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Enerige & Management > Baden-Württemberg - Kernenergieausstieg sorgt für mehr Importe und Erneuerbare
Bild: Martina Berg, Fotolia.com
BADEN-WÜRTTEMBERG:
Kernenergieausstieg sorgt für mehr Importe und Erneuerbare
Die Stromversorgung in Baden-Württemberg verändert sich nach der Abschaltung des Kernkraftwerks Philippsburg deutlich.
 
Sowohl bei erneuerbaren Energien als auch beim Import von Strom verzeichnet das Land Höchstwerte. Ursache für den neuen Energiemix ist in erster Linie die Abschaltung des Kernkraftwerks Philippsburg Ende 2019. Aber auch der Rückgang der Steinkohleverstromung spielt eine Rolle.

Nach Angaben des Landesumweltministeriums haben die Erneuerbaren im ersten Quartal 2020 so viel zur Nettostromerzeugung beigetragen wie noch nie: 45 % des in Baden-Württemberg produzierten Stroms kamen aus erneuerbaren Quellen. Ganz vorne liegt dabei die Windkraft mit 13 %, gefolgt von Biomasse mit 11,9 % sowie Wasserkraft (10,6 %) und Photvoltaik (9,6 %). Im Vorjahr hatte der Anteil noch insgesamt bei 30 % gelegen. Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) sprach von guten und überraschenden Zahlen. Sie zeigten klar, dass ein hoher Anteil der Erneuerbaren die Sicherheit der Stromversorgung nicht beeinflusse.

Einschränkend wies Untersteller aber darauf hin, dass zwar der Anteil der Erneuerbaren gestiegen sei, bei den absoluten Erzeugungszahlen es aber nur wenig Zuwachs gebe. „Wir haben im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auch deutlich mehr Strom aus dem In- und Ausland importieren müssen, um unseren Bedarf zu decken“, erklärte er. Ein Ministeriumssprecher bezifferte auf Anfrage von E&M den Anteil auf 33 %. Gegenüber dem Vorjahr, als das Kernkraftwerk Philippsburg noch am Netz war, ist das eine Steigerung um 12 %. Das entspricht ziemlich genau dem, was der Meiler bisher zur Stromversorgung im Land beigetragen hat. Der überwiegende Anteil der Importe komme aus anderen Bundesländern, sagte der Sprecher.

Untersteller: Bei Energiepolitik den Süden stärker in den Blick nehmen

Vor diesem Hintergrund appellierte Untersteller an die Bundesregierung, bei der Energiepolitik die südlichen Bundesländer stärker in den Blick zu nehmen. Man brauche endlich vernünftige Rahmenbedingungen, um mit dem Ausbau der Erneuerbaren voranzukommen. Außerdem benötige man dringend die großen Übertragungsleitungen von Nord nach Süd. Man schalte Atomkraftwerke ab und nehme Kohlekraftwerke aus dem Markt. Deshalb brauche es auf der anderen Seite eine neue Infrastruktur. „Da ist die Bundesregierung in der Pflicht“, so der Minister

Eine der neuen Gleichstromleitungen, die Windkraftstrom aus dem Norden nach Süddeutschland bringt, führt direkt zum Gelände des stillgelegten Kernkraftwerks Philippsburg: Ultranet soll hier ab 2023 rund 2.000 MW einspeisen. Dazu wird auf dem Kraftwerksgelände ein Konverter errichtet, der den Gleichstrom in Wechselstrom umwandelt, sodass er ins Verteilnetz gelangen kann. Um Platz für die Anlage zu schaffen, sollen im Mai oder etwas später die Kühltürme weggesprengt werden.

Auch eine der beiden Südlink-Leitungen mit je 2.000 MW soll nach Baden-Württemberg führen und im Umspannwerk Großgartach in Leingarten bei Heilbronn enden. Dort speist noch bis 2022 das Kernkraftwerk Neckarwestheim ein. Auch hier ist eine Konverterstation geplant. Das Gesamtprojekt verzögert sich aber wohl bis 2026.

Nach Angaben des Umweltministeriums wird die Realisierung beider Vorhaben auf Drängen von Baden-Württemberg inzwischen intensiv überwacht und es seien keine weiteren Verzögerungen mehr erkennbar. Trotz der zeitlichen Lücke zwischen Kernkraftausstieg und Inbetriebnahme der neuen Trassen sieht Untersteller die sichere Versorgung des Landes nicht gefährdet: Es sei umfangreich Vorsorge getroffen worden und es gebe genügend Reservekraftwerke.
 

Günter Drewnitzky
© 2020 Energie & Management GmbH
Dienstag, 14.04.2020, 14:58 Uhr

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