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Enerige & Management > Energiekonzept - Kein Platz für Kohle in Berlin
Bild: Vattenfall
ENERGIEKONZEPT:
Kein Platz für Kohle in Berlin
Das Ziel „Berlin soll bis 2050 eine klimaneutrale Stadt werden“ ist nur zur schaffen, wenn die vier Kohlekraftwerke in der Hauptstadt vom Netz gehen. Das ist eine Empfehlung des Zwischenberichts der Enquete-Kommission des Abgeordnetenhauses.
 
Die Enquete-Kommission „Neue Energie für Berlin – Zukunft der energiewirtschaftlichen Strukturen“ untersucht seit Mai 2014, wie eine künftige „klimafreundliche energiewirtschaftliche Struktur“ des Landes Berlin aussehen könnte. Die Kommission orientiert sich nach eigenen Angaben dabei am Energiekonzept des Bundes.

Das Ziel der Stadt Berlin ist es, bis spätestens 2050 zu einer „klimaneutralen Stadt“ zu werden: Berlin will bis 2050 seine Treibhausgasemissionen um mindestens 85 % gegenüber 1990 reduzieren, schreibt die Kommission in ihrem Zwischenbericht, der am 17. Februar veröffentlicht worden ist. Das entspricht einer Verringerung des Treibhausgasausstoßes Berlins von derzeit rund 25 Mio. t pro Jahr auf etwa 4 Mio. t jährlich im Jahr 2050 – bei gleichbleibender Einwohnerzahl. Mit einer solchen Zielsetzung müsse die Verwendung fossiler Energieträger in allen Verbrauchsbereichen systematisch gegen null reduziert werden, ist in dem Bericht weiter zu lesen.

Dies bedeute auch die geordnete Beendigung der Kohlenutzung: Die bestehende Braun- und Steinkohleverstromung in Berlin wird nach Aussagen des Kommissions-Berichts an den Kraftwerksstandorten Reuter C und Klingenberg spätestens im Jahr 2020 beendet. Die Enquete-Kommission erwarte, dass den Zusagen von Vattenfall aus der Klimaschutzvereinbarung „jetzt auch verbindliche Investitionsentscheidungen und Maßnahmenpläne folgen“. Für die Standorte Moabit und Reuter West müssen entsprechende Ausstiegspläne noch erarbeitet werden. Vattenfall plant, dass Braunkohlekraftwerk Klingenberg durch ein Gas- und Dampfturbinen-Heizkraftwerk (GuD) zu ersetzen. In den Steinkohlekraftwerken wird indes zunehmend Biomasse mit verfeuert.
 
Übersicht über die Heizkraftwerke in Berlin
Heizkraftwerk Energieträger Bruttoleistung in MWel Wärmeauskopplung in MWth Inbetriebnahme/
Erneuerung
Buch Erdgas 5 130 1974
Charlottenburg Ergas/Öl 215 295 1976/2000
Klingenberg Braunkohle 188 680 1982/1987
Köpenick Gas/Öl 10 50 1994
Lichtenberg Erdgas 36 1 030 1970
Lichterfelde Erdgas 450 720 1972/1997
Mitte Erdgas 440 635 1997
Moabit Steinkohle 150 240 1900/1987-89
Reuter West Steinkohle 600 790 1982
Reuter Steinkohle 165 225 1931/1969
Wilmersdorf Öl 280 285 1977
Kohle Gesamt   1 030 1 935  
Gesamt   2 539 5 080  
Quelle: Zwischenbericht, Enquete-Kommission

Neben dem Ausstieg aus der Kohle soll zudem der öffentliche Gebäudebestand bis 2050 energetisch saniert werden. Jedoch streiten die Fraktionen darüber, wie und wer das bezahlen soll. Nach Einschätzung von Experten beläuft sich der Sanierungsstau in Berlin allein bei den öffentlichen Gebäuden auf etwa 1 Mrd. Euro. Ein Klimaschutzgesetz scheiterte in der vergangenen Legislaturperiode, da die SPD einen Mietpreisanstieg befürchtet, nachdem die Sanierungskosten auf die Mieter umlegbar sind. Dieser Streitpunkt liest sich im Zwischenbericht nun so: „Es ist anzustreben, dass Berlin die Mieterinnen und Mieter in einem größtmöglichen Umfang in die strategischen Pläne und ihre konsequente Umsetzung einbindet und dabei eine optimale Synthese zwischen Sozialverträglichkeit und Klimafreundlichkeit findet.“

Im Wärmesektor sieht der nun vorgelegte Zwischenbericht vor allem die KWK als zentral an. Zudem müsse die Stadt es schaffen, in den nächsten zwei Jahrzehnten eine smarte Energieinfrastruktur bereit zu stellen, dazu gehöre vor allem die Integration dezentraler Anlagen sowie der Aufbau benötigter Informations- und Kommunikationstechnik-Systeme (IKT).

Das Zwischenergebnis wird am 19. Februar im Abgeordnetenhaus in Berlin zur Debatte stehen.

Der Zwischenbericht der Enquete-Kommission „Neue Energie für Berlin – Zukunft der energiewirtschaftlichen Strukturen“   ist als PDF-Download verfügbar.
 

Heidi Roider
Redakteurin und Chefin vom Dienst
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Donnerstag, 19.02.2015, 13:09 Uhr

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