nächsten EEG stehen, um die von Ihnen genannten Fehlentwicklungen zu vermeiden?
 
Bernd Kiermeier: "Energiewende ist für uns eine Herzensangelegenheit"
Bild: Ostwind/Herbert Grabe

Kiermeier: Das EEG muss an mehreren Stellen korrigiert werden. Angefangen bei der Ausschreibungsmenge: Das festgelegte Volumen von 2 800 Megawatt brutto im Jahr ist viel zu wenig, um die nationalen Klimaziele, aber auch die Ziele des Pariser Klimaabkommens zu erreichen. Der bestehende Deckel muss weg oder aber massiv angehoben werden. Bei den künftigen Ausschreibungen darf es keine Privilegien mehr für die sogenannten Bürgerenergiegesellschaften ohne eine Genehmigung nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz geben. Noch ein Passus muss geändert werden: Damit sich der Windkraftausbau nicht nur auf den Norden konzentriert, was die Ergebnisse der ersten beiden Ausschreibungsrunden befürchten lassen, muss die sogenannte Referenzertragskurve nach unten Richtung 60 Prozent angepasst werden. Nur so können auch Binnenlandstandorte im Süden für Windparks entwickelt werden, was für die Dezentralität einfach wichtig ist.

"Auslandsmärkte können mitunter schwierig sein"

E&M: Ostwind gehörte in der 1990er Jahren zu den ersten Projektentwicklern, die ins Ausland gegangen sind. Wollen Sie Ihre Aktivitäten im Ausland angesichts des schrumpfenden deutschen Windmarktes in nächster Zeit ausbauen?

Kiermeier: Auslandsmärkte können mitunter sehr schwierig sein, wie wir es selbst in Tschechien erlebt haben. Deshalb werden wir uns weiterhin auf unsere beiden Heimatmärkte Deutschland und Frankreich konzentrieren und unser Engagement dort ausbauen. In beiden Ländern gibt es nach wie vor ein erhebliches Potenzial, bei dem wir mithelfen wollen, es zu heben. In neue Länder zu gehen, macht für uns derzeit keinen Sinn. Bis man im Ausland erste Projekte erfolgreich umgesetzt hat, bedarf es in der Regel einer Vorlaufzeit von mindestens sieben Jahren. Unser Fokus liegt auf Deutschland, Frankreich und Tschechien, wo wir auf eine Trendwende hoffen; wir haben aber bereits vor Jahren begonnen, unsere Geschäftsaktivitäten breiter auszurichten. Dazu zähle ich beispielsweise unsere Betriebsführung oder den Aufbau eines eigenen Portfolios, mit dem wir kontinuierliche Einnahmen sichern wollen.

E&M: Wie groß ist aktuell der Eigenbestand von Ostwind?
Kiermeier: Rund 40 Megawatt in Deutschland und 70 Megawatt in Frankreich mit steigender Tendenz.
 
Knapp ein Dutzend Wald-Windparks hat Ostwind ans Netz gebracht, wie hier das Projekt in Reichertshüll (Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen)
Bild: Ostwind/Herbert Grabe

E&M: Bereits die ersten beiden Ausschreibungsrunden für die Windkraft an Land haben zu einem enormen Preisdruck geführt. Wie reagiert Ostwind darauf?

Kiermeier: Wir haben unser gesamtes Projektportfolio komplett neu kalkuliert und bewertet. Nur die ertragreichsten Projekte haben unter dem neuen Förderregime eine Chance, erfolgreich realisiert und dann betrieben werden zu können. Wir werden sicherlich künftig mehr Kooperationen eingehen, sei es mit anderen Projektentwicklern, Windturbinenherstellern, Kommunen oder Stadtwerken. In den vergangenen Monaten haben wir bereits mit dem einen oder anderen Unternehmen eine intensivere Zusammenarbeit vereinbart. Im jetzigen Umfeld kommt es unseres Erachtens darauf an, die Kräfte zu bündeln.

E&M: Geht es konkreter. Mit wem hat Ostwind bereits Kooperationen vereinbart?
Kiermeier: Wir haben beispielsweise mit dem Baukonzern Max Bögl ein Joint Venture gegründet, um gemeinsame Windprojekte umzusetzen. Darüber hinaus arbeiten wir mit vielen Stadtwerken wie beispielsweise der Rewag aus Regensburg auf unterschiedlichen Ebenen zusammen.

E&M: Mit der zweiten Ausschreibungsrunde sind die Windstrompreise auf unter 4,3 Cent pro Kilowattstunde gesunken. Damit liegt die Windkraft unter den Gestehungskosten von Gas- und Kohlekraftwerken, was immer der Traum von Windkraftpionieren wie Ostwind gewesen ist. Wie können Sie Windparks mit einem solch niedrigen Vergütungssatz wirtschaftlich betreiben?

Kiermeier: In der Zukunft ist das durchaus möglich. Mit der nächsten Generation von Windturbinen, wie sie beispielsweise einige Hersteller auf der jüngsten Husumer Windmesse vorgestellt haben, lassen sich Windparks mit dieser Vergütung durchaus wirtschaftlich betreiben. Der Windstrom ist in zwei, drei Jahren so wirtschaftlich, dass kein anderer Energieträger mehr mithalten kann.

E&M: Wenn wir schon beim Ausblick nach vorne sind: Wird es Ostwind als Familienunternehmen noch nach weiteren 25 Jahren geben?

Kiermeier: Wir setzen weiter auf die Dezentralität der Energiewende, in der es sicherlich auch in der Zukunft einen Platz für ein Unternehmen wie Ostwind gibt.
 
25 Jahre Ostwind: Die wichtigsten Meilensteine
1992 - der Beginn in Deutschland mit den ersten Anlagen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen
1996 - Aufstieg in die „Bundesliga“ der deutschen Projektentwickler mit dem ostfriesischen Windpark Utgast (34 Anlagen mit jeweils 600 kW Leistung)
1999 - Einstieg in den französischen Windmarkt, wo …
2007-2009 - der Bau des Windparks Fruges, des damals mit einer Leistung von 140 MW größten Binnenland-Windprojektes in Europa, erfolgte
2005 - Einstieg in Tschechien
2010 - Bei Gattendorf und Regnitzlosau (Landkreis Hof) entsteht der erste große Wald-Windpark Bayerns (10 MW Leistung)
2013 - Start der eigenen Betriebsführung
2015 - Netzanschluss der 500. Windkraftanlage.
2017 - 540 Windenergieanlagen mit 920 MW Leistung sind geplant, gebaut sowie ans Netz gebracht. Mittlerweile sind in 12 Niederlassungen rund 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt.
 
Zur Person

Bernd Kiermeier, Jahrgang 1967, ist in Folge der 2014 erfolgten Umfirmierung zur Aktiengesellschaft von Ostwind zum Finanzvorstand berufen worden. Der studierte Betriebswirt und gelernte Bankkaufmann war zuvor als Vorstand bei einer Firmengruppe der Immobilienbranche tätig.
 

Ralf Köpke
© 2020 Energie & Management GmbH
Montag, 30.10.2017, 09:07 Uhr

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